Datenschutz Bedrohung durch Ransomware wächst: mehr Transparenz notwendig

Ein Gastbeitrag von James Blake 5 min Lesedauer

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Das Gesundheitswesen muss hohe Anforderungen an die Datensicherheit mit der effizienten Bereitstellung von Versorgungsleistungen in Einklang bringen. Die jüngsten Angriffe auf Einrichtungen im Gesundheitswesen zeigen, wie verwundbar kritische Infrastrukturen und wie komplex und verzahnt Lieferketten sind.

Cyber-Resilienz heißt auch, die Patientenversorgung zu sichern.(©  NRdS -  stock.adobe.com / KI-generiert)
Cyber-Resilienz heißt auch, die Patientenversorgung zu sichern.
(© NRdS - stock.adobe.com / KI-generiert)

Das Pathologielabor Synnovis führt in der Regel 10.000 Bluttests in Großbritannien durch. Aufgrund eines Ransomware-Angriffs im Juni 2024 sank die Zahl der Bluttests auf 400 täglich und zwang die betroffenen Londoner Krankenhäuser, insgesamt rund 800 Operationen und etwa 700 ambulante Termine zu verschieben.

Bei einem anderen Angriff waren 12,9 Millionen Australier (fast die Hälfte der australischen Bevölkerung) von einem Hackerangriff auf MediSecure betroffen, einem Anbieter elektronischer Rezepte. Die Opfer werden möglicherweise nie erfahren, dass ihre persönlichen Daten kompromittiert wurden. So erklärte der australische Premierminister, dass er nicht wisse, ob er selbst betroffen sei. Es wurde bekannt, dass 6,5 TB Daten eines Datenbankservers nach einem Ransomware-Angriff kompromittiert wurden, den das Unternehmen im April entdeckt hatte. MediSecure meldete nach dem Hackerangriff Insolvenz an. Viele Gesundheitseinrichtungen mussten sich nach einer Alternative umsehen, wodurch die Patientenversorgung beeinträchtigt war.

Auch in Deutschland wurden in den letzten Monaten immer wieder Gesundheitseinrichtungen Opfer von Cyberattacken. So fand im Juni 2024 ein Hackerangriff auf das Krankenhaus Agatharied in Bayern statt, was erhebliche IT-Probleme und Einschränkungen in der Kommunikation zur Folge hatte. Anfang September dieses Jahres ging in den Wertachkliniken in Bobingen und Schwabmünchen nichts mehr – alle IT-Systeme waren blockiert, Operationen mussten abgesagt werden, alles lief nur noch analog auf Papier. 300 Gigabyte Daten wurden später im Darknet veröffentlicht. Und das, obwohl die Kliniken im Vorfeld bereits einiges getan hatten, um das Risiko zu verringern. Dennoch fanden die Cyberkriminellen ein Schlupfloch.

Auch die Johannesstift Diakonie in Berlin wurde Mitte Oktober 2024 Opfer eines Hackerangriffs. Wie der Konzern auf seiner Webseite mitteilte, waren alle zentralen Server betroffen. Eine Kommunikation per E-Mail war nicht mehr möglich. Der Großteil der IT-Systeme sei ausgefallen. Patientendaten, die Personaleinsatzplanung und die Terminplanung waren betroffen. Krankenhäuser mussten einige planbare Eingriffe verschieben.

Wie Gesundheitsorganisationen reagieren können

Aufgrund der Auswirkungen auf das Wohlergehen und Leben der Bürger wird die Politik neue Vorschriften und Regelungen veranlassen, um die IT-Widerstandsfähigkeit zu stärken. Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten jetzt damit beginnen, ihre Resilienz gegenüber destruktiven Cyber-Angriffen zu verbessern, um eine kontinuierliche Patientenversorgung zu gewährleisten. Zudem verringern sie damit den künftigen Aufwand zur Einhaltung von Vorschriften, sobald diese in Kraft treten. Folgende Schritte sind auf diesem Weg unerlässlich:

Genaues Verständnis der Daten: Unternehmen müssen genau wissen, welche Daten sie besitzen, welchen Wert diese für die Bereitstellung von Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen haben und welche regulatorischen Verpflichtungen für diese Daten gelten. Nur dann können sie den Behörden melden, welche Daten bei einem Angriff beschädigt oder gestohlen wurden. Unternehmen müssen ihre Daten indizieren und klassifizieren, einschließlich der Klassifikation gemäß ihrer jeweiligen Datenstrategie. Dies sollte nicht nur für strukturierte Datenquellen wie Datenbanken gelten, sondern auch für alle unstrukturierten Daten, die im Unternehmen verteilt sind.

Zugriff regeln: Sind die Daten korrekt klassifiziert, können Richtlinien und Rechte automatisch durchgesetzt werden, die den Zugriff auf die Daten regeln.

