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Wissensmanagement und Persönlichkeitsanalysen

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Kombination von Wissensmanagement und Sprachanalyse

Solche Analysen lassen sich nicht nur an Hand getippter Worte, sondern auch mit Hilfe erkannter Sprache anstellen: Heerscharen von Wissenschaftlern beschäftigen sich mit Themen wie den „Sprachverstehenssystemen“ -- Systemen, die Sprache in Text umwandeln und anderen Systemen zur Weiterverarbeitung bereitstellen.

So wollen Apple und IBM ihre Systeme Siri und Watson in einem Gemeinschaftsprojekt kombinieren – um Bauern sagen zu können, wann sie aussäen sollen. Genauso soll Watson die Ärzte, Anwälte und Architekten sowie die Kunden von Banken, Reiseunternehmen und Versicherungen beraten. IBM beschäftigt 200 Entwickler, die Watson fachspezifische Kenntnisse beibringen sollen – damit will der Konzern das Ende der Call Center einläuten.

In dem Augenblick könnte der Starmind-Anwender zum Siri- und Watson-nutzenden Kunden werden. Der Unterschied: Jetzt generiert er kein Wissen, sondern nutzt das von Dritten. Die Stimme aber ermöglicht einen noch tieferen Einblick in die Persönlichkeit, als das nur anhand von geschriebenem Text möglich gewesen wäre. Da bleibt nur zu hoffen, dass das Starmind-Profil getrennt bleibt von dem, was mit Hilfe von Siri und Watson erstellt wird.

Eine Studie italienischer und britischer Forscher will herausgefunden haben, dass sich Menschen anhand ihrer Stimme mit einer Genauigkeit von 80 Prozent automatisch nach dem Grad ihrer Persönlichkeitsmerkmale im Fünf-Faktoren-Modell sortieren lassen. Und die Stimme unserer Gesprächspartner entscheidet mit darüber, ob wir positive oder negative Gefühle zu anderen entwickeln oder womöglich gar eine Partnerschaft eingehen.

Dieses Wissen lässt sich in Beziehung setzen – wahlweise mit den Gesundheitsdaten der jeweiligen Person, ihrem Verhalten im vernetzten Heim und im vernetzten Auto. Der Spracherkennungsspezialist Nuance schreibt in einer Pressemitteilung: „Die neue Generation von Sprachdialogsystemen kann nicht nur das Gesprochene verstehen, sondern auch schlussfolgern und dazulernen.“

Man kombiniere die Analyse von Kontext, Standort und den Spracheingaben des Benutzers mit dessen Gesten, Mimik und Blickbewegungen. Dies erlaube eine individuelle, freie Dialoggestaltung. „Damit wird eine noch intuitivere und natürlichere Kommunikation mit Fahrerassistenzsystemen, Service-Robotern und der Haustechnik möglich, so dass der Mensch sich nicht der Technik anpassen muss, um diese sinnvoll zu nutzen“, so Nuance.

Experten warnen vor dem Missbrauchspotzenzial

All das erinnert an Googles Absicht, uns künftig Tipps zu geben, was wir morgen tun sollen. Wenn Google das aber kann, kann der Konzern wohl auch prognostizieren, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir dieser Empfehlung folgen werden. Und welcher Anreiz nötig ist, uns von diesem Vorhaben wieder abzubringen. So stellt sich für die Interessenten von derlei Prognosen nur noch die Frage, ob es lohnt, die Prognosen über unsere künftigen Erwartungen zu erwerben und ob es den Aufwand Wert ist, uns von den mutmaßlichen Plänen wieder abzubringen.

Im Februar 2015 behauptete eine Protokolldatei auf dem Handy eines investigativ tätigen Journalisten aus Hamburg, sein Eigner sei zu einem bestimmten Zeitpunkt in Köln gewesen – der Eigner jedoch bestreitet das. Wie das zuging, ist dem Journalisten unverständlich. So ist nicht auszuschließen, dass die betroffene Person im Zweifel schnell in Schwierigkeiten geraten könnte. Diese wären umso größer, je mehr Parameter und/oder damit verbundene Algorithmen Fehler enthalten; dem „Schmetterlingseffekt“ sei Dank.

Der Physiker Stephen Hawking und einige hundert weitere Wissenschaftler haben zur künstlichen Intelligenz einen offenen Brief veröffentlicht – darin bringen sie eine ganze Reihe von Befürchtungen zum Ausdruck – die geringste scheint dabei die Vorstellung steigender Arbeitslosigkeit zu sein.

Da sich „viele“ Arbeiten automatisieren ließen, müssten sich insbesondere die Geringqualifizierten, die Kreativen und verschiedene Arten der „Wissensarbeiter“ Sorgen um ihre Zukunft machen. Das aber wären nur die kurzfristigen Folgen. Langfristig, so schreiben die Autoren unter Verweis auf Erkenntnisse der Stanford Universität, seien „Superhirne“ zu erwarten, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen könnten.

* Joachim Jakobs ist freier Journalist und Autor des Buchs „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen – Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert“.

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