Wer IT-Sicherheit nur auslagert, schafft neue Silos Security braucht Integration, nicht Delegation

Ein Gastbeitrag von Dr. Jan Schaumburg 4 min Lesedauer

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71 Prozent der deutschen Unternehmen leiden unter Fachkräftemangel in der Cybersecurity, 80 Prozent lagern deshalb bereits an MSSPs aus. Doch reine Auslagerung schafft neue Silos statt echter Sicherheit. Co-Managed-Security-Modelle setzen auf Integration: Unternehmen behalten Kontrolle und Überblick, während strategische Partner operativ und beratend unterstützen.

71 Prozent der Unternehmen fehlen Cybersecurity-Fachkräfte, doch reine Auslagerung an MSSPs schafft neue Silos. Co-Managed-Security setzt auf Integration statt Delegation.(Bild: ©  Iryna - stock.adobe.com)
71 Prozent der Unternehmen fehlen Cybersecurity-Fachkräfte, doch reine Auslagerung an MSSPs schafft neue Silos. Co-Managed-Security setzt auf Integration statt Delegation.
(Bild: © Iryna - stock.adobe.com)

In Deutschland sind aktuell 71 Prozent der Unternehmen von einem Mangel an Fachkräften im Bereich Cybersicherheit betroffen. Rund ein Drittel der Betroffenen (30 Prozent) erkennt dadurch schwerwiegende oder signifikante Auswirkungen auf die Sicherheit ihres Unternehmens. 74 Prozent mussten aufgrund des Fachkräftemangels bereits Cybersecurity-Initiativen aufschieben oder ganz streichen. Das ergab eine Studie von Insight Enterprises.

Gleichzeitig erhöhen hybride Infrastrukturen, Multi-Cloud, strengere EU-Richtlinien und vor allem die Einführung von KI die Anforderungen an Security. Entsprechend lagern schon heute 80 Prozent der deutschen Unternehmen Teile ihrer Sicherheitsprozesse an Managed Security Service Provider (MSSP) aus. Im Schnitt mehr als die Hälfte ihrer Cybersecurity-Aktivitäten. Die Hauptgründe dafür sind laut Studie klar:

  • 60 Prozent suchen Unterstützung für komplexe Compliance-Anforderungen
  • 58 Prozent benötigen eine 24/7 Abdeckung und schnelle Reaktionsfähigkeiten
  • 48 Prozent wollen Zugang zu spezialisiertem Fachwissen
  • 48 Prozent müssen interne Kompetenzlücken schließen

Diese berechtigten Gründe dürfen aber nicht dazu führen, dass die entsprechenden Aufgaben einfach an den MSSP ausgelagert werden. Dadurch entstehen neue Silos neben den bereits bestehenden in Unternehmen, die mit fragmentierten Teams und Tools arbeiten. Häufige Folgen sind unübersichtliche Strukturen, ineffiziente Abläufe und ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

Omnipräsenz statt Insel-Lösungen

Es ist heute notwendiger denn je, über die Grenzen der jeweiligen Bereiche hinauszuschauen und mit Hilfe übergreifender Strukturen und Abläufe für eine optimale Sicherheit zu sorgen. So darf im Unternehmen Sicherheit nicht mehr als notwendiges Anhängsel verstanden werden. Sie muss von Beginn an Teil aller Geschäftsprozesse sein, ganz nach den Prinzipien von Security by Design und Zero Trust. Nur wenn Sicherheit in sämtliche Abläufe des Unternehmens eingebettet ist, kann eine resiliente und an neue Gefahren anpassungsfähige Kultur entstehen.

Cybersicherheit ist heute längst kein rein technisches Thema mehr: CEOs, CISOs, CIOs und andere Führungskräfte müssen Technik und Business eng miteinander verzahnen. Sie stehen vor der Herausforderung, zu beurteilen, wie Sicherheitsrisiken die Innovationsfähigkeit beeinflussen, wie Investitionen die Resilienz stärken und wie sich Sicherheit als echter Wettbewerbsvorteil nutzen lässt. Besonders spannend wird es durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz: KI kann nicht nur helfen, Bedrohungen schneller zu erkennen und abzuwehren, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten, Sicherheitsstrategien dynamisch und vorausschauend zu gestalten.

Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit externen Partnern. In der Vergangenheit war die Beziehung zwischen den Unternehmen und ihren MSSPs durch eine klare Trennlinie gekennzeichnet. Der MSSP kümmerte sich um die täglichen Aufgaben wie das Bearbeiten von Warnmeldungen, die Überwachung und das Patchen von Systemen, während sich das interne Team auf die Strategie konzentrierte. Doch dieser Ansatz ist ineffizient und letztendlich ineffektiv, da beide Seiten oft nebeneinander statt abgestimmt miteinander arbeiten.

Echte Widerstandsfähigkeit entsteht durch Integration, nicht durch Delegation. Ein strategischer Sicherheitspartner verwaltet nicht nur die Alarmmeldungen, er versteht auch die Geschäftsziele seines Auftraggebers. Er kennt dessen Risikobereitschaft, Compliance-Verpflichtungen und Wachstumsziele. Ein moderner MSSP arbeitet als verlängerter Arm des internen Teams und bietet neben technischen Support auch proaktive, strategische Beratung.

Merkmale eines strategischen Partners

Laut der Studie profitieren deutsche Unternehmen, die auf diese Weise eng mit MSSPs zusammenarbeiten, von konkreten Vorteilen. Dazu gehören signifikante Verbesserungen bei der Resilienz (87 Prozent), der Transparenz (82 Prozent) und den Compliance-Ergebnissen (78 Prozent). Doch woran können Unternehmen erkennen, ob ein MSSP nur ein reiner Dienstleister oder ein strategischer Partner ist? Hier sollte man auf folgende Punkte achten:

  • Geschäftsorientierter Ansatz: Spricht der Partner von konkreten, individuellen Geschäftsrisiken oder verliert er sich in technischem Fach-Jargon? Ein strategischer Partner kann Sicherheitsmetriken in geschäftliche Auswirkungen übersetzen und dabei helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen, um die jeweiligen Gesamtziele zu erreichen.
  • Proaktiv, nicht reaktiv: Wartet der Partner auf Fragen und Aufträge oder bringt er eigenständig neue Ideen ein? Ein strategischer Partner ist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheitslage. Dies reicht von der Empfehlung neuer Technologien bis hin zu Vorschlägen für Änderungen am Governance-Framework.
  • Integriert und kollaborativ: Agiert er als undurchsichtige Blackbox oder ist er ein offenes Buch? Ein strategischer Partner bietet klare Einblicke in seine Abläufe und arbeitet kollaborativ mit internen Teams zusammen. Er teilt sein Wissen, um geeignete Fähigkeiten beim Kunden aufzubauen.
  • Fokus auf die Zukunft: Konzentriert er sich nur auf aktuelle Bedrohungen oder hilft er auch bei der Vorbereitung auf künftige Gefahren? Ein strategischer Partner versteht die sich entwickelnde Bedrohungslandschaft und unterstützt Unternehmen dabei, eine zukunftsfähige Sicherheitsstrategie zu entwickeln.

Diese Punkte zeigen, dass die echte Herausforderung für Unternehmen nicht der reine Mangel an Fachkräften ist, sondern eine strategische Neuaufstellung. Anstelle von fragmentierten Modellen und kurzfristigen Lösungen sind heute strategische Führung, integrierte Partner und adaptive Plattformen notwendig. Cybersicherheit darf nicht länger als isolierte IT-Aufgabe verstanden werden, sondern als zentraler Baustein für Vertrauen, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum.

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Fazit

Das Zeitalter isolierter Sicherheitsfunktionen ist endgültig vorbei. In unserer vernetzten Welt führt der Weg zu echter Resilienz nur über enge, strategische Partnerschaften. Unternehmen sollten sich daher nicht länger mit klassischen Dienstleistern zufriedengeben, sondern gezielt nach strategischen Partnern suchen, die Sicherheit ganzheitlich denken und gleichzeitig die geschäftliche sowie technologische Weiterentwicklung aktiv unterstützen.

Über den Autor: Dr. Jan Schaumburg ist Dirctor Solutions and Delivery bei Insight DACH.

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