Angriffe überstehen: Um weiterhin Dienstleistungen für Patienten und die Versorgungskette zu erbringen, muss eine Organisation in der Lage sein, ihre kritischen Dienste schnell wieder in einen vertrauenswürdigen Zustand zu versetzen. Ein Ransomware- oder Wiper-Angriff kann bedeuten, dass nichts mehr funktioniert: Zutrittskontrollsysteme, E-Mail, Voice-over-IP-Telefonsysteme oder Authentifizierungsserver, die den Zugang zu medizinischen Geräten steuern. Die Systeme zur Untersuchung und Ursachenermittlung des Vorfalls können ebenfalls nicht verfügbar sein. Möglicherweise muss das IT-Betriebsteam das Sicherheitsteam bei der Wiederherstellung der Reaktionsfähigkeit unterstützen, bevor die Untersuchung beginnen kann. Infizierte Hosts und Netzwerke zu isolieren, um den Vorfall einzudämmen, kann Probleme mit einigen Sicherheitstools verursachen. Dies erschwert die Reaktion und verzögert die Wiederherstellung zusätzlich. Eine Wiederherstellung ohne Untersuchung und Schadensbegrenzung führt dazu, dass Lücken in den Sicherheitskontrollen, Schwachstellen und Persistenzmechanismen bleiben. Sogar Phishing-E-Mails, die den Vorfall ausgelöst haben, schlummern oft weiterhin in wiederhergestellten E-Mail-Postfächern. Um die Auswirkungen auf die Patientenversorgung zu minimieren, ist es notwendig, die Untersuchung zu beschleunigen und eine schnelle Reaktion zu ermöglichen.

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Clean Room

Für den Fall eines Angriffs müssen Gesundheitsinstitutionen daher vorbeugend einen „Clean Room“ bereitstellen, auf den Angreifer keinen Zugriff haben. Dieser muss innerhalb von Minuten einsatzbereit sein und vertrauenswürdige Werkzeuge sowie andere wesentliche Elemente bereitstellen, wie Arbeitsabläufe und Kontaktlisten, um den Vorfall zu bewältigen. Ein solcher „Clean Room“ ermöglicht auch dann Untersuchungen, wenn Systeme isoliert wurden, und beschleunigt so die Recovery-Prozesse zusätzlich. Die Vorbereitung und die Reaktion auf einen Vorfall bilden die Grundlage der meisten aktuellen Vorschriften, einschließlich NIS-2, DORA und DSGVO.

Effiziente Backup- und Recovery-Lösung

Einrichtungen des Gesundheitswesens stehen bei der Verwaltung und Sicherung von digitalen Gesundheitsdaten und elektronischen Patientenakten vor vielen Herausforderungen. Diese ergeben sich aus der schieren Menge und Komplexität der Gesundheitsdaten, Patientenakten, Bilddateien, Laborergebnisse und Verwaltungsdokumente, die eine sorgfältige Verwaltung und Sicherung erfordern. Gesundheitsdienstleister müssen strenge regulatorische Anforderungen erfüllen, die robuste Datenschutzmaßnahmen umfassen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten und das Risiko rechtlicher Sanktionen zu verringern.

Bei der Behandlung und Pflege von Patienten ist Zeit ein entscheidender Faktor. Jede Ausfallzeit kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Deshalb benötigen Einrichtungen des Gesundheitswesens eine moderne Backup- und Recovery-Lösung, die eine hohe Performance bietet und schnelle Sicherungs- und Wiederherstellungsprozesse ermöglicht, um Unterbrechungen der Patientenversorgung und der betrieblichen Abläufe zu minimieren. Ein schneller Zugriff auf präzise Patienteninformationen ist für eine zeitnahe und effektive Versorgung unerlässlich, daher sind Geschwindigkeit und Effizienz der Backup- und Wiederherstellungsprozesse von entscheidender Bedeutung.

Zudem ist der Schutz der Datenintegrität im Gesundheitswesen unverzichtbar. Funktionen, die ein unbefugtes Ändern oder Löschen von Backup-Daten verhindern, stellen die Integrität und Zuverlässigkeit von System-Backups sicher.

Werden die oben genannten Faktoren berücksichtigt und arbeiten Organisationen im Gesundheitswesen mit einem vertrauenswürdigen Datenmanagement-Anbieter zusammen, können sie ihre Cyber-Resilienz erhöhen sowie ihre Reaktions- und Wiederherstellungsfähigkeiten verbessern. Zudem gewährleisten sie die Kontinuität der Patientenversorgung und der medizinischen Forschungsinitiativen angesichts der wachsenden Bedrohung durch Ransomware.

James Blake
Global Head of Cyber Resilience Strategy bei Cohesity

Bildquelle: Cohesity

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Healthcare Digital erschienen.

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