WP.29-Regelungen werden verschleppt Deutsche Automobilbranche ist nicht auf Cyberangriffe vorbereitet

Ein Gastbeitrag von Marco Preuß 2 min Lesedauer

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Moderne Fahrzeuge sind heute im Wesentlichen Computer auf vier Rädern. Als Teil eines umfangreichen Ökosystems kommunizieren diese über eine Vielzahl von Technologien sowohl miteinander als auch mit Werkstätten, Herstellern und Dienstleistern. Leider ist die Automobilbranche – sowohl was die Unternehmen als auch die Fahrzeuge selbst betrifft – nicht ausreichend gegen Angriffe auf diese Technologien geschützt.

Während Cyberkriminelle sich bestens in der IT-Welt auskennen, ist Cybersicherheit für viele Akteure innerhalb der Automobilzulieferkette nach wie vor noch ein eher wenig bekanntes Terrain.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Während Cyberkriminelle sich bestens in der IT-Welt auskennen, ist Cybersicherheit für viele Akteure innerhalb der Automobilzulieferkette nach wie vor noch ein eher wenig bekanntes Terrain.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Wie schlecht es um die digitale Sicherheit von Unternehmen des automobilen Sektors in Deutschland bestellt ist, zeigt der aktuelle Kaspersky-Report „Cybersicherheit in der Automobilbranche“. Es mangelt offenbar an grundlegenden Schutzmaßnahmen und Schulungen, da 54 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr von Phishing-Angriffen betroffen waren. Schadsoftware war mit 42 Prozent die zweithäufigste Angriffsart, gefolgt von Attacken auf die Lieferkette (26 Prozent) und Ransomware (24 Prozent). Erst danach folgen Angriffe auf vernetzte Fahrzeuge über WLAN oder Bluetooth (18 Prozent), schlüsselloser Zugang und Diebstahl (17 Prozent) sowie Überwachung und Datendiebstahl (15 Prozent).

Bedenken, ob Connected Cars ausreichend vor Cyberangriffen geschützt sind

Obwohl nicht ausreichend auf die Gefahrenlage reagiert wird, scheint das Bewusstsein für die Problematik zumindest vorhanden zu sein: Über die Hälfte (52 Prozent) der IT-Entscheider äußert ernsthafte Bedenken, dass vernetzte Fahrzeuge ausreichend vor Cyberangriffen geschützt sind. Daher haben auch die Sicherheit der Datenübertragung (36 Prozent) sowie Verschlüsselung und Authentifizierung (33 Prozent) für sie höchste Priorität.

Autonome Automobile könnten zwar die Zahl der Unfälle reduzieren, benötigen hierzu jedoch eine Vernetzung der Fahrzeuge untereinander (Vehicle-to-Vehicle, V2V) und mit der Infrastruktur wie beispielsweise Ampeln (Vehicle-to-Infrastructure, V2I). Diese V2V- und V2I-Vernetzungen sowie Over-the-Air-Updates stellen allerdings für knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten bis 2026 die größte Sicherheitsherausforderung dar.

Lieferkette anfällig für Angriffe

Auch die Supply Chain stellt für Attacken ein anfälliges Ziel dar. Laut IT-Entscheidungsträgern sind die Hauptschwachstellen vor allem bei Software- und Komponentenlieferanten (57 bzw. 47 Prozent) sowie Logistikdienstleistern (46 Prozent) zu finden. Weniger kritisch werden hingegen infrastrukturelle Bereiche wie Ladestationen (42 Prozent), OEMs (29 Prozent), die Vormontage (26 Prozent) und der Vertrieb über lizenzierte Händler (26 Prozent) bewertet.

WP.29 sollte alles besser machen – aber Deutschland hinkt hinterher

Mit dem Regelsystem der Arbeitsgruppe WP.29 des Weltforums für die Harmonisierung von Fahrzeugvorschriften wurde zum Juli 2024 eine einheitliche Sicherheitsrichtlinie verpflichtend. Diese sieht unter anderem ein Cyber Security Management System in Neufahrzeugen vor. Viele Unternehmen waren bei deren Umsetzung jedoch zögerlich oder teilweise komplett unvorbereitet. Lediglich 9 Prozent der Befragten hatten zum Januar 2014, also ein halbes Jahr bevor die Regulierung verbindlich wurde, WP.29-Regelungen vollständig implementiert. Von mehr als einem Viertel wurden noch keinerlei Vorbereitungen getroffen oder Pläne zur Umsetzung erarbeitet.

Fazit

Die Automobilbranche ist mit einer Vielzahl an Cyberbedrohungen konfrontiert – Tendenz steigend. Daher ist es wichtig, dass sich die Verantwortlichen mit den Sicherheitsherausforderungen und -anforderungen vernetzter Fahrzeuge im Speziellen auseinandersetzen. Anbieter von Cybersicherheitslösungen bieten hierfür bereits passende Dienste an, die nicht nur vor bekannten, sondern auch vor neuartigen Bedrohungen schützen. Embedded Security-Lösungen sowie Extended Detection and Response- und Threat Intelligence-Dienste unterstützen Unternehmen durch fortschrittliche Schutzfunktionalitäten dabei, auf aktuelle und zukünftige Gefahren schnell und angemessen zu reagieren.

Über den Autor: Marco Preuß ist Deputy Director Global Research & Analysis Team bei Kaspersky.

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