5,6 Terabit pro Sekunde DDoS-Attacken erreichen neue Dimensionen

Ein Gastbeitrag von Christian Reilly 2 min Lesedauer

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Die Bedrohungslage durch DDoS-Attacken hat im dritten Quartal 2024 einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie aus dem aktuellen Cloudflare-Report hervorgeht, gibt es nicht nur deutlich mehr Angriffe, sondern auch neue Rekorde bei der Angriffsstärke.

Besonders HTTP- und SSDP-DDoS-Attacken waren im Q3 2024 unter Cyberkriminellen beliebt.(© Bits and Splits – stock.adobe.com)
Besonders HTTP- und SSDP-DDoS-Attacken waren im Q3 2024 unter Cyberkriminellen beliebt.
(© Bits and Splits – stock.adobe.com)

Mit knapp sechs Millionen registrierten DDoS-Attacken im dritten Quartal 2024 verzeichnet Cloudflare einen sprunghaften Anstieg von Distributed-Denial-of-Service-Angriffen (DDoS). Im Vergleich zum zweiten Quartal bedeutet dies eine Zunahme um 49 Prozent, im Jahresvergleich sogar um 55 Prozent. Besonders bemerkenswert: Im Durchschnitt wurden 2.200 Angriffe pro Stunde verzeichnet. Die Attacken verteilten sich dabei gleichmäßig auf Angriffe der Netzwerk- und Anwendungsebene (Hypertext Transfer Protocol, HTTP).

Neue Dimensionen der Angriffsstärke

Besonders alarmierend ist die Zunahme sogenannter hyper-volumetrischer Angriffe. Über 200 Attacken überschritten die Marke von drei Terabit pro Sekunde (Tbit/s) oder zwei Milliarden Pakete pro Sekunde. Der aktuelle Rekord wurde am 21. Oktober 2024 aufgestellt: Ein einminütiger Angriff erreichte eine Spitzenleistung von 5,6 Tbit/s, nur eine Woche nach dem letzten Rekord von 4,2 Tbit/s. Diese Entwicklung zeigt, dass Angreifer zunehmend in der Lage sind, massive Datenmengen zu mobilisieren.

Besonders attraktives Ziel: der Finanzsektor

Die Analyse der Angriffsziele offenbart, dass der Banken- und Finanzdienstleistungssektor am häufigsten von DDoS-Attacken betroffen war. Geografisch gesehen war China das am stärksten anvisierte Land, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong. Bei den Ursprungsländern der Angriffe führt Indonesien die Liste an, gefolgt von den Niederlanden und Deutschland.

Zunehmende Professionalisierung der Angreifer

Eine tiefere Analyse der Attacken liefert interessante Einblicke in die Taktiken der Cyberkriminellen: 80 Prozent der HTTP-DDoS-Attacken nutzten gefälschte Chrome-Browser-Identifikationen, um legitimierte Nutzer zu imitieren. Bemerkenswert ist auch, dass 72 Prozent der HTTP-DDoS-Angriffe von bekannten Botnetzen durchgeführt wurden.

Und auch zur Identität der Angreifer kann der Report nähere Informationen liefern: Während 80 Prozent der Opfer keine Kenntnis über die Täter hatten, konnten 20 Prozent der im Zuge der Recherchen Befragten Angaben zu den Verantwortlichen machen. Von diesen identifizierten 32 Prozent Erpresser als Täter, 25 Prozent vermuteten Konkurrenten hinter den Angriffen, und 21 Prozent machten unzufriedene Kunden oder Nutzer verantwortlich. Staatliche oder staatlich geförderte Gruppen wurden in 14 Prozent der Fälle als Verursacher genannt.

SSDP-Angriffe auf dem Vormarsch

Besonders auffällig ist der massive Anstieg von Simple-Service-Discovery-Attacken (SSDP) – eine Art Reflection- und Amplification-DDoS-Angriff – die im Vergleich zum zweiten Quartal um 4.000 Prozent zugenommen haben. Bei dieser Methode werden verwundbare UPnP-fähige (Universal Plug and Play) Geräte wie Router, Drucker und IP-Kameras ausgenutzt, um massive Datenmengen zu generieren und auf das Zielsystem zu lenken.

Cloud-Provider als unfreiwillige Helfer

Die Analyse der Ursprungsnetzwerke zeigt, dass viele bekannte Cloud Provider und Hosting-Anbieter als Ausgangspunkt für Angriffe genutzt wurden. Hetzner, Linode und Vultr führten die Liste der am häufigsten missbrauchten Netzwerke an, gefolgt von weiteren bekannten Anbietern wie Google Cloud Platform, DigitalOcean und Amazon Web Services.

Fazit

Die Entwicklungen im dritten Quartal 2024 zeigen, dass DDoS-Angriffe eine zunehmende Bedrohung für Unternehmen darstellen. Die Kombination aus steigenden Angriffszahlen, wachsender Angriffsstärke und zunehmender Professionalisierung der Cyberkriminellen verlangt eine proaktive Herangehensweise an die DDoS-Abwehr. Besonders besorgniserregend ist, dass mittlerweile auch Organisationen ins Visier geraten, die für gewöhnlich nicht als primäre Angriffsziele galten. Die Experten von Cloudflare empfehlen daher dringend, DDoS-Schutzmaßnahmen präventiv zu implementieren, anstatt erst nach einem erfolgreichen Angriff zu reagieren.

Über den Autor: Christian Reilly ist Field CTO EMEA bei Cloudflare.

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