In der digitalen Welt von heute stehen Unternehmen unter immensem Druck, Verbraucherdaten zu sammeln, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu optimieren. Laut einer aktuellen Studie fühlen sich 66 Prozent der Verbraucher unwohl, wenn es darum geht, persönliche Informationen preiszugeben – vor allem aufgrund von Datenschutzbedenken und der Angst vor Datenmissbrauch.
Der Autor: Dr. Robin Basu promovierte in Sozialanthropologie und gilt als Experte für souveräne Identitäten. Vor der Mitgründung von Dwinity im Jahr 2023 forschte er über 15 Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zu den Themen Selbstbestimmung im analogen und digitalen Raum.
(Bild: Dwinity)
Gleichzeitig bringt der aktuelle Umgang mit Daten erhebliche Herausforderungen mit sich. Viele Menschen zögern, persönliche Daten weiterzugeben, die über die reine Kaufabwicklung oder Auftragserfüllung hinausgehen, da sie die Kontrolle darüber verlieren und Unternehmen misstrauen. Das Kernproblem liegt in zentralisierten Datenspeichersystemen, die Nutzern keine Kontrolle über ihre eigenen Daten ermöglichen. Das untergräbt nicht nur das Vertrauen in digitale Dienste, sondern verhindert auch, dass das volle Potenzial von Daten sinnvoll genutzt wird.
Herausforderungen beim Umgang mit Daten
Ein Beispiel aus der Medizintechnik verdeutlicht das Dilemma: Ein Unternehmen entwickelt spezielle medizinische Produkte, die auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind. Um diese Produkte zu verbessern, benötigt es umfassende Daten: Wie häufig werden die Produkte verwendet? Welche Beschwerden oder Probleme treten auf? Welche Anwendungen führen zu positiven oder negativen Ergebnissen?
Diese Unsicherheit führt dazu, dass Unternehmen entweder auf essenzielle Daten verzichten müssen, weil sie diese nicht vom Kunden erhalten, oder auf fragwürdige Praktiken zurückgreifen, wie den Erwerb von Daten aus dem Graumarkt. Solche Vorgehensweisen verstärken jedoch das bestehende Misstrauen und halten Unternehmen in einer Sackgasse, aus der sie eigentlich ausbrechen möchten.
Die DSGVO – Regulierer oder Hindernis?
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere wenn es um Daten geht, die über die für die Kaufabwicklung oder vertragliche Verpflichtungen notwendigen Informationen hinausgehen. Sie verlangt strenge Sicherheitsmaßnahmen und eine umfassende Dokumentation der Speicherung personenbezogener Kundendaten, was mit einem hohen administrativen und rechtlichen Aufwand verbunden ist. Doch anstatt das grundlegende Problem der zentralisierten Datenspeicherung zu lösen, reguliert die DSGVO lediglich deren Nutzung. Sie behandelt damit nur die Symptome einer veralteten Infrastruktur, während das eigentliche Kernproblem – die zentrale Kontrolle über Daten durch Unternehmen – bestehen bleibt. Unternehmen, die zusätzliche Daten sammeln möchten – beispielsweise zur Produktverbesserung, Kundenanalyse oder Forschung –, stehen vor enormen regulatorischen Hürden.
Ein neuer Ansatz: Dezentrale, anonymisierte Datenspeicherung
Ein datenschutzfreundlicher Ansatz ist es, die Kontrolle über persönliche Daten, die über die normale Kundenbeziehung und Kaufabwicklung hinausgehen, direkt beim Nutzer zu belassen. Dadurch können Unternehmen ihren administrativen Aufwand erheblich reduzieren, da keine personenbezogenen Daten, die außerhalb des berechtigten Interesses hinausgehen, zentral gespeichert werden. Dieser Wandel stärkt nicht nur das Verbrauchervertrauen und verringert regulatorische Hürden, sondern liefert Unternehmen auch wertvolle Erkenntnisse, ohne gegen Datenschutzrichtlinien zu verstoßen.
Dezentrale und anonymisierte Datenspeicherung bieten damit eine echte Alternative zur regulatorischen Sackgasse der DSGVO und des Kundenvertrauens. In dezentralen Systemen, wie z. B. Dwinity, werden Daten so unter der Kontrolle des Verbrauchers gespeichert, dass nur er Zugriff hat und selbst entscheidet, wann und in welchem Umfang Informationen bereitgestellt werden sollen – echte Datensouveränität also. Die Daten bleiben dabei vollständig beim Nutzer und werden nur in anonymisierter Form geteilt. Dieses System ermöglicht es Verbrauchern beispielsweise, ihre Erfahrungen mit medizinischen Produkten anonym zu teilen. Studien zeigen, dass Menschen eher bereit sind, ihre Nutzungsinformationen zu teilen, wenn sie sicher sein können, dass ihre Privatsphäre geschützt bleibt.
Um die Vorteile der dezentralen Datenspeicherung zu realisieren, ist die Kombination verschiedener Technologien entscheidend.
Die Blockchain-Technologie ermöglicht eine pseudonyme und fälschungssichere Speicherung von Datentransaktionen durch Kryptografie.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiteres zentrales Element ist die dezentrale Datenspeicherung in einem vom Verbraucher kontrollierten Netzwerk. Hierbei werden Daten über verteilte Knotenpunkte (Nodes) verschlüsselt und in Fragmenten wie ein Puzzle gespeichert. Dadurch besitzt keine einzelne Instanz die volle Datenhoheit, und weder Dritte noch die Validatoren des Netzwerks können auf sinnvolle Datensätze zugreifen. Nur der Verbraucher selbst kann mithilfe seines kryptografischen Schlüssels die Daten wieder zusammensetzen und vollständig darauf zugreifen.
