Claude Mythos Preview Diese enorme Gefahr geht von Anthropics neuem KI-Modell aus

Von Melanie Staudacher 4 min Lesedauer

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Claude Mythos Preview, die nächste Generation des Sprachmodells von Anthropic, soll so mächtig sein, dass es für die Öffentlichkeit nicht einfach so zugänglich gemacht werden kann, ohne die weltweite Sicherheit zu ge­fährden.

Claude Mythos wird von seinen Entwicklern als so gefährlich für weltweite IT-Systeme und Infrastrukturen eingeschätzt, dass das LLM nicht öffentlich verfügbar gemacht wird.(Bild:  Dall-E / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)
Claude Mythos wird von seinen Entwicklern als so gefährlich für weltweite IT-Systeme und Infrastrukturen eingeschätzt, dass das LLM nicht öffentlich verfügbar gemacht wird.
(Bild: Dall-E / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)

Ende März 2026 hat Anthropic das Projekt „Glasswing“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Initiative der US-Unternehmen Amazon Web Services, Anthropic, Apple, Broadcom, Cisco, Crowd­strike, Google, JPMorgan Chase, der Linux Foundation, Microsoft, Nvidia und Palo Alto Networks, um die wichtigsten Software weltweit abzusichern. Eine ehrenhafte Aufgabe. Doch warum jetzt? Die Initiative wurde zeitgleich vorgestellt mit der Ankündigung des neuesten Large Language Models von Anthropic. Claude Mythos Preview habe Fähigkeiten, die nach Ansicht des Herstellers die Cybersicherheit revolutionieren könnte – auf eine gute oder eine schlechte Weise. Wie dieses KI-Modell künftig eingesetzt werden könnte, hängt von 40 Orga­nisationen ab, die das Tool künftig für ihre Verteidigungsarbeit einsetzen sollen.

Wieso ist Claude Mythos so gefährlich?

Zu den 40 Unternehmen, die Claude Mythos Preview nutzen dürfen, gehören unter anderem die Initiatoren von Glasswing, die die größten und einflussreichsten Tech- und Security-Firmen weltweit repräsentieren. Anthropic gibt sein LLM damit bewusst an seine Konkurrenten zur Nutzung weiter, da es dem Hersteller nach einen Quantensprung in der Leistung von KI dar­stellt, der sowohl positive wie auch negative Auswirkungen auf die Cybersicherheit weltweit hat.

Claude Mythos ist die neueste Version des Sprachmodells von Anthropic und war dessen An­ga­ben nach allein in einem Monat in der Lage, Tausende von schwerwiegenden Schwach­stellen in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern aufzuspüren. Dass Sicherheitslücken mithilfe von Künstlicher Intelligenz gezielt gesucht werden, ist mittlerweile gang und gäbe. Doch die Fähigkeiten von Claude Mythos scheinen so weit über die anderer Mo­delle hi­naus­zu­gehen, dass die Risiken die Vorteile überwiegen. Auf der einen Seite könne Claude Mythos auch komplexen Softwarecode schreiben und Sicherheitslücken in Systemen auf der ganzen Welt er­kennen. Auf der anderen Seite bestehe die Gefahr, dass dieses mächtige Tool in die Hände von Cyberkriminellen gelangt, die es für ihre Zwecke missbrauchen könnten.

Anthropic führe fortlaufende Gespräch mit US-Regierungsvertretern über Claude Mythos Preview und dessen Fähigkeiten. Das Ziel dabei sei die Absicherung der kritischen In­fra­strukturen weltweit. Dem Hersteller nach kommt gerade den USA eine verantwortungs­volle Rolle bei der Bewältigung von KI-Risiken zu, da sie eine führende Rolle in der Entwicklung der Modelle spiele und somit auch eine entscheidende Rolle bei deren Absicherung einnehmen müsse. Dazu wolle der Hersteller auch mit seiner Initiative Glasswing beitragen. Die Fähigkeiten von Claude Mythos müssen für die Verteidigung eingesetzt werden. Dafür muss zum einen verhindert werden, dass Cyberkriminelle solch mächtige Tools missbrauchen und zum anderen müssen Technologieunternehmen sich einen Vorsprung beim Aufspüren und Beheben von Schwachstellen verschaffen. „Wir planen nicht, Claude Mythos Preview allgemein verfügbar zu machen, aber unser langfristiges Ziel ist es, unseren Nutzern die sichere und skalierbare Be­reitstellung von Modellen der Mythos-Klasse zu ermöglichen – für Cybersicherheitszwecke, aber auch für die zahlreichen anderen Vorteile, die solche leistungsstarken Modelle mit sich bringen“, heißt es in der Ankündigung von Anthropic.

Zusammenarbeit zwischen USA und China ist gefragt

Thomas L. Friedman hat einen interessanten Kommentar dazu in der New York Times ver­öffentlicht. Er habe für seinen Artikel mit Craig Mundie, ehemaligem Microsoft-CEO und versiertem Technologie- und KI-Stratege, gesprochen. „Was bisher großen Staaten, Militärs, Konzernen und kriminellen Organisationen mit hohen Budgets vorbehalten war – die Fähigkeit, ausgefeilte Cyberangriffe durchzuführen – könnte bald auch kleineren Akteuren zugänglich sein“, habe Mundie erklärt. „Wir stehen kurz vor einer vollständigen Demokratisierung der Cyber­angriffskapazitäten.“

Friedmans Meinung nach könne dieses Problem kein Land der Welt im Alleingang lösen. Stattdessen sollten sich die beiden KI-Supermächte USA und China zusammentun, um zu verhindern, dass böswillige Akteure Zugang zu diesem neuen Cyberfähigkeiten erlangen. Mundie habe drei konkrete Maßnahmen genannt, die ergriffen werden müssten, um die Ri­si­ken, die von KI im Allgemeinen und Claude Mythos im Speziellen ausgehen, zu minimieren:

  • 1. Die Freigabe von superintelligenten Modellen müsse sorgfältig kontrolliert werden und sichergestellt werden, dass sie nur an die verantwortungsvollsten Regierungen und Unternehmen gelangen.
  • 2. Die dadurch gewonnene Zeit müsse genutzt werden, um den vertrauenswürdigen Akteuren Verteidigungswerkzeuge zur Verfügung zu stellen. Die wichtigsten Software, die in kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden, müssen damit überprüft und abgesichert werden, bevor Hacker diese Werkzeuge missbrauchen.
  • 3. Die USA müsse mit China und allen verantwortungsbewussten Ländern zusammenarbeiten, um sichere Arbeitsumgebungen innerhalb aller wichtigen öffentlichen und privaten Netz­werke zu schaffen, in die Unternehmen und Regierungen ihre kritischen Dienste verlagern können.

Friedman hofft, dass US-Präsident Donald Trump und das Chinas Präsident Xi Jinping das Thema beim nächsten Gipfeltreffen am 14. und 15. Mai in Peking auf der Agenda haben. Dringlich genug ist es allemal.

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