Panel-Talk im „Candy Cyber Club“ Security als Teamsport: „Keiner verfügt über Superkräfte“

Von Marvin Djondo-Pacham 6 min Lesedauer

Der Münchner „Comedy für Freunde“-Club ist eigentlich ein Ort für Comedians, doch am 8. Mai hatte der Club unübliche Gäste. Im Rahmen des „Candy Cyber Club“ nahmen führende Sicherheitsexperten Platz auf der Bühne und diskutierten über die Rolle internationaler Partnerschaften, den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) und die Grenzen zentralisierter Sicherheitslösungen.

Wie können Unternehmen ihre Kräfte bündeln um den aktuellen Sicherheitsherausforderungen zu begegnen? Dieser Frage widmeten sich Götz Walecki (Okta), Jan Tietze (SentinelOne), Dirk Benecke (Fortinet) und Kevin Schwarz (Zscaler) während ihres Panel-Talk im „Candy Cyber Club“.(Bild:  Marvin Djondo-Pacham)
Wie können Unternehmen ihre Kräfte bündeln um den aktuellen Sicherheitsherausforderungen zu begegnen? Dieser Frage widmeten sich Götz Walecki (Okta), Jan Tietze (SentinelOne), Dirk Benecke (Fortinet) und Kevin Schwarz (Zscaler) während ihres Panel-Talk im „Candy Cyber Club“.
(Bild: Marvin Djondo-Pacham)

Am Abend des 8. Mai lud Milk & Honey zum Panel-Talk in den „Candy Cyber Club“. Vor den geladenen Gästen diskutierten die vier Experten auf der Bühne über Vertrauen, KI und die Risiken zentralisierter IT-Sicherheit. Im Fokus: Resilienz, Vielfalt und ein Blick auf internationale Partnerschaften, besonders mit den USA.

„Wir sind nur so gut, wie die Daten die wir haben“

Kevin Schwarz, CTO in Residence bei ZScaler, fordert eine Transformation im Security-Bereich. Cybersecurity sei ein Teamspiel, bei dem alle gegen einen gemeinsamen Gegner agieren. Es brauche mehr Zusammenarbeit, um die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten:

Wir sind nur so gut, wie die Daten die wir haben.

Kevin Schwarz

„Das heißt: wir brauchen die besten Daten und das entsteht durch Zusammenarbeit. Wir wissen wo wir gut sind und wo wir Hilfe brauchen, und da kann man sich dann gegenseitig ergänzen“.

Schwarz warnt zudem davor, die gesamte Security in die Hände eines Anbieters zu geben. Sollte es dann zu einem Sicherheitsvorfall kommen, etwa durch einen Supply-Chain-Angriff, könnten Angreifer gleichzeitig auf mehrere Access Points wie Endpoint, Netzwerk und Identitätsmanagement zugreifen. So entsteht ein Totalausfall der Sicherheitsarchitektur. Aus diesem Grund sei es wichtig die Verantwortung auf mehrere Anbieter aufzuteilen.

Kevin Schwarz
Kevin Schwarz ist Head of Field CTOs International bei Zscaler. Zuvor war er Global Product Manager für Network Security Services bei DHL und leitete dort die Einführung von Zscaler-Technologien. Er gilt als Experte für Zero Trust, Cloud-Security und digitale Transformation in internationalen Unternehmen.

Bildquelle: Zscaler

KI verändert Security

Security hat sich durch die KI verändert. Das sagt Jan Tietze, Field CTO bei SentinelOne. Laut ihm sind ist die Auswirkungen durch KI-Einatz schon lange spürbar. Die KI könne durch Beobachtung erheblich bei Entscheidungsfindung helfen. Außerdem sei die Geschwindigkeit von KI entscheidend für ihren Einsatz, da diese die Sicherheitsmaßnahmen maßgeblich beeinflusst.

Akzeptanz und KI müssen sich erst finden, um optimal zu funktionieren.

