Die Zahl und Qualität von DDoS-Attacken hat im ersten Halbjahr 2025 massiv zugenommen. Neben gigantischen „ISP-Killer“-Angriffen mit über 1,2 Tbit/s rücken zunehmend präzise Layer-7-Angriffe in den Fokus, die klassische Abwehrmechanismen umgehen. Besonders kritisch: Angriffe auf Energie, Verwaltung und Gesundheitswesen.
DDoS-Angriffe nehmen 2025 nicht nur in der Zahl, sondern auch in Präzision und Wirkung deutlich zu, von Backbone-Attacken bis zu gezielten Layer-7-Kampagnen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die Bedrohung durch Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) hat im ersten Halbjahr 2025 eine neue Dimension erreicht. Im Link11-Netzwerk wurden 225 Prozent mehr Angriffe registriert als im Vorjahreszeitraum. Dabei hat sich nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Angriffe weiterentwickelt. Von hochvolumigen Backbone-Attacken bis zu präzisen Layer-7-Angriffen ist alles dabei. DDoS ist längst kein bloßes technisches Ärgernis mehr, sondern ein strategisches Werkzeug für Cyberkriminelle und Hacktivisten.
Neue Qualität von Angriffen
Die Angriffe sind größer, länger und komplexer geworden. Besonders auffällig ist der starke Anstieg großvolumiger „ISP-Killer-Angriffe“, die auf die Uplink-Kapazität ganzer Internet Service Provider oder Rechenzentren abzielen. Die Zahl dieser Infrastrukturangriffe stieg um 143 Prozent. Oft wurden dabei Spitzenwerte von über 1,2 Tbit/s und 207 Millionen Paketen pro Sekunde gemessen – genug, um selbst leistungsfähige Systeme binnen kurzer Zeit zu überlasten.
Die längste dokumentierte Attacke dauerte mehr als acht Tage und fand häufig im Rahmen einer koordinierten Langzeitkampagne mit wechselnden Angriffsmethoden statt. Das kumulierte Datenvolumen aller Angriffe im ersten Halbjahr 2025 stieg auf 438 Terabyte. Dies entspricht mehr als sieben Jahren ununterbrochenem Netflix-Streaming in 4K-Auflösung.
Parallel zu den technischen Dimensionen nehmen politisch motivierte Angriffe weiter zu. Gruppen wie „NoName057(16)” nutzen geopolitische Ereignisse, um kritische Infrastrukturen in Deutschland und Europa anzugreifen – von Energieversorgern über Banken bis hin zu städtischen Verwaltungsportalen.
Kritische Infrastrukturen besonders gefährdet
Dem IBM X-Force Threat Intelligence Index 2024 zufolge richteten sich 70 Prozent der Cyberangriffe gegen kritische Infrastrukturen in den Bereichen Energie, Verwaltung und Gesundheitswesen. Veraltete Systeme, langsame Patch-Zyklen und ungesicherte IoT-Geräte machen diese Sektoren besonders anfällig für bekannte Exploits und automatisierte Botnetze aus dem Dark Web.
Doch die technische Dimension ist nur die eine Seite: Laut PwC verfügen lediglich 2 Prozent der Unternehmen über echte Cyber-Resilienz, obwohl ein einzelner Vorfall im Durchschnitt 3,3 Millionen US-Dollar kostet. Zwar erkennen zwei Drittel der IT-Verantwortlichen die Gefahr, doch operative Vorbereitung und Abwehrmaßnahmen bleiben oft unzureichend.
Professionalisierung der Angreifer
Die Bedrohungslandschaft hat sich in den letzten Jahren stark professionalisiert. KI-gestützte „Crime-as-a-Service“-Modelle ermöglichen es Angreifern, arbeitsteilig vorzugehen. Botnetze werden effizient gemanagt, Attacken automatisiert und gezielt gesteuert. Das World Economic Forum (WEF) warnt vor der zunehmenden Komplexität solcher Plattformen. Cyberkriminelle sind heute vernetzt, dynamisch und hochgradig spezialisiert.
Ein weiteres Beispiel für diese Professionalisierung sind Layer-7-„Jo-Jo-Angriffe“ auf Cloud-Infrastrukturen. Dabei nutzen Angreifer die Auto-Scaling-Funktionen von Cloud-Systemen aus, um durch wechselnde Lastspitzen und Ruhephasen Instabilität und Kostenexplosionen zu erzeugen. Solche Angriffe zielen nicht auf große Datenmengen, sondern auf Präzision und wirtschaftliche Wirkung ab.
Neben den bekannten volumetrischen Angriffen zeichnet sich die aktuelle Bedrohungslage vor allem durch die hohe Präzision von Layer-7-Angriffen aus. Mit rund 20.000 Requests pro Minute können Angreifer gezielt Backend-Systeme wie Webserver, APIs oder Datenbanken stören, ohne dass dabei auffällige Traffic-Spitzen entstehen. Technisch imitieren sie dazu legitime Nutzeranfragen, beispielsweise durch massenhafte Aufrufe von Login- oder Suchfunktionen. Dadurch wirkt der Datenverkehr für klassische Filter normal, sodass herkömmliche Abwehrmechanismen häufig versagen. Die Herausforderung besteht nicht in der Menge der Daten, sondern in der gezielten Überlastung kritischer Funktionen.
Cyberabwehr muss intelligenter werden
Die Analyse der Angriffe im ersten Halbjahr 2025 zeigt eine Verschärfung sowie eine weitere Diversifizierung der DDoS-Bedrohungen. Neben den klassischen Website-Killern und den hochvolumigen ISP-Killern tauchen zunehmend auch raffinierte, KI-gestützte Angriffe auf. Geopolitische Spannungen, ökonomische Interessen und technologische Weiterentwicklungen treiben die Professionalisierung der Angreifer voran.
Unternehmen und Institutionen müssen daher über das reine Bandbreitenmanagement hinausdenken: Echtzeit-Monitoring, KI-gestützte Anomalieerkennung und adaptive Schutzmaßnahmen sind entscheidend, um die komplexen, hybriden Bedrohungen abzuwehren. Nur durch eine Kombination aus Prävention, Resilienzstrategien und schneller Reaktion lassen sich potenzielle Schäden begrenzen.
Stand: 08.12.2025
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