Wenn Wissen nicht preisgegeben wird Zero-Knowledge-Biometrie als neue Authentifizierungslogik

Ein Gastbeitrag von Henning Dittmer 4 min Lesedauer

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Wie lässt sich Biometrie prüfen, ohne Daten preiszugeben? Zero-Know­ledge-Biometrie kombiniert Kryptografie und Erkennung für passwortlose Logins, DSGVO-Konformität und Robustheit gegen Deepfakes, einsetzbar für Kunden und Mitarbeitende.

Zero-Knowledge-Biometrie verifiziert Identitäten passwortlos, ohne biometrische Daten preiszugeben oder zentral zu speichern, wodurch Datenschutz und Compliance gestärkt, Breach-Risiken und Deepfake-Missbrauch minimiert und zugleich ein nutzerfreundlicher, skalierbarer Login ermöglicht werden.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Zero-Knowledge-Biometrie verifiziert Identitäten passwortlos, ohne biometrische Daten preiszugeben oder zentral zu speichern, wodurch Datenschutz und Compliance gestärkt, Breach-Risiken und Deepfake-Missbrauch minimiert und zugleich ein nutzerfreundlicher, skalierbarer Login ermöglicht werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Digitale Identitäten haben sich längst zu einer zentralen Sicherheitsressource moderner Or­ga­nisationen entwickelt. Mitarbeitende, Kunden und Partner greifen täglich auf zahlreiche Sys­teme und Anwendungen zu, die über Cloud-Plattformen, mobile Endgeräte und hybride IT-Umgebungen verteilt sind. Mit dieser zunehmenden Vernetzung wird es jedoch immer kom­plex­er, Zugriffe sicher und zuverlässig zu kontrollieren. Klassische Authentifizier­ungs­ver­fahr­en wie Passwörter oder Einmalcodes gelten dabei zunehmend als Schwachstelle. Sie sind anfällig für Phishing, Social Engineering und automatisierte Angriffe und stellen in vielen Fällen ein Einfallstor für Sicherheitsvorfälle dar. Biometrische Verfahren versprechen zwar mehr Si­cher­heit und Komfort, stehen jedoch seit Jahren im Spannungsfeld zwischen technischer Wirk­sam­keit, Datenschutzanforderungen und Nutzerakzeptanz.

Mit der Zero-Knowledge-Biometrieauthentifizierung gibt es nun einen Ansatz, der dieses Spannungsfeld neu auflöst. Durch den Einsatz kryptografischer Verfahren können Identitäten überprüft werden, ohne dass biometrische Daten offengelegt oder zentral gespeichert werden müssen. So lassen sich hohe Sicherheitsstandards mit konsequentem Datenschutz und einer benutzerfreundlichen Authentifizierung verbinden.

Warum herkömmliche Biometrie an ihre Grenzen stößt

Die biometrische Authentifizierung hat sich vor allem im Consumer-Bereich etabliert, bei­spiels­weise in Form von Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung auf Smartphones. Technisch lassen sich diese Verfahren grob in lokale, zentrale und dezentrale Modelle einteilen. Die in Be­triebssystemen implementierte lokale Biometrie gilt als vergleichsweise daten­schutz­freund­lich, da biometrische Merkmale das Endgerät nicht verlassen. Für Unternehmen ist dieser Ansatz jedoch nur begrenzt nutzbar, da er kaum Kontrolle, Transparenz oder eine platt­form­über­grei­fen­de Nutzung erlaubt. Zentralisierte biometrische Systeme speichern und vergleichen bio­me­trische Templates serverseitig, was dieses Problem löst.

Genau hier entsteht jedoch ein massives Risiko, denn zentrale Datenbanken mit biometrischen Informationen sind ein attraktives Ziel für Angreifer. Anders als Passwörter lassen sich bio­me­trische Merkmale nicht einfach ändern – ein erfolgreicher Angriff hat somit potenziell le­bens­lange Konsequenzen für die Betroffenen. Dezentrale Architekturen versuchen, dieses Risiko zu entschärfen, indem sie biometrische Daten fragmentieren oder verteilt verarbeiten. Doch auch hier bleibt ein Restrisiko bestehen, da einzelne Fragmente oder Metadaten unter Umständen Rückschlüsse auf Identitäten erlauben. Die zentrale Frage lautet daher: Wie lässt sich eine bio­metrische Authentifizierung realisieren, ohne dass biometrische Daten preisgegeben werden?

