Auf der Digital X in Köln rückte die Telekom Cyberabwehr als dauerhafte Betriebsaufgabe in den Mittelpunkt. Weitere Themen waren die Absicherung autonom handelnder KI-Agenten, Cloud-Strategien und digitale Souveränität vor allem für den Mittelstand.
Telekom-CEO Rodrigo Diehl sieht für die Etablierung von KI-Agenten die Kultur als entscheidend an: hohe Ambitionen, Vertrauen, schnelle Entscheidungen und Mut zu Fehlern.
(Bild: Deutsche Telekom / Robert Dieth)
Die Digital X der Deutschen Telekom hat am 8. September 2026 in Köln die Themen Künstliche Intelligenz, Cloud, digitale Souveränität und Cybersicherheit zusammengeführt. Im Mittelpunkt der Security-Debatten stand weniger die einzelne Schutzsoftware und mehr die Frage, ob Unternehmen zu jeder Zeit einen Angriff erkennen, einordnen und begrenzen können. Die Telekom stellte dazu neue und bestehende Angebote für Netzschutz, Managed Security, KI-Agenten und souveräne Cloud-Infrastrukturen vor.
Telekom-CSO Thomas Tschersich bei der Digital X in Köln
(Bild: Deutsche Telekom / Nathan Dreessen)
Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich verwies auf 23.000 DDoS-Angriffe, die die Telekom nach eigenen Angaben allein in einer Woche im eigenen Netz registriert. Die Zahl sei ein Hinweis auf ein steigendes Angriffstempo. Cybersicherheit sei deshalb nicht mehr allein eine Aufgabe der IT-Abteilung, sondern müsse in die Verantwortung der Unternehmensführung fallen.
Die Diskussion auf der Digital X verdeutlichte, dass Security-Technik nur dann Wirkung entfaltet, wenn bei einem Alarm auch eine Reaktion organisiert ist. Als Beispiel nannte die Telekom die Lage eines mittelständischen Unternehmens, dessen IT-Team außerhalb der Bürozeiten nicht durchgehend besetzt ist. Doch auch in dieser Zeit müssten Sicherheitsvorfälle erkannt und abgewehrt werden.
Wir wollen Cybersicherheit demokratisieren – professionellen Schutz auch für kleinere Unternehmen verfügbar machen.
Thomas Tschersich, Chief Security Officer, Deutsche Telekom
Nach den auf der Veranstaltung präsentierten Zahlen einer PwC-Befragung liegt der Median der Informationssicherheits-Teams deutscher Unternehmen bei drei Vollzeitkräften. 78 Prozent der Mittelständler bezögen bereits Managed Security Services. Die Telekom positionierte deshalb ihr Angebot „CyberProtect“ als Kombination aus technischen Erkennungsplattformen von Microsoft oder Crowdstrike, Analysten und definierten Reaktionsprozessen. Diese sollen relevante Alarme rund um die Uhr bewerten und bei Bedarf Gegenmaßnahmen bis hin zur Isolation eines Systems einleiten können.
Mit „Security OnNet“ verwies der Anbieter zugleich auf netzbasierten Schutz. Verdächtige Verbindungen sollen schon im Telekom-Netz erkannt und blockiert werden, bevor sie Systeme von Kunden erreichen. Nach Unternehmensangaben blockiert der Dienst monatlich mehr als 48 Millionen Bedrohungen.
Im Fokus der Digital X stand das Thema KI-Agenten. Anders als klassische KI-Assistenten, die Texte erstellen oder Informationen zusammenfassen, können Agenten selbstständig auf Anwendungen zugreifen, Daten aus verschiedenen Systemen verarbeiten und nach definierten Regeln Aktionen auslösen. Sie können beispielsweise CRM- oder ERP-Daten ergänzen, Vorgänge anlegen, E-Mails und Anhänge auswerten oder Tickets erstellen.
Rodrigo Diehl, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und CEO der Telekom Deutschland GmbH, beschrieb die Wirkung von KI-Agenten am Beispiel der Netzplanung vor Großveranstaltungen. Ein Agent erkennt anstehende Ereignisse, ein weiterer gleicht deren Standorte mit Netzlast, Datenverkehr und Kundenerfahrung ab. Weitere Agenten leiten daraus erforderliche Maßnahmen ab und setzen sie um. Damit automatisiert die Telekom nicht nur eine einzelne Analyse, sondern eine zusammenhängende Prozesskette, während Beschäftigte den Ablauf konzipieren und kontrollieren.