Jan Tietze

Jan Tietze
Jan Tietze ist ein erfahrener Cybersecurity-Experte und derzeit als Field CTO EMEA bei SentinelOne tätig. Vor seinem Wechsel zu SentinelOne im Jahr 2020 hatte er leitende technische und Managementpositionen inne, darunter als CTO bei Nordcloud und AvePoint. Seine Karriere begann er im Penetration Testing und Consulting, gefolgt von Senior Field Engineering-Rollen bei Microsoft und Whale Communications. Tietze ist spezialisiert auf Themen wie Zero Trust, automatisierte Incident Response und die Integration von KI in Sicherheitsstrategien.

Bildquelle: SentinelOne

KI-generierte Identitäten

Die KI schafft neben Vorteilen auch große Herausforderungen im Security-Bereich. Das behauptet Götz Walecki, Director Solutions Engineering bei Okta. Laut Walecki liege die aktuell größte Herausforderung in der Explosion der Identitäten. Immer mehr KI-generierte Personen und Chatbots tauchen auf. Diese würden es erschweren den Überblick zu behalten. Diese KI-Chatbots sollten die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie menschliche Benutzer und müssen ebenfalls gemanagt werden.

Walecki sieht Security als ebenfalls als Teamsport. „Keiner verfügt über Superkräfte, um alle Herausforderungen zu alleine zu meistern. Wir brauchen Standards, damit wir uns effektiv austauschen und zusammenarbeiten können.“

Götz Walecki
Götz Walecki ist Director Solutions Engineering bei Okta für die Region Zentral- und Osteuropa. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der IT-Branche begann er seine Karriere bei Digital Equipment Corporation (DEC) und war anschließend bei NetIQ tätig. Im Februar 2020 übernahm er die Leitung des Solutions Engineering Teams in Zentraleuropa bei Okta. In seiner Rolle konzentriert er sich auf Themen wie Identitäts- und Zugriffsmanagement, Zero Trust und die Integration von Sicherheitslösungen in moderne IT-Architekturen.

Bildquelle: Okta

Notwendige Regularien

Dirk Benecke, Senior Director Systems Engineering bei Fortinet, wurde gefragt, ob Deutschland im Bereich der Sicherheit überreguliert sei. Er antwortete, dass Deutschland zwar nicht überreguliert sei, aber die Sicherheitsrichtlinien oft nicht wirklich fassbar seien. Es werde häufig angekündigt, dass eine neue Richtlinie komme, doch bis diese verfasst und veröffentlicht sei, verlange es viel Aufwand und führe zu Verwirrung. Die Verwaltung komme nicht weiter, weswegen ein pragmatischer Weg gefunden werden müsse. Ein Beispiel für eine solche schwer zu fassende Richtlinie sei neben NIS2 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.

In Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Ländern und Unternehmen stimmt Benecke seinen Vorrednern zu: „Kein Unternehmen kann alleine für Sicherheit sorgen.“ Man wolle immer die Wahl haben, und es sollte keinem Unternehmen alles allein auferlegt werden. Schnittstellen und Partnerschaften seien daher wichtig. Die Unternehmen sollten selbst entscheiden können, mit welchem Hersteller sie bei welchem Thema zusammenarbeiten und wie sie sich absichern wollten. Diese Partnerschaften und Schnittstellen seien der Schlüssel zur effektiven Zusammenarbeit.

Dirk Benecke
Dirk Benecke ist Senior Director Systems Engineering Germany bei Fortinet. In dieser Rolle berät er Unternehmen bei der Umsetzung von Zero-Trust-Architekturen und dem Einsatz von KI-gestützten Sicherheitslösungen. Zuvor war er in verschiedenen Management-Positionen, zuletzt als Security Pre-Sales Director EMEA bei Hewlett-Packard Enterprise tätig. Benecke ist ein gefragter Experte für Cybersicherheit und spricht regelmäßig auf Fachveranstaltungen zu aktuellen Trends und Strategien in der IT-Sicherheit.

