Immer mehr Angriffe zielen auf die Inferenz von KI-Systemen, also die Phase, in der Modelle Antworten erzeugen und sensible Daten verarbeiten. Adversariale Prompts, Manipulationen und API-Missbrauch zeigen, wie verwundbar diese Schnittstelle ist – und wie wichtig gezielte Schutzmaßnahmen werden.
Adversariale Prompts, Manipulationen und API-Missbrauch machen die Inferenz zur verwundbarsten Phase moderner KI-Systeme
(Bild: 3dkombinat - stock.adobe.com)
Künstliche Intelligenz ist heute ein fester Bestandteil vieler geschäftskritischer Anwendungen – von Chatbots über Finanzanalyse-Tools bis hin zu E-Health-Plattformen. Dabei rückt eine Phase besonders in den Fokus von Angreifern: die Inferenz. Sie findet nach der Trainingsphase statt und generiert die Antworten auf Prompts. Die dabei verwendeten und erzeugten Daten sind häufig hochsensibel – personenbezogene Informationen, geschäftskritische Kennzahlen oder vertrauliche Inhalte.
Genau hier setzen neue Angriffsformen an: Adversariale Prompts können die Ausgabe des Modells gezielt manipulieren. Prompt-Injection-Techniken umgehen Sicherheitsmechanismen und API-Missbrauch führt nicht selten zu Datendiebstahl, Systemüberlastung oder sogar zum Ausspionieren des Modells.
Trotz dieser Gefahren konzentrieren sich viele Sicherheitskonzepte primär auf Trainings- und Deployment-Phasen. Die Inferenz-Pipeline bleibt oft ungeschützt und wird damit zur versteckten Schwachstelle in der Sicherheitsarchitektur. Das besondere Risiko liegt im direkten Nutzerkontakt – ob über Web-Oberflächen, mobile Apps, Chatbots oder APIs.
Fehlen grundlegende Schutzmechanismen wie Rate-Limiting, Authentifizierung, Autorisierung oder eine kontinuierliche Überwachung der Zugriffe, haben Angreifer leichtes Spiel. Offene Schnittstellen ohne Bot-Schutz erleichtern den Missbrauch, etwa durch automatisierte Abfragen („Prompt Farming“) oder systematische Manipulationen von Antworten.
Die gute Nachricht: Bereits etablierte IT-Sicherheitsmaßnahmen sind eine adäquate Lösung – sie müssen aber konsequent und kontextabhängig eingesetzt werden:
Die Verschlüsselung sämtlicher Modellzugriffe, einschließlich der internen Service-Kommunikation, schützt vor Man-in-the-Middle-Angriffen.
Strikte Zugriffskontrollen und Authentifizierungsmechanismen, etwa durch Tokens, Client-Zertifikate oder signierte Requests, stellen sicher, dass nur verifizierte Clients und Nutzer auf die Systeme zugreifen können.
Rate-Limiting und Bot-Schutzmechanismen wie Fingerprinting oder verhaltensbasiertes Scoring erkennen einen Missbrauch frühzeitig und wehren ihn ab.
Die Analyse von Telemetriedaten und semantischen Auffälligkeiten in den Modellantworten ermöglicht es, Anomalien und Angriffsmuster schnell zu identifizieren.
Schutzmaßnahmen wie Web Application und API Protection (WAAP) setzen bereits an der Schnittstellenebene an und lassen sich direkt an der Edge implementieren, um mit geringer Latenz und hoher Effizienz Bedrohungen abzuwehren.
Über die etablierten Basismaßnahmen hinaus ist es entscheidend, auch speziell auf die Inferenz zugeschnittene Schutzmechanismen einzusetzen. Dazu gehören Eingabefilter, die Prompts auf verdächtige Muster oder manipulative Sprachkonstruktionen prüfen, sowie semantische Sicherheitsprüfungen, die Antworten auf Datenlecks oder untypische Muster analysieren. Ergänzend können „Honeypot-Prompts“ Angriffe frühzeitig enttarnen. Auch die Überwachung von Abfragefrequenzen und -variationen hilft, Model-Stealing oder Prompt-Farming zu erkennen. Adaptive Sicherheitslogiken schließlich passen Prüfmechanismen dynamisch an neue Angriffstechniken an und mindern so das Risiko adversarieller Manipulation im Betrieb.
Langfristig erfordert der Schutz der Inferenz-Phase einen strategischen Ansatz, der Governance und technische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Teams müssen Sicherheitsanforderungen schon bei der Modellauswahl, der Gestaltung der Hosting-Architektur und der API-Definition berücksichtigen. Sie sollten außerdem die Privacy-by-Design-Prinzipien konsequent auf die gesamte KI-Infrastruktur anwenden.
Ein solcher Ansatz umfasst die Integration von Eingabefiltern, semantischen Sicherheitsprüfungen und adaptiven Sicherheitslogiken, die sich veränderten Bedrohungslagen anpassen. Darüber hinaus ist die Edge-Integration sicherheitsrelevanter Komponenten ein wirkungsvolles Mittel. Am Netzwerkrand implementiert, erkennen sie Angriffe so nah wie möglich am Eintrittspunkt, entlasten zentrale Systeme und reduzieren Latenzen.
Auch Dokumentation und Compliance spielen eine zentrale Rolle. Die lückenlose Protokollierung von Zugriffen, Modellentwicklung, Eingaben und Sicherheitsvorfällen bildet die Grundlage für Audits und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen wie der DSGVO oder des EU AI Acts. Außerdem schafft sie Transparenz über die gesamte Nutzungskette hinweg. Diese Transparenz ist entscheidend, um Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen, Schwachstellen schnell zu identifizieren und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen zu gewährleisten – insbesondere dann, wenn KI-gestützte Systeme in sensiblen Bereichen eingesetzt werden.
Zudem fördert ein konsequentes Compliance-Framework die Implementierung standardisierter Sicherheitsrichtlinien von der Modellkonzeption bis hin zum Betrieb. Klar definierte Prozesse für Risikoanalysen, Freigaben und kontinuierliche Sicherheitsüberprüfungen verhindern, dass Sicherheitsmaßnahmen verwässern oder umgangen werden. Schulungen und Awareness-Programme sorgen dafür, dass Entwickler- und Betriebsteams die besonderen Risiken der Inferenz-Phase kennen und im Einklang mit regulatorischen Vorgaben handeln.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Unternehmen, die Inferenz-Workloads frühzeitig absichern, minimieren Datenschutz- und Integritätsrisiken und schaffen Vertrauen bei Kunden und Partnern. In einer Zeit, in der KI-Anwendungen immer tiefer in Geschäftsprozesse integriert sind, entscheidet robuste Sicherheit maßgeblich über Akzeptanz und langfristigen Erfolg.
Über die Autorin: Elena Simon ist General Manager DACH bei Gcore.