Der digitale Identitätsbetrug hat den physischen abgelöst. Besonders bedrohlich ist die extreme Zunahme von Deepfake-Angriffen, für die Cyberkriminelle KI nutzen. Besonders betroffen sind Finanzdienstleister.
Entrust verzeichnet in seinem diesjährigen Identity Fraud Report einen massiven Anstieg von KI-gestützten Deepfake-Angriffen.
(Bild: JovialFox - stock.adobe.com)
Eine digitale Identitätsüberprüfung gehört für viele Unternehmen zum Onboarding-Prozess und ist für den Schutz vor Betrug und Finanzkriminalität unerlässlich. Entrust bietet Lösungen an, die die Überprüfung von Identitäten durchführen und veröffentlichte nun zum sechsten Mal den „Identity Frau Report“, der Einblicke in den aktuellen Stand von Onboarding-Betrugsversuchen gibt. Dabei identifizierten die Analysten von Entrust die Manipulation digitaler Dokumente und Deepfakes als die größten Bedrohungen für das Jahr 2025. Sie gehen davon aus, dass sie sogar noch weiter zunehmen werden.
Insgesamt sind Betrugsversuche beim Onboarding in der EMEA-Region im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen – von 3,1 Prozent im Jahr 2023 auf 3,4 Prozent im Jahr 2024. Dennoch gibt es weniger Betrugsversuche in dieser Region als in APAC, wo sie einen Anteil von 6,8 Prozent ausmachen, und Amerika, wo sie 6,2 Prozent ausmachen. Dies ist den Analysten zufolge möglicherweise auf die strengen Onboarding-Anforderungen in Europa zurückzuführen.
Digital statt physisch
In diesem Jahr gab es laut Entrust erstmals mehr digitale Dokumentenfälschungen als physische. 57 Prozent aller Dokumentenfälschungen waren veränderte digitale Originale. Dies entspricht einem Anstieg von 244 Prozent gegenüber 2023 – und sogar von 1.600 Prozent gegenüber 2021. Mit der Zunahme von KI-gestützten Techniken sind Kriminelle nun in der Lage, raffiniertere Betrugsversuche zu initiieren. Zu den am häufigsten gefälschten Dokumenten gehören mit 27 Prozent Identitätsnachweise aus Indien, mit 18 Prozent Dokumente aus Pakistan und mit 15 Prozent Dokumente aus Bangladesh. 10 Prozent der gefälschten Reisepässe sind französische. Für all diese Dokumente existieren Entrust zufolge Vorlagen im Internet. Die Kriminellen würden „As-a-Service“-Plattformen für Phishing, Betrug und Ransomware nutzen und sich dort auch über den Einsatz von generativen KI-Tools (GenAI) austauschen.
Vor allem Deepfakes, die mit KI generiert wurden, sind für Organisationen besorgniserregend. Einfache Betrugstaktiken, wie relativ leicht erkennbare Phishing-Versuche, würden derzeit „hyperrealistischen“ KI-Deepfakes und synthetischen Identitäten weichen. Die Zunahme von Face-Swap-Apps und GenAI-Tools ermöglicht es Betrügern, immer glaubwürdigere biometrische Betrugsangriffe durchzuführen und zu skalieren. So können Cyberkriminelle Konten eröffnen oder übernehmen und einfacher Phishing- und Fake-News-Kampagnen starten. Dem Bericht zufolge wurde im Jahr 2024 alle fünf Minuten ein Deepfake-Angriff durchgeführt.
Unternehmen und Organisationen, die Finanzdienstleistungen anbieten waren 2024 weltweit die relevantesten Ziele von Cyberkriminellen. Wobei Kryptowährung-Anbieter fast doppelt so viele Betrugsversuche wie jede andere Branche verzeichnen mussten. Insgesamt machten sie einen Anteil 9,5 Prozent aus, gefolgt von Kredit- und Hypotheken-Anbietern mit 5,4 Prozent und traditionellen Banken mit 5,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Betrugsrate bei Krypto-Plattformen um 50 Prozent gestiegen, im Jahr 2023 waren es noch 6,4 Prozent. Entrust vermutet hinter diesem Anstieg das Allzeithoch von Krypto im Jahr 2024 als Ursache. Gefälschte Onboarding-Versuche bei traditionellen Banken stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent. Hier gehen die Analysten davon aus, dass die hohen Inflationsraten zu mehr Kredit- und Hypothekenbetrug führten.
„Derzeit vollzieht sich ein drastischer Wandel in der globalen Betrugslandschaft, gekennzeichnet durch einen signifikanten Anstieg raffinierter, KI-gestützter Angriffe. Unternehmen müssen diese Anzeichen sehr ernst nehmen“, kommentiert Simon Horswell, Senior Fraud Specialist bei Entrust die Ergebnisse. „Die diesjährigen Daten unterstreichen einen alarmierenden Trend und zeigen, wie schnell Betrüger ihre Techniken weiterentwickeln. Die Bedrohungen sind allgegenwärtig und berühren alle Bereiche von Unternehmen, Behörden und Privatpersonen gleichermaßen. Um Betrügern zuvorzukommen, sollten Sicherheitsteams ihre Strategien proaktiv anpassen, der Überwachung dieser neuen Bedrohungen Priorität einräumen und ihre Organisationen auf die neue Realität vorbereiten. Das sind keine optionalen Maßnahmen mehr, sondern zwingend erforderliche.“
Stand: 08.12.2025
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