Bildquelle: Fortinet

Einsatz von KI

Ein großer Teil des Panels fokusierte sich auf die Möglichkeiten, die KI in Security bringt. Schwarz von Zscaler betonte die Unmengen an Daten, die kein Mensch allein durchsuchen könne, weshalb KI hier essenziell sei. Diese erkenne Risiken und leite die notwendigen Schritte ein, idealerweise automatisch. Benecke fügte hinzu, dass durch den Einsatz von KI das Outsourcing der IT möglich werde, insbesondere für Unternehmen, die sich kein eigenes IT-Team oder SOC leisten können. Automatisierungen könnten zudem die Einhaltung von Compliance-Vorgaben vereinfachen.

Auf die Frage, ob Mitarbeiter im SOC um ihre Jobs fürchten müssten, antwortete Tietze, dass dies nicht der Fall sei. KI mache andere Aufgaben durch Automatisierung fassbar und machbar und unterstütze qualitativ hochwertige Entscheidungen. Sie ermögliche eine erhebliche Zeitersparnis und verbessere so die Qualität der menschlichen Arbeit. Walecki betonte, dass Passwörter längst überholt und definitiv das schwächste Glied seien. Multi-Faktor-Authentifizierung und Single Sign-On müssten Standard werden. KI könne hierbei eine bessere Entscheidungsgrundlage bieten und präventiv Sicherheitslücken schließen, indem sie beispielsweise individuelle Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter festlege. So könne KI sowohl vor, während als auch nach Problemen hilfreich sein.

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Russland gefährlicher als Trump

Die Diskussion drehte sich auch um die Frage, wie man mit der Unsicherheit bezüglich geopolitischer Risiken umgeht, insbesondere im Zusammenhang mit den USA. Walecki argumentierte, dass jeder die Optionen abwägen müsse, die ihm zur Verfügung stehen, und das geringere Übel wählen solle. Risikomanagemententscheidungen seien entscheidend. Es sei wichtig, dass Hersteller Vertrauen aufbauen, etwa durch dezentralisierte Angebote und Tools wie „bring your own key“, die dem Kunden die Kontrolle über seine Daten geben.

Das wirkliche Risiko liege jedoch nicht bei Trump, sondern bei anderen Bedrohungen. Tietze betonte, dass Russland, China, Nordkorea und Iran viel mehr Sorgen bereiten sollten. Benecke schloss ab, indem er erklärte, dass es nicht darum gehe, wo die Bedrohung herkomme, sondern wie man sich effektiv dagegen schützen könne. Unternehmen sollten wissen, wo ihre kritischen Daten liegen und wer Zugriff darauf hat, um zukünftige Herausforderungen bewältigen zu können.

Spezialgast Dr. Littger

Abseits des Panels gab es einen Spezialgast auf der Veranstaltung. Michael Littger, Strategie Direktor des Cyberintelligence Institute beantwortete einige Fragen der Gäste. Zuvor kommentierte er die Zusammensetzung der Ministerien und des Kanzleramtes. Er bemerkte, dass die Digitalisierung so stark betont wurde wie nie zuvor. Hauptmerkmal dafür sei das neue Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Das neue Ministerium bündelt Zuständigkeiten, die zuvor auf sechs Ministerien verteilt waren. Diese Zusammenführung soll die Digitalisierung in Deutschland beschleunigen.

Laut Littger führe die Zusammensetzung der Experten aus den unterschiedlichen Bereichen zu einer Art „Check and Balance“. Die unterschiedlichen Abteilungen innerhalb des Ministeriums würden zusammen agieren und es gäbe keine Abhängigkeit von einer einzelnen.

Michael Littger
Dr. Michael Littger ist Jurist und seit Januar 2025 Strategiedirektor am cyberintelligence.institute (CII) in Frankfurt. Zuvor war er zehn Jahre lang Geschäftsführer von Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN). Frühere Stationen waren der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die Kanzlei Mayer Brown LLP. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Cybersicherheit, digitale Resilienz und Regulierung.

Bildquelle: Cyberintelligence Institute

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