Definition Botnet

Was ist ein Botnetz?

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Peter Schmitz

Botnetze gehören bereits heute zu den größten Bedrohungen im Internet und werden durch das Internet of Things noch bedrohlicher werden.
Botnetze gehören bereits heute zu den größten Bedrohungen im Internet und werden durch das Internet of Things noch bedrohlicher werden. (Bild: Pixabay / CC0)

Ein Botnetz besteht aus schlecht geschützten IT-Systemen, die durch Malware oder automatisierte Angriffe über das Internet gekapert und zu kriminellen Zwecken missbraucht werden. Bislang bestand ein Botnet meist aus Desktop-Computern, inzwischen gehören aber auch IP-Kameras, Smartphones und Smart-TVs zu den Zielen der Cyberkriminellen.

Ein Botnet oder Botnetz, besteht aus gekaperten Computern, deren Besitzer und Nutzer in aller Regel nichts davon wissen, dass ihre Rechner ferngesteuert werden. Die heimliche Übernahme des Rechners beginnt mit einer Malware-Infektion. Die Schadsoftware ermöglicht es dem Angreifer, die Kontrolle über das System zu übernehmen, der Computer agiert wie ein Roboter oder kurz Bot. Gesteuert werden die gekaperten Computer meistens über sogenannte Command-and-Control-Server (C&C-Server), die Angreifer, die das Botnet kontrollieren, werden Bot-Master oder Bot-Herder genannt.

Wenn ein Computer nicht ausreichend geschützt ist, kann ein Angreifer die Rolle des Administrators übernehmen und damit die vollständige Kontrolle über alle darüber erreichbaren Daten, Anwendungen, Dienste und IT-Systeme gewinnen. Der Angreifer kann nicht nur Daten einsehen, manipulieren und missbrauchen, er kann auch den Computer selbst mit allen verfügbaren Funktionen zu seinen kriminellen Zwecken verwenden, sei es die Rechenleistung, die Internetverbindung oder den Speicherplatz. Ahnungslos werden die Besitzer und Nutzer der gekaperten Computer Teil krimineller Aktivitäten, bei denen ihre ferngesteuerten Computer mitwirken, sei es Spamming, Verteilung von Schadsoftware, Speicherung illegaler Dateien oder DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service).

Botnets oder Bot-Netze wurden früher auch gerne als Zombie-PCs bezeichnet. Diese bildhafte, aufrüttelnde Bezeichnung trifft allerdings den Kern der Bedrohung nicht: Nicht nur PCs, sondern jedes vernetzte Gerät mit Internetzugang kann gekapert und als Teil eines Botnets missbraucht werden, wenn der Schutz unzureichend ist. Gerade das Internet of Things (IoT) ist noch weit davon entfernt, einen Sicherheitsstatus zu erreichen, wie er bei Office-PCs vorhanden ist. Auch mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets sind meist schlechter geschützt als PCs und Notebooks. Deshalb werden IoT-Geräte, mobile Geräte, aber auch IP-Kameras und Smart-TVs auch zunehmend die Basis für Botnets und Botnet-Attacken sein. Das aktuelle Beispiel der DDoS-Attacke auf die Website des Security-Experten und Journalisten Brian Krebs zeigt deutlich, wie mächtig Botnets aus IoT-Geräten werden können.

Bedeutung und Empfehlung für Unternehmen

Botnets gehören bereits heute zu den größten Bedrohungen im Internet und werden durch das Internet of Things noch bedrohlicher werden, da die Zahl der Geräte, die relativ leicht gekapert und missbraucht werden können, dank IoT und mobiler Endgeräte stetig wächst. Unternehmen sollten sich deshalb aus zwei Gründen verstärkt mit dem Schutz vor Botnets befassen:

  • Zum einen können Unternehmen zu Angriffszielen für Botnets werden, indem zum Beispiel eine riesige Zahl ferngesteuerter Geräte eine gewaltige DDoS-Attacke auf die Systeme des Unternehmens ausführt.
  • Andererseits könnte ein Unternehmen selbst ungewollt und ahnungslos Teil eines Botnets werden und krimineller Aktivitäten beschuldigt werden, da die Spuren des Angriffs auf das Unternehmen verweisen.

