Vier Schlüsselfragen zur Sicherheit Cyberrisiken bei der Bundestagswahl

Von Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Mitte Februar 2025 wird der Bundestag neu gewählt. Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security, erklärt, welche Cybergefahren im Zusammenhang mit der Bundestagswahl drohen.

Zur geopolitisch und innenpolitisch turbulenten Lage, gesellt sich die angespannte Cyberbedrohungslage.(Bild:  Bendix  - stock.adobe.com / KI-generiert)
Zur geopolitisch und innenpolitisch turbulenten Lage, gesellt sich die angespannte Cyberbedrohungslage.
(Bild: Bendix - stock.adobe.com / KI-generiert)

Bundeskanzler Olaf Scholz wird wohl am 16. Dezember 2024 die Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag stellen. Die Fraktionsspitzen von SPD und Union haben sich zwischenzeitlich bereits auf einen möglichen Wahltermin für die 21. Legislaturperiode am 23. Februar 2025 geeinigt. Vorausgesetzt natürlich, der Bundespräsident wird nach nicht vorhandener Mehrheit für den amtierenden Kanzler im deutschen Parlament dieses auch auflösen.

Alle Parteien haben den Wahlkampf kräftig eingeläutet. Die Spitzenkandidaten der einzelnen demokratischen Lager haben bereits ihre ersten Bewerbungsreden gehalten und die Vorbereitungen in den 299 Wahlkreisen laufen auf Hochtouren. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist in diesem Zusammenhang auf die kurze Vorbereitungszeit zur Absicherung kritischer (Wahl-)Systeme hin.

Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security.(©  Nicolas Armer/Myra Security)
Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security.
(© Nicolas Armer/Myra Security)

Aufgrund der Neuwahlen herrsche ein „spürbarer Zeitdruck“, wie Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security, sagt. „Soll etwas schnell passieren, ist das ein Umstand, der potenziell Fehler begünstigen kann.“ Zudem sei sowohl die geopolitische als auch die innenpolitische Lage weiterhin turbulent. „Diese beiden Faktoren spiegeln sich auch in der Cyberbedrohungslage wider“, meint Klaus. „Politisch motivierte und teils staatlich unterstützte Cyberakteure versuchen diese Gemengelage auszunutzen, um eigene Ziele durchzusetzen – zum Beispiel, indem sie mittels Angriffen Schäden verursachen oder durch Desinformation Verunsicherung stiften.“ Letzteres sei technisch heutzutage sehr einfach herzustellen und breit zu streuen, daher werden „eine gesunde Skepsis und ein bewusster Umgang mit Informationen aus dem Internet“ für die Wählerinnen und Wähler immer wichtiger. Klaus: „In diesem Gesamtkontext kann eine vorgezogene Bundestagswahl eine erhöhte Angriffsfläche bieten.“

Klaus beschreibt die Schwachstellen: „Aus technischer Sicht bietet sich generell dort Angriffsfläche, wo für die Wahl relevante Systeme über die Netzwerkschichten (Layer 3/4 und 7) über das Internet erreichbar sind. Der Wahlvorgang selbst in Deutschland ist nach meinen Informationen ein in erster Linie analoger Prozess, besonders, was die Erststimmen angeht. Die jüngsten Angriffe auf österreichische Kommunen, Behörden und Infrastrukturen im Kontext der Nationalratswahl im September haben nämlich klar gezeigt: Sämtliche digitalen Prozesse von Behörden und Parteien – vor und während der Wahl – sind potenzielle Angriffsziele.“ Im konkreten Fall verfolgten die Angreifer das Ziel, systematisch behördliche und institutionelle Internetauftritte lahmzulegen, um die Bevölkerung zu verunsichern. „Auch bei den Wahlen in Belgien konnten im Oktober dieses Jahres ähnliche Angriffsmuster beobachtet werden“, sagt Klaus.

Eine Cyberattacke im Zusammenhang mit Wahlen könne laut Klaus beispielsweise über DDoS-Angriffe vonstatten gehen. Aufgrund des anhaltenden Trends zu Cybercrime-as-a-Service-Diensten seien solche Angriffe mit geringem Aufwand und niedrigen Kosten für die Akteure verbunden. „Im Fall einer groß angelegten DDoS-Kampagne werden wir ein ähnliches Bild sehen wie in der Vergangenheit: Geschützte Umgebungen werden den Angriffen standhalten, während ungeschützte zusammenbrechen – mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Dazu zählen Sach- und Reputationsschäden, zusätzliche operative Kosten und natürlich verlorenes Vertrauen in Staat und Regierung – und damit auch in unsere Demokratie“, mahnt Klaus.

Was kann man tun? Die Antwort ist für Klaus klar: „Dasselbe, was es aus Sicht der Cyberresilienz ständig zu tun gilt: objektiv hinterfragen, ob die Absicherung der eigenen Systeme und Prozesse der Bedrohungslage angemessen ist.“ Schon ein Angriff auf ein einzelnes System könne die Infrastruktur als Ganzes überlasten. Klaus: „Wird somit die Website einer Behörde oder Kommune angegriffen, könnten auch andere Dienste in Mitleidenschaft gezogen werden, die mit der Wahl eigentlich nichts zu tun haben. Derartige Kettenreaktionen und Querwirkungen müssen bei der Planung von Cybersicherheitsmaßnahmen ganzheitlich betrachtet werden.“

Dass die Angreifer beständig aufrüsten, sieht Klaus auch im hauseigenen Security Operations Center (SOC), es gebe „Jahr für Jahr steigende Angriffsvolumen und Paketzahlen“. Deshalb sei es wichtig, dass auch die Verteidiger entsprechend aufrüsten. „Eine präventive Absicherung ist in jedem Fall vorzuziehen. Zwar können speziell im Bereich von Webapplikationen auch noch während eines Angriffs Schutzmaßnahmen implementiert werden, doch dann ist bereits ein Schaden entstanden“, sagt Klaus.

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