Mitarbeiter-Datenschutz

Wissensmanagement und Persönlichkeitsanalysen

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Wissen als Dienstleistung für alle

Vor Jahren will Clayton Epp in seiner Masterarbeit an einer Kanadischen Universität herausgefunden haben, das sich Intelligenz und emotionale Zustände mithilfe solcher Protokoll-Software feststellen lassen. Solch tiefen Einblick in die Psyche der Starmind-Nutzer zu gewinnen, wäre sicher interessant – egal ob es sich dabei um die Fragenden oder die Antwortenden handelt.

In Deutschland ist der Einsatz von Tastaturrekordern am Arbeitsplatz nach Ansicht des Fachportals iRights nicht zulässig. Was aber, wenn die Mitarbeiter einer Deutschen Niederlassung von der US-Amerikanischen Mutter überwacht würden? Selbst wenn der Nachweis der Überwachung und des Gesetzesverstoßes zu erbringen wäre, könnte es sich als schwierig erweisen die Mängel abzustellen.

Starmind will insbesondere bei deutschen Kunden zunächst beim Betriebsrat um Vertrauen werben, bevor es der Geschäftsleitung ein entsprechendes Angebot macht. Vor dem Hintergrund der technischen Möglichkeiten sicher eine gute Idee.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass die Software von Starmind nicht beim Kunden installiert, sondern als Service (SaaS) angeboten wird. Nur auf besonderen Wunsch hin wird die Anwendung beim Kunden vor Ort eingerichtet. Die Vision des technischen Direktors von Starmind Marc Vontobel ist, „Millionen von Menschen mit ihren Milliarden von Erfahrungen zu verbinden“.

Datenschutz-Probleme sind unausweichlich

Mit den ehrgeizigen Zielen sind Probleme verbunden: Wer immer derartige „Dienste“ statt Software anbietet, könnte zusätzliche Geschäfte mit dem Wissen der Firma betreiben; da es sich um proprietäre Software handelt, könnten in der lokal installierten Anwendung Hintertüren enthalten sein, zusätzlich könnten Anbieter und Kunde in den Focus der Geheimdienste rücken.

Schon das Auslagern der Lohnbuchhaltung birgt erhebliche Risiken – jetzt soll das gesamte Wissen aus den Köpfen aller Mitarbeiter der Wolke anvertraut werden. Dieses ausgelagerte Wissen könnte im Hochwasser der Schweizer Berge untergehen oder per DDoS blockiert werden. Derlei Bedrohungen würden dem Unternehmen aber wohl nicht dauerhaft schaden. Anders sähe es aus, wenn das Wissen durch Unachtsamkeit verloren ginge oder gar gestohlen würde.

Technisch scheint Vontobel alles Mögliche für die Sicherheit seiner Kunden zu tun: Starmind verschlüsselt seine Systeme nach eigenen Angaben mit AES und TLS, ist nachweislich nach ISO 27001 zertifiziert und hat offenbar die Terreactive AG im Schweizerischen Aarau als Penetration Tester engagiert. Terreactive bestätigt diese Geschäftsbeziehung.

Offen ist, was man einer versuchten Beschlagnahme von Daten – etwa durch Geheimdienste – entgegensetzen kann. Vontobel hofft, etwaige Ansprüche der US-Behörden durch eine juristische Trennung des US-Geschäfts abwehren zu können – ehrlicherweise bekennt Vontobel, er sei sich nicht sicher, ob sich diese Verteidigungsstrategie tatsächlich durchhalten ließe, wenn es denn tatsächlich zu entsprechenden Forderungen käme.

Unrealistisch sind derartige Befürchtungen nicht – Apple wollte sich jedenfalls vor Jahren nicht dazu äußern, ob sie bereits Stimmprofile an die Behörden weitergeben mussten. Ein US-Gericht verlangte aber bereits Daten von Microsoft, die in Irland gespeichert waren. Im Zweifel wäre das nicht nur für den Starmind-Kunden bedrohlich, sondern auch für dessen Mitarbeiter.

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