Software-Qualität

10 Software-Bugs und ihre spektakulären Folgen im Jahr 2011

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Von Rückrufaktionen und Freiheitsträumen

5. Greencard-Gewinner freuen sich zu früh: Für über 20.000 Teilnehmer der Greencard-Lotterie kam die Freude zum baldigen Erhalt ihrer Arbeitserlaubnis in den USA zu früh. Ein Programmierfehler führte zu einer unfairen Ziehung der Greencard-Gewinner, die gegen das US-Gesetz verstieß. Alle Ergebnisse wurden revidiert und die Verlosung wiederholt.

6. Polizei inhaftiert unschuldige Personen: Über 3.600 Defekte in einem Computersystem und Probleme bei der elektronischen Übertragung von Informationen führten dazu, dass im australischen Bundesstaat New South Wales 22 unschuldige Personen als kriminell deklariert und festgenommen wurden. Das fehlerhafte System kostete 54,5 Million Neuseeland-Dollar (über 31 Millionen Euro). Anstatt der erhofften Kostensenkung und beschleunigten Prozesse zwischen den Gerichten und der Polizei, hagelte es Sammelklagen zu Schadenersatz wegen unrechtmäßiger Verhaftung und böswilliger Strafverfolgung.

7. Daten-Chaos bei Umstellung auf elektronische Lohnsteuerkarte: Durch einen Software-Fehler erfassten und verschickten Finanzämter bei bis zu 600.000 deutschen Steuerzahlern falsche Lohnsteuerdaten. Dabei verwechselte die Software beispielsweise die Religionszugehörigkeit, löschte bisher gültige Freibeträge und vertauschte bei Ehepaaren die Lohnsteuerklassen „drei“ und „fünf“ miteinander. Die elektronische Lohnsteuerkarte soll nun nach insgesamt zwei Jahren Verspätung im Jahr 2013 eingeführt werden.

8. Massenrückruf von unkontrollierbaren Autos: Weltweit knapp eine Million Autos musste ein japanischer Autohersteller zurückrufen. Ursachen waren unter anderem elektrische Fensterheber, die zu einem Brand führen konnten. Darüber hinaus rollten 26.000 Fahrzeuge durch einen Programmierfehler im Motormanagement wie von Geisterhand selbsttätig vor und zurück, sobald der Fahrer den Motor abwürgte. In Deutschland waren von diesem Fehler knapp 2.400 Autos betroffen. An der Börse in Tokio brach die Aktie des Herstellers um fast fünf Prozent ein.

9. Einsicht in hochvertrauliche Bank- und Kundendaten: Nach der persönlichen Anmeldung an einem neu eingeführten elektronischen Ticketsystem eines deutschen Logistik- und Reiseunternehmens, konnten nachfolgende Nutzer sämtliche Daten ihres Vorgängers einsehen: von der Adresse über die Telefonnummer bis hin zur Bankverbindung. Ein Software-Fehler hatte die Informationen des über mehrere Jahre entwickelten Systems offengelegt.

10. Fehlerhafte Software behindert Kriegseinsatz: Der Einsatz eines 2,7 Milliarden Dollar (über zwei Milliarden Euro) teuren Computersystems der US-Armee sollte durch Echtzeitinformationen zur Aufklärung und Überwachung beitragen und eine Analyse der Ist-Situation vor Ort liefern. Stattdessen behinderte es die an der Front kämpfenden Truppen in Afghanistan und im Irak: Das System bewerkstelligte selbst einfache analytische Aufgaben nicht und reagierte verzögert, sobald es mehrere Personen gleichzeitig nutzten. Ungenaue Berichte lieferte darüber hinaus auch das Suchinstrument des auf Cloud Computing basierenden Netzwerkes – die Software war nicht kompatibel mit der bereits in der US-Armee existierenden.

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