Um auch zukünftigen Bedrohungen standzuhalten, kommt quantenresistente Verschlüsselung zum Einsatz. Sie stellt sicher, dass gespeicherte Daten selbst mit der Rechenleistung zukünftiger Quantencomputer nicht entschlüsselt werden können – ein entscheidender Aspekt insbesondere für sensible persönliche Informationen.
Damit diese Technologien für Verbraucher einfach zugänglich sind, werden sie in benutzerfreundlichen Oberflächen integriert, die ein intuitives Handling der Daten ermöglichen.
Diese Schnittstellen sorgen dafür, dass auch Nutzer ohne technisches Fachwissen die Kontrolle über ihre Informationen behalten, ihre Daten sicher verwalten und gezielt freigeben oder monetarisieren können.
Durch die Kombination dieser Technologien entsteht eine sichere, dezentrale und nutzerzentrierte Infrastruktur, die eine transparente und selbstbestimmte Datennutzung ermöglicht.
Anreize zur Datenfreigabe
Ein zentraler Aspekt dezentraler Datenmodelle ist die Schaffung von Anreizen für Verbraucher, ihre anonymisierten Daten zu teilen. Anstatt – wie bisher – ihre Informationen kostenlos bereitzustellen, erhalten Nutzer Belohnungen wie Rabatte oder monetäre Entlohnung in Form eines tokenisierten Belohnungssystems. Das schafft einen wirtschaftlichen Anreiz, anonymisierte Daten freiwillig bereitzustellen.
Mit anonymisierten Daten von Tausenden von Nutzern erhalten Unternehmen wertvolle Einblicke in Nutzungsverhalten oder die Materialien, die die Qualität und Haltbarkeit zum Beispiel von medizinischen Produkten verbessern.
Ein dezentrales System kann zudem die Entwicklung individueller Anpassungen und personalisierter Empfehlungen anonym ermöglichen und damit die Produktqualität weiter steigern. Dies schafft sowohl eine nachhaltige Verbesserung für Unternehmen als auch für Verbraucher, ohne dabei die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden.
Trotz der vielen Vorteile eines dezentralen und anonymisierten Datenmanagementsystems gibt es Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Technologische und infrastrukturelle Hürden erfordern innovative Lösungen sowie einen klaren rechtlichen Rahmen. Ein weiteres Hindernis ist das Bewusstsein der Verbraucher. Nur wenn sie verstehen, wie ihre Daten verwendet werden und welchen Nutzen sie daraus ziehen, sind sie bereit, aktiv an einem solchen System teilzunehmen. Unternehmen müssen daher transparent agieren, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen und langfristig zu erhalten.
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist es entscheidend, Herausforderungen in der Datennutzung proaktiv anzugehen. Vertrauen zwischen Unternehmen und Verbrauchern ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende digitale Datenökonomie. Nur wenn beide Seiten profitieren, kann ein nachhaltiges und faires System entstehen.
Viele Unternehmen scheuen sich jedoch davor, auf zentrale Datenspeichersysteme für zusätzliche Kundendaten zu verzichten, aus Angst, wertvolle Erkenntnisse für ihre Produktentwicklung zu verlieren. Doch genau dieser Paradigmenwechsel kann eine neue Ära datengetriebener Innovationen einläuten. Statt sich auf personenbezogene Daten zu stützen, können Unternehmen anonymisierte, freiwillig bereitgestellte Nutzerdaten nutzen. Diese ist nicht nur DSGVO-konform, sondern sogar wesentlich wertvoller, da umfassendere Verhaltensmuster und tiefere Einblicke ermöglicht werden – eine Win-Win-Situation für alle Seiten.
Fazit
Es ist an der Zeit, traditionelle Datennutzungsmodelle zu hinterfragen und eine transparente, dezentrale Infrastruktur zu schaffen. Ein System, in dem Nutzer ihre Daten anonymisieren, selbst kontrollieren und gezielt freigeben können, bildet die Grundlage für eine gerechtere und effizientere Datenökonomie.
Vertrauen zwischen Unternehmen und Verbrauchern kann nicht durch zentrale Datenspeicherung oder regulatorische Vorgaben wie die DSGVO erzwungen werden. Nutzer müssen weiterhin darauf vertrauen, dass Unternehmen ihre Daten nicht missbrauchen oder weitergeben. Doch wahres Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen oder gesetzliche Vorgaben, sondern durch Technologie, die echte Datensouveränität ermöglicht und Missbrauch von vornherein unmöglich macht.
Nur eine dezentrale Infrastruktur, in der Unternehmen keinen direkten Zugriff auf Nutzerdaten haben, kann das Fundament für eine wirklich sichere und faire digitale Datenwirtschaft legen.
In einer zunehmend datengetriebenen Welt müssen wir unseren Umgang mit Informationen neu denken. Fortschritte im Datenschutz, kombiniert mit einer hohen Datenqualität, ermöglichen nicht nur einen verantwortungsvolleren Umgang mit persönlichen Informationen, sondern schaffen auch einen echten Mehrwert – für Unternehmen, Verbraucher und die Gesellschaft als Ganzes.