Roman Howe, Head of DACH & CEE bei Anthropic
(Bild: NORBERT-ITTERMANN)
Doch damit entstehen auch neue Sicherheitsfragen. Auf welche Daten darf ein Agent zugreifen? Welche Systeme darf er bedienen? Welche Aktionen darf er selbst ausführen, und wann ist eine menschliche Freigabe notwendig? Roman Howe vom KI-Unternehmen Anthropic verwies auf der Digital X darauf, dass Menschen den Überblick über KI-Systeme behalten und gleichzeitig Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen müssen. Je leistungsfähiger die Modelle würden, desto wichtiger seien Kontrollmechanismen, Sicherheitsprüfungen und die Nachvollziehbarkeit ihres Verhaltens.
Stand: 08.12.2025
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Für die Telekom ist klar, dass KI-Agenten aus Sicherheitssicht wie neue digitale Identitäten behandelt werden müssen. Mit klaren Rollen, minimalen Berechtigungen, Protokollierung und organisatorischen Verantwortlichkeiten.
Diehl formulierte auf dem Event, das mehr als 6.000 Teilnehmende zählte, vier Erwartungen für die weitere Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Erstens werde KI den Bildschirm verlassen und stärker zum ständigen persönlichen Begleiter werden. Mit dem Vergleich zu einem möglichen „iPhone-Moment“ beschreibt Diehl keinen konkreten Gerätewechsel, sondern einen breiten Akzeptanz- und Nutzungsschub. KI könnte für viele Menschen so selbstverständlich werden wie das Smartphone. „Wir werden in den nächsten drei Jahren einen iPhone-Moment erleben, der die nächsten 20 Jahre definieren wird.“
Zweitens erwartet Diehl, dass KI-Funktionen nicht nur in zentralen Rechenzentren laufen, sondern stärker in die Netzinfrastruktur rücken. Das verweist auf die Bedeutung von Netzen als technische Basis für KI-Anwendungen, insbesondere wenn Daten schnell verarbeitet und Dienste näher an Nutzern, Geräten oder Produktionsumgebungen bereitgestellt werden sollen.
Drittens sei Vertrauen die Voraussetzung für den breiteren KI-Einsatz. Unternehmen müssten nachvollziehen können, wer KI-Systeme betreibt, welche Daten verarbeitet werden und an welchen Standorten dies geschieht. Damit verknüpft er die KI-Debatte unmittelbar mit Themen wie Sicherheitsarchitektur, Transparenz, digitaler Souveränität und Betriebsverantwortung.
Viertens rechnet der Manager mit einer zunehmenden Selbstständigkeit von KI-Systemen. Diese Entwicklung entspricht dem auf der Digital X diskutierten Übergang von KI-Assistenten zu Agenten, die nicht nur Informationen erzeugen, sondern innerhalb definierter Grenzen auf Systeme zugreifen und Geschäftsprozesse auslösen können. Je weiter solche Handlungsspielräume reichen, desto wichtiger werden Rechtekonzepte, Protokollierung, menschliche Freigaben und klar zugeordnete Verantwortung.
Mit der „T-AI Agent Plattform“ kündigte die Telekom eine Lösung an, die vor allem klar abgegrenzte Arbeitsabläufe im Mittelstand automatisieren soll. Technische Grundlage ist unter anderem die Workflow-Software n8n. Größere Unternehmen adressiert der „T-AI Agentic Hub“ von T-Systems. Über ihn sollen sich Agenten, eingesetzte Modelle, Berechtigungen, Kostenlimits, Protokollierung und menschliche Eskalationen zentral steuern lassen. Als Beispiel wurde die spanische Bankgruppe Banco Sabadell genannt, die über den Hub Agenten im Kundenservice und Rechtsbereich einsetzt. Die Systeme klassifizieren dort eingehende Vorgänge, prüfen Unterlagen und bereiten Fälle für Beschäftigte vor, die Rechtsabteilung prüft und gibt Ergebnisse frei.
Neben Lösungen für die Cyberabwehr präsentierte die Telekom auch mehrere Infrastrukturthemen. „T Secure Fabric“ soll Telekom-Infrastruktur mit Netzen und Technologien unterschiedlicher Partner zu einer zentral steuerbaren Plattform verbinden. Unterschiedliche Verbindungswege sollen die Abhängigkeit von einzelnen Providern reduzieren und die Ausfallsicherheit erhöhen.