Zero-Knowledge als Prinzip: Vertrauen ohne Offenlegung

Die Antwort liefert ein Konzept aus der Kryptografie: der Zero-Knowledge-Proof. Dabei wird bewiesen, dass eine Aussage wahr ist, ohne zusätzliche Informationen offenzulegen. Über­tra­gen auf die biometrische Authentifizierung bedeutet dies, dass ein System bestätigen kann, dass eine Person berechtigt ist, ohne auf ihr bio­me­trisches Merkmal zugreifen zu müssen oder es rekonstruieren zu können.

Zero-Knowledge Biometric Authentication kombiniert bio­me­trische Erkennung mit fort­ge­schrittenen kryptografischen Verfahren. Beim Onboarding wird ein biometrisches Merkmal, etwa ein Gesichtsbild, lokal erfasst und unmittelbar in eine mathematisch nicht rückführbare Repräsentation umgewandelt. Aus dieser entsteht ein kryptografischer Nachweis, der als Re­ferenz dient. Es werden weder Rohdaten noch rekonstruierbare Templates gespeichert. Bei einer späteren Anmeldung erzeugt das System aus dem aktuellen biometrischen Input erneut einen Zero-Knowledge-Beweis. Der Server prüft ausschließlich diesen Beweis und kann so feststellen, ob eine Übereinstimmung vorliegt, ohne jemals biometrische Daten zu sehen oder zu speichern. Die Authentifizierung erfolgt in der Regel innerhalb weniger hundert Milli­se­kunden und ist somit auch für hochfrequente Login-Szenarien geeignet.

Datenschutz, Sicherheit und Nutzerkomfort im Einklang

Dieser Ansatz eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten. Da biometrische Daten weder zentral gespeichert noch verarbeitet werden, wird das Risiko schwerwiegender Daten­schutz­ver­let­zun­gen erheblich reduziert. Gleichzeitig wird die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, wie etwa der DSGVO, deutlich erleichtert, da besonders schützenswerte personenbezogene Daten faktisch nicht mehr vorhanden sind. Auch aus Sicht der Nutzenden bietet Zero-Know­ledge-Biometrie Vorteile. Die Authentifizierung erfolgt passwortlos, schnell und intuitiv, ohne dass zusätzliche Hardware oder komplexe Mehrfaktor-Mechanismen erforderlich sind. Gleichzeitig sind die Verfahren robust gegenüber modernen Bedrohungen wie KI-gestützten Deepfakes oder Replay-Attacken, da kryptografische Nachweise nicht reproduzierbar sind.

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Marktentwicklung und technologische Reife

Die wachsende Bedeutung dieser Ansätze zeigt sich auch auf strategischer Ebene. Im Markt ist eine zunehmende Auseinandersetzung mit Verfahren zu beobachten, die eine biometrische Authentifizierung ohne die Speicherung rekonstruierbarer biometrischer Daten ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist die Zero-Knowledge-Biometrie. Daneben wird auch Public Biometric Infrastructure (PBI) als Ansatz diskutiert, wenn es darum geht, datenschutzfreundliche Bio­me­trie-Architekturen zu ermöglichen. Grundsätzlich lassen sich beide Konzepte sowohl für Kun­den- als auch für Workforce-Identitäten einsetzen. Vor dem Hintergrund zunehmend KI-ge­stützter Angriffe und wachsender regulatorischer Anforderungen zeichnet sich ein Trend hin zu möglichst datensparsamen Verfahren ab.

Ein neuer Standard für digitale Identitäten

Die Zero-Knowledge-Biometrieauthentifizierung markiert hier einen Paradigmenwechsel in der digitalen Identitätssicherung. Anstatt sensible biometrische Daten besonders stark ab­zu­sichern, um sie zu schützen, verzichtet dieser Ansatz konsequent darauf, sie überhaupt zu­gäng­lich zu machen. So entsteht ein Authentifizierungsmodell, das Sicherheit, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit vereint. Für IT-Verantwortliche und Security-Architekten bietet Zero-Knowledge-Biometrie ein solides Fundament für zukünftige Identitätsstrategien – ins­be­son­dere dort, wo Vertrauen, Skalierbarkeit und regulatorische Sicherheit gleichermaßen gefragt sind.

Über den Autor: Henning Dittmer ist RVP DACH bei Ping Identity

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