Definition

Was ist ein sicheres Passwort?

| Autor / Redakteur: Moritz Jäger / Peter Schmitz

Passwörter sind essentiell im IT-Alltag.
Passwörter sind essentiell im IT-Alltag. (Bild: pixabay / CC0)

Kennwörter sind essentiell für den Alltag im IT-Umfeld. Damit sind sie auch ständig im Fokus von Angreifern. Der Lexikoneintrag zeigt die Grundlagen zu Attacken, Passwortstärken und Schutzfunktionen.

Passwörter sind wie Hausschlüssel: Ein notwendiges Übel, weil es keine bessere oder leichter zu nutzende Lösung gibt. Daher sichern Kennwörter noch immer den Zugriff auf Web-Anwendungen, Nutzerkonten und IT-Systeme.

Was macht ein sicheres Passwort aus?

Die Sicherheit eines Kennworts lässt sich am einfachsten über die Entropie definieren. Die Wikipedia erklärt es ziemlich gut: Ein Kennwort mit einer Entropie von 42 Bits benötigt 2 hoch 42 Versuche, um alle Möglichkeiten durchzuspielen. Die Entropie hängt neben der Länge mit den verwendeten Zeichen zusammen. Eine gute Richtlinie ist: Mindestens acht Zeichen lang, große und kleine Buchstaben, ein paar Sonderzeichen. Das amerikanische NIST schlägt zudem vor, dass künftig nicht mehr nur das englische Alphabet, sondern alle druckbaren ASCII-Zeichen in Kennwörtern erlaubt sind. Eine gute Alternative ist ein Passwort-Manager.

NIST definiert neue Passwort-Regeln

Passwort-Sicherheit

NIST definiert neue Passwort-Regeln

05.12.16 - Das Passwort ist nicht totzukriegen. Die amerikanische Standardbehörde NIST arbeitet an neuen Vorgaben für den Einsatz von Kennwörtern. Die gute Nachricht: Für Nutzer soll es einfacher werden, starke Passwörter zu verwenden. Rechtlich sind die Ansätze nicht bindend, für Entwickler sind sie aber eine solide Richtlinie. lesen

Wie werden Passwörter geknackt?

Stark vereinfacht gesagt gibt es zwei Wege, um ein Kennwort zu knacken: Kriminelle können entweder ein bekanntes Passwort übergeben oder ein Unbekanntes knacken. Der Weg Nummer eins ist für Angreifer deutlich schneller, hat aber einen Nachteil: Sie müssen sich irgendwo das zum Nutzernamen passende Kennwort besorgen. Deswegen wird diese Technik oft in Zusammenhang mit großen Datenzwischenfällen angewandt, bei dem Nutzernamen und Passwörter (idealerweise im Klartext) gestohlen wurden. Ein Klassiker hier ist die RockYou-Liste. Dem Unternehmen wurde 2009 die Datenbank mit 32 Millionen Nutzerdaten gestohlen, die Passwörter waren dabei im Klartext abgespeichert. Spezielle Tools können solche Listen einlesen und anschließend automatisiert gegen bekannte Nutzerkonten ausprobieren. Bei einem Treffer erhalten die Angreifer Zugriff auf das jeweilige Konto oder System.

Eine leichte Abwandlung ist die Pass-the-Hash-Attacke. Dabei verschaffen sich Angreifer Zugriff auf Systeme, indem sie statt dem Klartextpasswort den NTLM oder LanMan-Hash des Kennworts übergeben. Dieser ist oftmals deutlich einfacher zu erhalten. Die Attacke ist nicht neu und immer noch überraschend erfolgreich, sie kam etwa bei einem Angriff auf Yahoo in 2016 zum Einsatz.

Wenn keine passenden Kennwörter verfügbar sind, dann hilft nur noch die Brachialmethode. Per Brute Force werden Passwörter erraten, indem spezialisierte Systeme Kennwörter Zeichen für Zeichen ausprobieren. Die dafür notwendigen Systeme sind meist auf diese Aufgabe spezialisiert und schaffen teilweise beeindruckende Zahlen. In 2012 wurde ein System bekannt, dessen aus 25 AMD-Grafikkarten bestehender Cluster bis zu 350 Milliarden Kennwörter pro Sekunde ausprobieren konnte.

Beliebte Passwort-Manager im Überblick

Kennwortverwaltung

Beliebte Passwort-Manager im Überblick

01.02.17 - Programme zur Kennwortverwaltung sind praktisch und nehmen dem Anwender das Merken langer Zeichenkombinationen ab. Passwort-Manager gehören inzwischen ins Arsenal von IT-Profis. In diesem Artikel stellen wir mehrere Lösungen vor. Neben Cloud-basierten Applikationen und lokal installierten Managern zeigen wir drei Lösungen, die Kennwörter nicht speichern sondern bei Bedarf berechnen. lesen

Wie schütze ich Systeme?

