Immer mehr Unternehmen erkennen, wie kritisch die Kontrolle über ihre Daten, Systeme und Technologien geworden ist. Digitale Souveränität gilt längst nicht mehr als Nischenthema – sondern als strategisch unabdingbar. Doch was heißt das konkret? Welche Lösungen gibt es – und wie entwickelt sich der Markt? Eine Analyse über Chancen, Herausforderungen und notwendige Weichenstellungen.
Der Markt für digitale Souveränität ist noch jung – aber in Bewegung. Eines ist allerdings schon absehbar, dass kein Anbieter eine Komplettlösung für alle Souveränitätsbedarfe liefern kann.
Digitale Souveränität ist ein hochaktuelles Thema – und doch keines mit klaren Grenzen. Der Markt für digitale Souveränitätslösungen ist ein Geflecht aus Technologien und Dienstleistungen, die darauf abzielen, fremden Einfluss auf Daten und IT-Abläufe zu begrenzen – und gleichzeitig die Einhaltung nationaler Vorschriften zu gewährleisten. Der Fokus liegt auf Lösungen, die sowohl den Schutz sensibler Daten als auch die Kontrolle über Prozesse und technologische Infrastrukturen sicherstellen.
Zum Markt gehören unter anderem: Datenverschlüsselung und Schlüsselverwaltung, Zugriffs- und Identitätsmanagement, datensouveräne Cloud-Plattformen, lokal gehostete Dienste sowie Audit-, Governance- und Kontrollfunktionen. Das Spektrum reicht von Hardware-basierten Sicherheitsmodulen über lokale Private-Cloud-Lösungen bis hin zu vollständig abgekoppelten Cloud-Systemen. Auch hybride Szenarien spielen eine immer größere Rolle, etwa wenn globale Hyperscaler mit lokalen Partnern zusammenarbeiten, um Anforderungen an nationale Souveränität zu erfüllen.
Getrieben wird das Thema digitale Souveränität durch eine Vielzahl an Faktoren. Nicht zuletzt durch geopolitische Spannungen, neue Regulierungen und die wachsende Bedeutung von KI. Gerade Unternehmen mit sensiblen Daten – etwa im öffentlichen oder kommerziellen Sektor – fragen sich zunehmend: Wer hat Zugriff auf unsere Daten? Wo und unter wessen Rechtshoheit liegen sie?
Weltweit setzen Regierungen neue Impulse. Regionen wie Europa, der Nahe Osten, Lateinamerika, Asien/Pazifik, Kanada, Mexiko und China sehen sich mit zunehmenden Risiken durch die Nutzung von Cloud-Infrastrukturen konfrontiert, die sich außerhalb ihrer Gerichtsbarkeit befinden.
Drei Trends stechen hervor:
Entkopplung von Infrastrukturen: Unternehmen wollen nachvollziehen, wo ihre Daten verarbeitet werden – und im Zweifel auf lokale Infrastruktur ausweichen können.
Re-Lokalisierung von Betriebsteams: Dienste sollen zunehmend durch lokale Partner oder Tochterfirmen betrieben werden, die nicht unter ausländische Rechtsprechung fallen.
Souveränitätszertifizierungen: Anbieter versuchen, ihre Lösungen durch Auditberichte, Sicherheitszertifikate oder Partnerschaften mit nationalen Playern abzusichern.
Die Folge ist eine steigende Nachfrage nach Lösungen, die regionale Kontrollmöglichkeiten stärken – von externem Schlüsselmanagement bis hin zu vollständig abgekoppelten IT-Umgebungen.
Handlungsfelder für Unternehmen: Wo jetzt Entscheidungen gefragt sind
Für Unternehmen ergeben sich daraus klare Handlungsfelder. An erster Stelle steht die strategische Standortbestimmung: Was bedeutet digitale Souveränität für unser Geschäftsmodell? Geht es vor allem um Datenschutz, um Kontrollrechte – oder um technologische Autonomie?
Ein zweiter wichtiger Schritt ist die Risikoanalyse entlang der drei Souveränitätsprinzipien:
1. Zieldefinition: Welche Souveränitätsprinzipien stehen im Fokus – Daten, Betrieb oder Technologie?
2. Impact-Analyse: Welche Geschäftsprozesse sind betroffen, welche regulatorischen Anforderungen gelten?
3. Lösungsarchitektur: Welche Technologien und Anbieter können die definierten Anforderungen abdecken – und in welcher Kombination?
Dabei gilt: In den meisten Fällen wird ein einzelner Anbieter nicht alle Anforderungen erfüllen. Ratsam ist also, verschiedene Lösungen modular zu kombinieren und gleichzeitig auf Transparenz, Governance und Interoperabilität zu achten.
Lösungen für digitale Souveränität lassen sich diesen drei Prinzipien zuordnen:
Datensouveränität: Hier kommen unter anderem externe Schlüsselverwaltung (EKM), Hardware-Sicherheitsmodule (HSM), vertrauliche Datenverarbeitung und die Durchsetzung von Datenresidenzrichtlinien zum Einsatz. Ergänzt wird dies durch Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie Auditfunktionen zur Kontrolle von Cloud-Ressourcen.
Operative Souveränität: Diese wird durch lokal betriebene Cloud-Umgebungen, proaktive Audits, kontrollierte Betriebsprozesse und inländische Partner unterstützt. In vielen Fällen setzen Anbieter Tochtergesellschaften oder dedizierte Teams ein, um den Betrieb unabhängig von ausländischen Einflüssen zu gestalten.
Technologische Souveränität: Die höchste Form der Unabhängigkeit wird durch vollständig isolierte Bereitstellungen erreicht, sogenannte „air-gapped“ Umgebungen. Hier behält der Kunde vollständige Kontrolle über Software, Hardware und Betrieb. Als Beispiel sind hier Oracle Cloud Isolated Region oder die Google Distributed Cloud als Angebote mit hoher technischer Abkopplung zu nennen.
Blick nach vorn: Wie sich der Markt entwickeln wird
Der Markt für digitale Souveränität ist noch jung – aber in Bewegung und aktuell im Aufbau. Eines ist sicher: es ist und bleibt spannend und das Angebot wird in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Und auch die bereits vorhandenen Lösungen zeigen eine große Bandbreite – von granularen Datenschutzfunktionen bis hin zu vollständig autarken Cloud-Plattformen. Gleichzeitig ist absehbar, dass kein Anbieter eine Komplettlösung für alle Souveränitätsbedarfe liefern kann.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Es ist also davon auszugehen, dass Unternehmen in der Regel auch weiterhin mehrere Anbieter benötigen. Außerdem sollte bedacht werden, dass sich Anforderungen je nach Region und Branche deutlich voneinander unterscheiden können und die Umsetzung immer auch Governance, Betriebskonzepte und Sicherheitsmodelle erfordert.
Der Markt wird sich weiter ausdifferenzieren – nicht zuletzt durch technologische Entwicklungen wie Confidential Computing und distributed Clouds. Doch im Zentrum steht eine konstante Frage: Wie viel Kontrolle braucht ein Unternehmen wirklich – und wo ist sie wirtschaftlich, regulatorisch oder strategisch unverzichtbar?
Über den Autor: René Büst ist Sr. Director Analyst bei Gartner.