Endpoint-Security und Browser-Leitplanken sichern Autofill ab Warum Autofill trotz Clickjacking sicherer bleibt als Copy-and-Paste

Ein Gastbeitrag von Laura Balboni 4 min Lesedauer

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Clickjacking-Angriffe nutzen Autofill-Funktionen von Passwortmanagern aus, aber wer Autofill deaktiviert, verschärft das Problem nur. Anwender weichen auf Copy-and-Paste oder schwache Passwörter aus und erhöhen damit das Risiko für Phishing, Keylogger und Clipboard-Angriffe. Ein wirksamer Schutz entsteht durch Defense-in-depth mit URL-Abgleich, MFA-Einsatz für kritische Anwendungen und Endpoint-Security mit Browser-Leitplanken.

Clickjacking nutzt Autofill aus um an Zugangsdaten zu gelangen, aber die Deaktivierung der Funktion sorgt eher für mehr Probleme! Endpoint-Security, MFA und URL-Abgleich schützen wirksamer.(Bild: ©  Montri - stock.adobe.com)
Clickjacking nutzt Autofill aus um an Zugangsdaten zu gelangen, aber die Deaktivierung der Funktion sorgt eher für mehr Probleme! Endpoint-Security, MFA und URL-Abgleich schützen wirksamer.
(Bild: © Montri - stock.adobe.com)

Neue Erkenntnisse in der Cybersicherheitsforschung sorgen regelmäßig für Verunsicherung: Sollten vertraute Funktionen deaktiviert werden? Müssen bewährte Arbeitsweisen überdacht werden? Genau das geschieht derzeit aufgrund von Erfahrungen, die zeigen, wie Clickjacking-Techniken das Verhalten von Passwortmanagern beim automatischen Ausfüllen (Autofill) ausnutzen.

Warum Autofill nicht das eigentliche Sicherheitsrisiko ist

Forschungsberichte zeigen, dass eine bösartige Webseite ein unsichtbares Element über einem scheinbar harmlosen Button wie etwa „Play“ platzieren kann. Statt einen Abspielvorgang zu starten wird das automatische Ausfüllen über eine Browser-Erweiterung ausgelöst. Die Methode ist ausgeklügelt, besorgniserregend – und gleichzeitig nicht neu im Bereich der Websicherheit. Denn Clickjacking ist eine altbekannte Web-Angriffstechnik. Neu ist jedoch die Ausrichtung auf Autofill innerhalb von Browser-Erweiterungen, die dieser Herausforderung wieder mehr Aufmerksamkeit verschafft. Autofill selbst ist nicht grundsätzlich unsicher – im Gegenteil, mit den richtigen Schutzmechanismen ist es meist sicherer als viele Alternativen.

Beim Clickjacking gegen Autofill-Funktionen wird versucht, Nutzer dazu zu bringen, ein verstecktes Element zu laden. Im schlimmsten Fall wird so ein einzelnes Passwort offengelegt – vorausgesetzt die Webseite ist fehlerhaft gestaltet. Im Vergleich dazu ermöglichen sogenannte Clipboard-Angriffe das Abfangen kopierter Daten; Malware oder schadhafte Skripte können dabei alle gespeicherten Zugangsdaten oder sensible Inhalte unbemerkt abgreifen. Ohne Autofill greifen viele Anwender auf „Copy & Paste“ zurück oder aber verwenden schwache Passwörter, weil sie leichter zu merken sind. Beide Verhaltensweisen erhöhen das Risiko für Phishing, Keylogger und schädliche Skripte deutlich. Richtig konfiguriert und auf der passenden Domain eingesetzt kann Autofill den Schutz vor Phishing also durchaus erhöhen.

Das Risiko entsteht also nicht durch Autofill selbst, sondern durch Schwachstellen im Design und der Darstellung einiger Webseiten, die Angreifern genau diesen Spielraum bieten. So gelingt der Angriff meist, wenn Applikationen unkontrollierte Inhalte anzeigen oder Elemente nicht korrekt geprüft werden. Clickjacking bleibt aus genau diesem Grund ein Thema in immer neuen Varianten.

Defense-in-depth: Leitplanken für Autofill-Sicherheit

Was ist also der richtige Umgang mit dem Thema? Autofill sollte nicht grundsätzlich deaktiviert, sondern im Sinne einer mehrschichtigen Verteidigung („Defense-in-depth“) abgesichert werden. Browser-Erweiterungen und Passwortmanager können und sollten zudem Schutzmaßnahmen wie genaue URL-Abgleiche, zusätzliche Authentifizierungsschritte für sensitive Anwendungen oder Transparenzprüfungen implementieren, damit versteckte Elemente schwieriger missbraucht werden können.