Der notwendige Schutz vor Botnets besteht aus zwei Verteidigungslinien:

  • Zum einen müssen sich Unternehmen rüsten gegen mögliche DDoS-Attacken und gegen Spamming.
  • Zum anderen müssen Unternehmen verhindern, dass die eigenen Geräte Teil eines Botnets werden könnten. Für Desktop-Systeme, Notebooks und weitere mobile Endgeräte sind hier professionelle Anti-Malware-Lösungen Pflicht, die sowohl signatur- als auch verhaltensbasiert Schadsoftware erkennen. Ebenso müssen Schwachstellen durch Patches umgehend und automatisch geschlossen werden, damit die Angreifer die Sicherheitslücken nicht ausnutzen können, um die Kontrolle über die IT-Systeme zu erlangen.
  • Für IoT-Geräte jedoch gibt es oftmals weder professionelle Anti-Malware-Lösungen, die lokal auf den Geräten installierbar wären, noch werden zuverlässig und regelmäßig Updates als Fehlerbehebung angeboten. Hier können nur Lösungen helfen, die Schadsoftware erkennen, bevor diese auf den Geräten ankommen kann, und die Schwachstellen von außen abschirmen (Virtual Patching).

Eine zusätzliche Schutzschicht ist die Analyse der Netzwerkaktivitäten der im Unternehmen eingesetzten Geräte, ob aus der Office-IT oder aus dem Internet of Things. Verdächtige Aktivitäten können Anzeichen dafür sein, dass eigene Geräte zu einem Botnet gehören, dazu gehören:

  • eine ungewöhnlich hohe Belastung des Netzwerkes und des Internetzuganges
  • unüblicher Netzwerk-Verkehr (IRC Traffic)
  • ein extrem hohes Aufkommen an ausgehenden E-Mails
  • eine deutliche Verzögerung im Mail-Versand und bei der Rechenleistung
  • das massive Scannen bestimmter Ports von extern
  • Beschwerden Dritter über Spam, die von dem eigenen Mail-Server ausgegangen sein sollen

Ist es zu einer Bot-Infektion gekommen, sollten die betroffenen Unternehmen die entsprechenden Geräte isolieren und nach Malware untersuchen. Mit Anti-Bot-Funktionen des Virenschutzes müssen die Infektionen beseitigt werden, ausgenutzte Schwachstellen müssen geschlossen werden. Ebenso sollten interne Speicher und eigene Cloud-Speicher untersucht werden, ob diese als Zwischenlager für Malware oder verbotene Inhalte genutzt wurden. Nicht zuletzt gilt es, die möglichen Opfer zu informieren, wenn sie ohne Wissen des Unternehmens mit Spam- oder DDoS-Attacken überzogen wurden.

Gerade das verstärkte Aufkommen von IoT-Botnets unterstreicht, wie wichtig es ist, das IoT deutlich sicherer zu machen, als es bisher ist. IoT-Geräte brauchen Security by Design, Patch-Management und Anti-Malware-Schutz. Andernfalls erwächst aus dem Internet of Things eine mächtige Bedrohung für die gesamte IT und für die Daten und Dienste der Nutzer. Einen Eindruck von den weltweiten Botnet-Aktivitäten bietet zum Beispiel die Global Botnet Threat Activity Map. Unterstützung bei der Abwehr von Botnets findet man unter anderem bei botfrei, einem Service von eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Breitband bedroht Kritische Infrastrukturen

DDoS-Angriffe bald per Glasfaser

Breitband bedroht Kritische Infrastrukturen

Die Bundesregierung will das Internet breitbandig ausbauen – Security-Insider will von Marc Wilczek, Geschäftsführer von Link11 und Spezialist zur Abwehr von DDoS-Angriffen wissen, welche Maßnahmen zur Sicherung dieser Kapazität – etwa im Hinblick auf unsere kritischen Infrastrukturen – erforderlich sind, ob die Anwender diese tatsächlich umgesetzt haben und was das alles für den kriminellen Markt bedeutet. lesen