Wenn Nutzer sichere Kennwörter haben, müssen nur noch Anbieter ihre Systeme schützen. Alle gespeicherten Zugangsdaten sollten gehasht und mit einem Salt gespeichert werden. Zudem schadet es nicht, die hundert bekanntesten Passwörter direkt zu verbieten, entsprechende Listen finden sich im Netz. Wenn der Nutzer ein starkes Passwort mit hoher Entropie gewählt hat, macht es wenig Sinn, ihn ohne Grund zu einem Wechsel zu überreden. Wo immer möglich sollte man also auf automatische Ablaufdaten verzichten.

Gegen Brute-Force-Attacken hilft eine Limitierung bei der Eingabe der Kennwörter. Echte Nutzer sollten ihr Passwort in drei Versuchen eigentlich richtig eingeben. Danach sollten Systeme eine Pause vor der nächsten Eingabe erzwingen. Diese kann zunächst wenige Sekunden betragen, sollte aber immer länger werden. Nach einer unrealistischen Zahl von Logins sollte der Account gesperrt werden.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

IoT-Geräte bleiben eine Bedrohung

Botnetze durch IoT

IoT-Geräte bleiben eine Bedrohung

Im Internet und im Darknet kursieren zahlreiche Listen, die Millionen Logindaten für IoT- und Smart-Home-Geräte enthalten. Damit können Cyberkriminelle diese in im Handumdrehen kompromittieren – oft sogar ohne, dass Nutzer davon etwas mitbekommen. So wird es Angreifern möglich, riesige Botnetze aufzusetzen, die ihre enorme Rechenleistung für kriminelle Aktivitäten missbrauchen können. lesen

WAF, cIAM und API-Gateway müssen Hand in Hand gehen

[Gesponsert]

Ein Secure Access Hub schützt gegen alle Sicherheitsvorfälle

WAF, cIAM und API-Gateway müssen Hand in Hand gehen

Die Kombination einer Web Application Firewall, eines Identity & Access Managements und eines API Gateways bietet ein zeitgemäßes Paket gegen Angriffe auf Applikationen und Schnittstellen, das zusätzlich zur Security noch weitere Vorteile bietet. lesen

Smartphones „grenzsicher“ machen

Datensicherheit auf Reisen

Smartphones „grenzsicher“ machen

Chinesische Grenzer sollen eine Spionage-App auf Smartphones von Touristen installieren, die von Kirgistan nach West-China kommen. Das schreckt auf. Zwar bereist kaum jemand diese Region. Doch wie schützt man sein Gerät generell vor übergriffigen Staaten? lesen

Passwort-Hacking in der Praxis

Hacking mit Python, Teil 4

Passwort-Hacking in der Praxis

Im vierten Teil unserer Python-Hacking-Serie machen wir uns an die eigentliche Entschlüsselung von Passwörtern. Als Grundlage hierfür haben wir bereits gelernt, wie Linux Passwörter speichert und warum MD5 schon lange nicht mehr als sicher gilt. lesen

Vier Schritte um das digitale Risiko zu senken

Digital Risk Management

Vier Schritte um das digitale Risiko zu senken

Cloud Computing gehört längst zur Best Practice, Big Data ist Alltag geworden und die digitale Transformation steht auf jeder Agenda. Für die Cybersecurity bedeutet das: Die Perimeter-Grenze verschwimmt, während die Angriffsfläche kontinuierlich wächst. Wer sich gegen digitale Risiken schützen will, ist auf die richtigen Strategien und Tools angewiesen. lesen

Active Directory Management mit dem „Red Forest“

Enhanced Security Administrative Environment

Active Directory Management mit dem „Red Forest“

Fast alle Unternehmen verlassen sich auf das Active Directory als primären Authentifizie­rungs­mechanismus in ihrem Netzwerk. Dadurch ist Active Directory auch das beliebteste Ziel von Angriffen. Ein zusätzliches Maß an Sicherheit soll Microsofts Active Directory Red Forest Design, alias Enhanced Security Administrative Environment (ESAE) bieten. lesen

Linux-Passwörter und Python

Hacking mit Python, Teil 3

Linux-Passwörter und Python

Wie man mit Python und einem erlangten MD5-Hash das zugehörige Passwort entschlüsselt, haben wir uns in der Theorie schon angesehen. In diesem Beitrag demonstrieren wir zunächst, wie Linux-Distributionen Passwörter in der Praxis speichern und warum MD5 nicht sicher ist. lesen

Schutz vor Datenlecks

Diebstahl von Anmeldedaten

Schutz vor Datenlecks

Die Größe von Datenlecks nimmt in jüngster Vergangenheit immer weiter zu, während die Intervalle immer kleiner werden. Höchste Zeit für Unternehmen sich den Gefahren eines Datenverlustes bewusst zu werden und sich mithilfe professioneller IT-Security-Beratung proaktiv vor neuen Gefahren zu schützen. lesen

GMX startet Zwei-Faktor-Authentifizierung

So sichern Sie Ihr E-Mail-Konto per TOTP und Smartphone-App

GMX startet Zwei-Faktor-Authentifizierung

Der zu United Internet gehörende E-Mail-Anbieter GMX führt eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ein. Wir haben die zusätzliche Sicherheitsoption ausprobiert. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44456262 / Definitionen)