Definition NIS Cooperation Group Was ist die NIS Cooperation Group?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

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Die NIS Cooperation Group ist ein durch die NIS-Richtlinie eingesetztes EU-Gremium. Es soll die strategische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie fördern und den Informationsaustausch koordinieren, um die Cybersicherheit in der EU zu stärken. Das Gremium setzt sich aus Vertretern der Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der ENISA zusammen.

Die NIS-Kooperationsgruppe (NIS Cooperation Group) ist ein EU-Gremium zur Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich Cybersicherheit. (Bild:   / CC0)
Die NIS-Kooperationsgruppe (NIS Cooperation Group) ist ein EU-Gremium zur Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich Cybersicherheit.
(Bild: / CC0)

Die vollständige deutsche Bezeichnung für NIS Cooperation Group lautet "Gruppe für die Zusammenarbeit im Bereich der Netz- und Informationssysteme". Die Kurzform ist NIS-Kooperationsgruppe. Es handelt sich um ein Gremium, das durch die erste NIS-Richtlinie aus dem Jahr 2016 eingesetzt wurde. Die NIS-2-Richtlinie (EU-Direktive 2022/2555) aus dem Jahr 2022, eine Erweiterung und Weiterentwicklung der ersten NIS-Richtlinie, führt dies fort und stärkt und erweitert die Rolle dieser Gruppe.

Das Gremium soll ein hohes Niveau der Cybersicherheit in der EU durch die Förderung der strategischen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten und die Koordinierung des Informationsaustauschs sicherstellen. Es ist damit ein zentrales Gremium für eine einheitliche Umsetzung von NIS-2 in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die NIS Cooperation Group kooperiert eng mit dem Netzwerk der nationalen CSIRTs (Computer Security Incident Response Teams) und mit anderen relevanten Gruppen und Institutionen. Dadurch entsteht eine Art mehrstufiges Ökosystem der Zusammenarbeit.

In welcher Beziehung steht die NIS Cooperation Group zur NIS-2-Richtlinie?

Die NIS Cooperation Group steht in enger Beziehung zur NIS-2-Richtlinie. Die Gruppe wurde zwar, wie eingangs erwähnt, bereits von der ursprünglichen ersten Version der NIS-Richtlinie aus dem Jahr 2016 eingesetzt, doch die NIS-2-Richtlinie stärkt und erweitert die Rolle der NIS Cooperation Group nochmals deutlich.

NIS-2 ist eine EU-Richtlinie zur Erhöhung der Cybersicherheit in kritischen Infrastrukturen und digitalen Diensten. Um aktuellen Bedrohungen und technischen Weiterentwicklungen besser gerecht zu werden, ersetzt und erweitert sie die ursprüngliche NIS-Richtlinie und verschärft die Anforderungen an die IT-Sicherheit. NIS-2 verpflichtet Unternehmen in kritischen Sektoren zu strengen Sicherheitsmaßnahmen, Risikomanagement und Meldepflichten. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder. In Deutschland wird die NIS-2-Richtlinie durch das Ende 2025 in Kraft getretene NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz (NIS2UmsuCG) realisiert.

Mit dem Inkrafttreten der NIS-2-Richtlinie wird der NIS-Kooperationsgruppe eine noch zentralere Rolle zugewiesen. So besteht beispielsweise ein stärkerer Fokus auf dem Risikomanagement, neue kritische Sektoren werden in die Bestimmungen zur Netzwerksicherheit einbezogen und die grenzüberschreitende strategische Zusammenarbeit wird stärker gefördert. Genauer beschrieben sind die Aufgaben und die Arbeit der NIS Cooperation Group im Artikel 14 der NIS-2-Richtlinie.

Was sind die Ziele und Aufgaben der NIS Cooperation Group?

Übergeordnetes Ziel der Einrichtung einer NIS Cooperation Group ist es, ein hohes gemeinsames und einheitliches Sicherheitsniveau für Netzwerk- und Informationssysteme in der Europäischen Union zu erreichen und dadurch die Widerstandsfähigkeit des europäischen digitalen Ökosystems zu stärken. Die NIS-Kooperationsgruppe soll sicherstellen, dass die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Erreichung dieses hohen gemeinsamen Sicherheitsniveaus zusammenarbeiten. Konkret ergeben sich aus diesen Zielen folgende Aufgaben für die NIS Cooperation Group:

  • Förderung der strategischen Zusammenarbeit
  • Erleichterung des Informationsaustauschs zwischen den Mitgliedstaaten
  • Erarbeitung und Austausch von Best Practices
  • Koordination der nationalen Strategien und Verabschiedung gemeinsamer Strategien
  • strategische Beratung und Unterstützung der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten bei der einheitlichen Umsetzung der NIS-Richtlinie
  • Überwachung der Fortschritte bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie
  • strategische Analysen und Konsultationen für das Risikomanagement
  • Durchführung koordinierter Sicherheitsrisikobewertungen (zum Beispiel zum Schutz von Lieferketten)
  • Implementierung koordinierter Richtlinien zur Offenlegung von Schwachstellen
  • Bereitstellung einer Plattform zum Austausch von Details zu Sicherheitsvorfällen, neuen Bedrohungen oder Beinahevorfällen
  • Entwicklung von Methoden zur Risikominderung und zur Prävention von Cyberangriffen mit potenziell weitreichenden Folgen
  • Engagement für gemeinsame Schulungsinitiativen und Sensibilisierungskampagnen
  • Stärkung der operativen Fähigkeiten lokaler Teams
  • Erfahrungsaustausch im Zusammenhang mit Cybersicherheitsübungen
  • Definition von Leitlinien zur Identifizierung wichtiger Einrichtungen, die kritische Funktionen für die Gesellschaft und Wirtschaft erfüllen
  • Organisation regelmäßiger gemeinsamer Treffen mit relevanten privaten Akteuren aus der EU

Wie setzt sich die NIS Cooperation Group zusammen und wie sieht die Arbeit der Gruppe aus?

Die NIS Cooperation Group setzt sich aus Vertretern der einzelnen Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der ENISA (Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit) zusammen. Die Rolle der ENISA ist es, die Gruppe mit technischem Fachwissen und Methoden für die Cybersicherheit zu unterstützen. Der Europäische Auswärtige Dienst nimmt als Beobachter an den Aktivitäten der Kooperationsgruppe teil. Auch europäische Aufsichtsbehörden und andere gemäß NIS-2-Richtlinie zuständige Behörden können an den Aktivitäten der Kooperationsgruppe teilnehmen. Darüber hinaus kann die NIS Cooperation Group gegebenenfalls das Europäische Parlament und Vertreter relevanter Interessengruppen zur Teilnahme an ihrer Arbeit einladen.

Die NIS Cooperation Group arbeitet auf Basis von mehrjährigen Arbeitsprogrammen und trifft sich regelmäßig zu Sitzungen. Die Tagesordnungen der Treffen werden von den Mitgliedern vereinbart und sind öffentlich zugänglich. Den Vorsitz in den Sitzungen der NIS Cooperation Group hat der aktuell im Rat der EU den Vorsitz innehabende Mitgliedstaat. Das Sekretariat wird von der Europäischen Kommission gestellt.

Mit wem arbeitet die NIS-Kooperationsgruppe zusammen?

Die NIS-Kooperationsgruppe arbeitet operativ mit dem Netzwerk von Computer Security Incident Response Teams (CSIRTs) und dem EU-CyCLONe (European Cyber Crisis Liaison Organisation Network) zusammen. Dadurch soll unter anderem sichergestellt werden, dass die von diesen Netzwerken bereitgestellten Analyseergebnisse in die allgemeine Cybersicherheitsstrategie der EU einfließen und eine koordinierte und zeitnahe Reaktion auf großflächige Cyberangriffe erfolgen kann. Darüber hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Kooperationsnetz für Wahlen, das Bedrohungen der Wahlprozesse in der EU entgegenwirken soll. Die NIS-Kooperationsgruppe bindet auch wichtige private Akteure ein. Das soll den Dialog mit der Privatwirtschaft im Bereich Cybersicherheit fördern und die Arbeit der Gruppe besser auf die operative Realität abstimmen, wodurch sich positive Auswirkungen auf die Akzeptanz der Arbeit der Gruppe ergeben.

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Welche Veröffentlichungen gibt es von der NIS Cooperation Group?

Wichtige Ergebnisse der Arbeit der NIS Cooperation Group sind jährliche Incident-Reports, unverbindliche Richtlinien, Referenzdokumente, technische Leitlinien und andere Dokumente oder Berichte zu Themen der Cybersicherheit. Sie werden regelmäßig veröffentlicht und sollen eine wirksame und kohärente Umsetzung der NIS-Richtlinie sicherstellen sowie über die Arbeit der NIS-Kooperationsgruppe informieren. Beispiele für Veröffentlichungen der NIS Cooperation Group sind:

  • Technische Leitlinien zu Sicherheitsmaßnahmen für Top-Level-Domain-Namensregister
  • Kompendium zur Cybersicherheit von Wahltechnologie
  • Referenzdokument zur Identifizierung von Betreibern wesentlicher Dienste
  • Umsetzung der NIS-Richtlinie im Energiesektor
  • Bedrohungen und Risikomanagement im Gesundheitswesen im Rahmen der NIS-Richtlinie
  • Bericht über die Cybersicherheit und Resilienz der Kommunikationsinfrastrukturen und -netze der EU
  • Risikobewertung von 5G-Netzen
  • Jahresberichte der NIS-Sicherheitsvorfälle
  • und viele mehr

Eine Liste mit Links zu den Veröffentlichungen der NIS Cooperation Group und weitere Informationen über die Gruppe sind über die Webseite der NIS-Kooperationsgruppe verfügbar.

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