Erstmals live zeigte die Telekom zudem ihren Drohnen-Schutzschirm. Sensoren sollen Funksignale zwischen Drohne und Fernsteuerung erfassen und dadurch sowohl die Drohne als auch den Standort des Piloten lokalisieren können. Die Daten werden an eine Leitstelle übermittelt, damit Sicherheitskräfte die Lage bewerten können. Das System richte sich unter anderem an Flughäfen, Industrieanlagen und Betreiber kritischer Infrastruktur.
Mit „T Mission“ stellte der Konzern außerdem eine Lösung für einsatzkritische Kommunikation vor. Sprache, Live-Videos, Lagebilder oder Sensordaten sollen über 5G priorisiert übertragen werden können, auch bei hoher Netzauslastung. Die Lösung verbindet die mobile Breitbandkommunikation MCx mit dem etablierten Tetra-Funk, damit Einsatzkräfte mit unterschiedlicher Ausrüstung kommunizieren können.
Im Cloud- und Souveränitätsteil der Veranstaltung vertrat die Telekom die These, dass „Cloud first“ nicht mehr als Strategie ausreicht. Entscheidend sei künftig die Platzierungsfrage: Welcher Workload läuft auf welcher Infrastruktur und warum?
Souveränität heißt für mich nicht Protektionismus. Und Souveränität heißt für mich auch nicht Deutschtum. Es heißt für mich Kontrolle.
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender, Deutschen Telekom
Tim Höttges bei seiner Keynote auf der Digital X
(Bild: Deutsche Telekom / Robert Dieth)
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, definierte digitale Souveränität auf der Digital X nicht als Protektionismus, sondern als Kontrolle über Daten, Prozesse und die Nutzung von Technologie. Ferri Abolhassan, CEO von T-Systems, erklärte, die Telekom wolle dafür souveräne Infrastruktur mit Unternehmensanwendungen von Partnern verbinden.
Ferri Abolhassan, CEO T-Systems
(Bild: Deutsche Telekom / Robert Dieth)
Als Beispiele nannte Abolhassan die „Industrial AI Cloud“ in München mit rund 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs sowie die Bereitstellung der US-Softwareplattform ServiceNow auf T-Cloud-Infrastruktur. Die verwendeten Chips beziehungsweise die Software bleiben dabei US-amerikanisch, während Datenhaltung und wesentliche Betriebsleistungen in einem deutschen oder europäischen Modell organisiert werden können. Abolhassan betonte, dass insbesondere das Potenzial industrieller KI, auf dem Wissen und den Daten von mittelständischen Unternehmen aufbaue. „Der Reichtum Europas und auch der Reichtum Deutschlands ist die Industrie, der Mittelstand und das Know-how in den Daten der Ingenieure, die wissen, wie man ein Auto baut, wie man eine Maschine baut.“
Maximilian Ahrens, Managing Director T Digital, erklärte, die Telekom wolle ihre Industrial AI Cloud in München aufgrund hoher Nachfrage weiter ausbauen. Zudem sollen kleinere Pakete und vorkonfigurierte Software den Zugang zu Cloud-Angeboten für den Mittelstand vereinfachen.
Im Gesundheitsbereich kündigten Telekom und das Start-up Prof. Valmed an, medizinische KI künftig aus der T Cloud bereitzustellen. Die als Medizinprodukt der Klasse IIb CE-gekennzeichnete Lösung soll medizinisches Personal bei Diagnose und Therapie unterstützen. Die Verantwortung für Entscheidungen bleibe jedoch beim behandelnden Personal. Außerdem präsentierte der Konzern „Voice AI Notes Mobile“ für Business-Mobilfunktarife. Nach Zustimmung der Gesprächspartner soll der Dienst Telefonate zusammenfassen und Aufgaben oder Termine festhalten.
Auch die Verbindung von Automatisierung und Anwendungsentwicklung war Thema. Die Telekom wird zertifizierter Solution Partner der KI-Plattform Lovable. Unternehmen sollen damit Kundenportale, interne Werkzeuge oder Dashboards per natürlicher Sprache entwickeln können. In Kombination mit n8n sollen sich diese Anwendungen an automatisierte Geschäftsprozesse und KI-Agenten anbinden lassen.
Das zentrale Ergebnis der Digital X lautet damit: Mit KI wachsen nicht nur die Möglichkeiten zur Automatisierung, sondern auch die Anforderungen an Zugriffsrechte, Überwachung, Reaktionsfähigkeit und Betriebsverantwortung. Security, Cloud-Architektur und digitale Souveränität wurden in Köln nicht als getrennte Disziplinen behandelt, sondern als Voraussetzungen dafür, KI produktiv und kontrolliert in Geschäftsprozesse zu integrieren.