Doch Leitplanken auf Browserebene reichen nicht aus; viele ausgeklügelte Angriffe passieren im Speicher, zielen auf Endgeräte und kapern Klicks auf eine Weise, die der Browser allein nicht erfassen kann. Genau hier sind Schutzmechanismen wie Endpoint Identity Security entscheidend. Durch Validierung von Nutzeraktionen, Isolierung schädlicher Inhalte und Überwachung von Sitzungen können intelligente Endpoint-Privilegien damit verhindern, dass Clickjacking zum Ziel führt.

Was existierende Malware über Clickjacking lehrt

Das Team von CyberArk Labs untersuchte bereits Anfang dieses Jahres Malware mit dem Namen „Captain MassJacker Sparrow“, bei der Clickjacking-ähnliche Tricks zur Erbeutung von Zugangsdaten genutzt wurden. Das Fazit: Angreifer zielen nicht nur direkt auf Passwörter – sondern beeinflussen, wie und wann sie eingesetzt werden. Auch diese neuen Erkenntnisse verdeutlichen einmal mehr, warum mehrschichtige Abwehrmaßnahmen, die Anwendungen, Browser und Endgeräte berücksichtigen, essenziell sind.

Prävention von Clickjacking: Maßnahmen für Security-Teams

Was können IT-Sicherheitsverantwortliche und Praktiker konkret tun? Folgende Maßnahmen helfen, das Risiko durch Clickjacking in realen Umgebungen zu reduzieren:

  • Kritische Anwendungen prüfen: Wer auf webbasierte HR- oder CRM-Portale setzt, sollte beim Anbieter gezielt nach Clickjacking-Schutz fragen. Security-Header wie X-Frame-Options und Content Security Policy (CSP) zählen zu bewährten Verteidigungsmaßnahmen – sind aber nicht überall Standard.
  • Bedarfsorientierter Schutz: Für risikobehaftete Anwendungen sollte Autofill nur nach zusätzlicher Authentifizierung wie MFA (Multi-Faktor-Authentifizierung) möglich sein – etwa für Lohnabrechnung, Administrationsbereiche oder Anwendungen mit sensiblen Daten.
  • Domainabgleich erzwingen: Zugangsdaten, die für „finance.example.com“ gelten, dürfen auf „finance-login-example.com“ nicht funktionieren. So werden typische Phishing- und Clickjacking-Tricks mit abgewandelten oder eingebetteten Domains verhindert.
  • Endpoint-Sicherheit und Sichtbarkeit: Die Wahl eines sicheren Enterprise-Browsers mit integriertem Speicher-, Sitzungs- und Zugangsdaten-Schutz ist sinnvoll. Bei Consumer-Browsern sollten Exploit-Abwehr, Speicher- und Zugangsdaten-Schutz aktiviert sein. Tools zur Endpoint-Privilegienverwaltung inkl. Sitzungsüberwachung bieten zusätzlichen Schutz – etwa für Drittgeräte, Kiosksysteme oder BYOD.
  • Vor- und Nachteile abwägen: Das Abschalten von Autofill verleitet Mitarbeitende oft dazu, Passwörter in unsicherer Form zu speichern, etwa in Excel oder durch mehrfach genutzte schwache Passwörter – ein größeres Risiko als durch Autofill selbst.

Die Zukunft von Autofill: Intelligente Schutzmechanismen gegen Clickjacking

Sicherheitsteams stehen vor dem Balanceakt: Nutzer schützen, ohne Arbeitsabläufe unnötig zu erschweren. Autofill steht exemplarisch genau dafür. Wer es deaktiviert, schafft neue Risiken durch unsichere Methoden – schützt man es nicht, öffnen sich neue Angriffsmöglichkeiten. Die Lösung liegt in intelligenten Schutzmechanismen, umfassender Endgeräte-Überwachung und enger Zusammenarbeit von Security-Fachleuten und Software-Anbietern. Autofill wird nicht verschwinden – und sollte es auch nicht. Mit abgestuften Schutzmaßnahmen bleibt es ein wirksames Werkzeug zur Absicherung von Zugangsdaten, selbst wenn Angreifer neue Methoden wie unsichtbare Frames ausnutzen.

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Über die Autorin: Laura Balboni ist Senior Product Marketing Manager bei CyberArk.

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