Krypto-Mining wird der nächste Cybercrime-Hype

Mobile Cryptojacking-Malware

Krypto-Mining wird der nächste Cybercrime-Hype

Hacker nutzen jede noch so kleine Sicher­heits­lücke für ihren Vorteil. Hardware-Hersteller von Computern, Smartphones, Tablets oder Cloud-Servern packen immer mehr CPU-Kerne und Arbeitsspeicher in ihre Geräte. Dadurch werden diese Systeme ein immer interessanteres Ziel für Cyberkriminelle um mittels Crypto-Mining-Botnetz große Gewinne mit Kryptowährungen zu erzielen. lesen

Keine Chance für unbekannte Bedrohungen

[Gesponsert]

Moderne Firewalls müssen kommunizieren können

Keine Chance für unbekannte Bedrohungen

Die Integration neuer Technologien wird immer wichtiger für effektive Netzwerksicherheit. Die XG Firewall vereint Deep Learning und Schutztechnologien, die unbekannte Bedrohungen wie Ransomware zuverlässig blockieren. lesen

Sicherheit nach Zwiebelschalen-Prinzip

[Gesponsert]

Hochsicherheitsbereich Endpoint: Mit System gegen Cybercrime

Sicherheit nach Zwiebelschalen-Prinzip

Endpoints galten lange als das Lieblings-Einfallstor von Cyberkriminellen. Die Zeiten scheinen vorbei. Moderne Administratoren sichern ihre Rechner mit einem mehrstufigen Sicherheitssystem ab. lesen

Malware schürft immer öfter Krypto­währungen

Fortinet Threat Landscape Report

Malware schürft immer öfter Krypto­währungen

Cyber-Kriminelle entwickeln ihre Angriffs­me­thoden rasant weiter, um Infektionen schneller und weiter verbreiten zu können. Wäh­rend Ransomware Unternehmen weiter zu schaffen macht, nutzen einige Cyber­kriminelle jetzt bevorzugt gekaperte Systeme für das Krypto-Mining anstatt Lösegeld zu erpressen. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Fortinet Global Threat Landscape Reports. lesen

8 Trends für 2018 in der Cyber-Sicherheit

TÜV Rheinland Cybersecurity Trends 2018

8 Trends für 2018 in der Cyber-Sicherheit

Wie können sich Unternehmen besser vor der wachsenden Zahl und der Komplexität an Cyberattacken schützen und sich zugleich für die Chancen der Automatisierung und Digitalisierung der Wirtschaft rüsten? Diese Fragen beleuchtet TÜV Rheinland in seinen „Cybersecurity Trends 2018”. lesen

Die Rückkehr des Festi-Rootkit

Malware-Analyse

Die Rückkehr des Festi-Rootkit

Veraltete Software wird nicht unendlich verkauft, sondern irgendwann vom Markt genommen. Es macht auch keinen Sinn, sie später wieder auf den Markt zu bringen. Gleiches gilt eigentlich auch für Malware. Ist ein Angriffsvektor bekannt, sollten Unternehmen ihn schließen und der Schädling hätte keine Chance mehr. Leider passiert das nicht, dies zeigt die Geschichte von Festi, eines ehemals beliebten Rootkits. lesen

Rechenleistung kapern mit Krypto-Mining

Krypto-Mining auf einen Blick

Rechenleistung kapern mit Krypto-Mining

Das Jahr 2018 ist gerade erst ein paar Monate alt, und schon jetzt setzt sich der Trend der letzten Monate des Jahres 2017 weiter fort. Krypto-Mining-Malware wird rasch zum bevorzugten Modus Operandi der Angreifer. Im Dezember 2017 sandten 88 Prozent aller Remote Code Execution-Angriffe (RCE) einen Request an eine externe Quelle, um eine Krypto-Mining-Malware herunterzuladen. lesen

Neue Gefahr Cryptojacking

Digitaler Goldrausch

Neue Gefahr Cryptojacking

Als „Cryptojacking“ – eine Wortneuschöpfung aus den englischen Begriffen „Cryptocurrency“ (Kryptowährung) und „Hijacking“ (Entführung) – bezeichnet man das Kapern des Browsers eines Endanwenders mit dem Ziel, dessen Computer für das unerwünschte Schürfen digitaler Währungen zu missbrauchen. Der Angriff erfreut sich bei Cyberkriminellen neuerdings großer Beliebtheit. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44344016 / Definitionen)