Dem Domain Name System gebührt mehr Aufmerksamkeit

DNS als Achillesferse der digitalen Wirtschaft

| Autor / Redakteur: Lori MacVittie / Andreas Donner

"Kein Unternehmen kann es sich heute erlauben, DNS bei der Sicherheitsstrategie zu ignorieren, wenn es in der digitalen Wirtschaft Erfolg haben will" sagt Lori MacVittie von F5 Networks.
"Kein Unternehmen kann es sich heute erlauben, DNS bei der Sicherheitsstrategie zu ignorieren, wenn es in der digitalen Wirtschaft Erfolg haben will" sagt Lori MacVittie von F5 Networks. (Bild: F5 Networks)

Der Anwendungsdienst DNS (Domain Name System) wird von Unternehmen häufig vernachlässigt. Er spielt jedoch eine so wichtige Rolle, dass sein Ausfall katastrophale Folgen nach sich zieht. Für was steht DNS und was gilt es in puncto DNS-Sicherheit zu beachten?

Das Domain Name System (DNS) ist einer der zentralen Dienste IP-basierter Netzwerke wie das Internet. Denn er übersetzt Links mit Klarnamen wie www.vogel.de in die eigentliche nummernbasierte IP-Adresse wie 78.137.101.47. Das bedeutet: Wenn alle DNS-Server aufhören würden, Anfragen zu beantworten, würde das Internet und damit die digitale Wirtschaft innerhalb weniger Minuten zusammenbrechen. Ohne die Möglichkeit, Domain-Namen in IP-Adressen zu übertragen, würden Apps wie Web-Browser oder Messaging-Dienste einfach nicht mehr funktionieren. Dann müssten die Anwender immer die korrekte IP-Adresse eingeben.

Laut der Studie State of Application Services 2019 gehört DNS dementsprechend zu den fünf Anwendungsdiensten, die heute am häufigsten eingesetzt werden. Im Bereich der Telekommunikationsanbieter steigt diese Verbreitungsrate um weitere 10 Prozentpunkte – von 68 Prozent in anderen Branchen auf 79 Prozent bei den TK-Providern.

Die bedeutende Rolle des DNS im TK-Bereich ist nicht überraschend, da viele andere Branchen – und die meisten Verbraucher – direkt und indirekt diese Dienstanbieter und ihre DNS-Services nutzen. Zu solchen Service Providern gehören vor allem Mobilfunkanbieter und Kabelnetzbetreiber.

Basis für alle Internet-Dienste

Wer also Internet-Links in Anwendungen eingibt oder andere IP-basierte Angebote nutzt, egal ob über mobile oder fest installierte Geräte, verlässt sich darauf, dass ein DNS-Dienstanbieter die Anfrage an die richtige Stelle weitergibt. Umgekehrt weisen die Service Provider auch den Web-Seiten oder mit dem Internet verbundenen Heimgeräten eine eindeutige IP-Adresse zu.

Daher können Konsumenten im Smart Home nur mit Hilfe von DNS-Diensten beim Hinausgehen das Licht ausschalten, Besucher vor der Haustür per Kamera identifizieren oder ihr Abendessen per App bestellen. Und Unternehmen könnten ohne DNS nicht mehr auf geschäftskritische Back-Office-Anwendungen zugreifen, die eine weltweite Vernetzung ermöglichen. Die digitale Wirtschaft wäre dann nicht mehr handlungsfähig.

Auswirkungen auf die Anwendungsperformance

Das DNS ist aber auch für die Performance von Anwendungen wichtig. Da heutzutage Applikationen häufig zu 80 bis 90 Prozent aus Komponenten von Drittanbietern bestehen oder APIs enthalten, die eine serverseitige Verarbeitung erfordern, ist eine schnelle DNS-Auflösung für eine hohe Performance unerlässlich.

Zudem benötigt jede Komponente, die auf eine Drittanbieter-Ressource zugreift, einen Lookup. Dabei wird ein entsprechender Eintrag in einem DNS-Server abgefragt, um IP-Adressen und Domainnamen zuzuordnen sowie weitere Informationen zu erhalten. Dies kostet eine gewisse Übertragungs- und Verarbeitungszeit. Langsame Rückmeldungen können die Performance senken und damit beim Anwender zu Frustration führen.

Im 2018 Global DNS Performance Benchmark Report [registrierungspflichtig] heißt es dazu: „In Regionen mit ordentlicher Internetverbindung können Nutzer eine Rückmeldung im zweistelligen Millisekundenbereich erwarten. Die meisten Nutzer merken es schon, wenn es zu einer Verzögerung von nur 250 ms kommt, bevor eine Website zu laden beginnt.“

Gefährliche Abhängigkeit

Vernetzte Anwendungen werden immer von der Verfügbarkeit und Geschwindigkeit des DNS beeinflusst. Dies gilt auch für Navigationssysteme, Social-Media-Kanäle oder IP-Telefone. Daher ist es umso erstaunlicher, dass dem DNS so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, insbesondere angesichts der Bedeutung von SaaS für Unternehmen.

Gemäß dem genannten Report verlässt sich fast die Hälfte (44 %) der 25 größten SaaS-Provider auf einen einzigen DNS-Anbieter. Das bedeutet, dass sowohl ihre primären als auch sekundären Name-Server vom gleichen Anbieter gehostet und verwaltet werden.

Das kann dramatische Folgen haben. Zum Beispiel erlebte im Jahr 2016 der DNS-Anbieter Dyn eine Reihe von DDoS-Angriffen auf seine Infrastruktur. Dies führte bei zahlreichen bekannten Sites und Diensten zu einer schlechten Performance bis hin zu vollständigen Ausfällen.

DNS absichern

Als Sicherheitsrisiken werden zwar häufig DNS Hijacking und Cache Poisoning genannt. Doch in Wahrheit liegt das Risiko auch in der Natur des DNS selbst. Es handelt sich – zwangsläufig – um einen öffentlich zugänglichen Dienst. Dieser kann nicht durch strenge Zugriffskontrollen oder andere Sicherheitsmaßnahmen geschützt werden. Das bedeutet, dass sowohl Infrastruktur- als auch Security-Teams dem DNS etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, wenn sie eine Abwehrstrategie für das Unternehmen entwickeln.

Sie sollten die Sicherheit und Architektur des DNS jährlich neu bewerten und angemessene Maßnahmen zu seinem Schutz ergreifen. Dazu gehört eine Absicherung gegen aktuelle DDoS-Angriffe sowie der Schutz von Antworten auf DNS-Anfragen vor Cache-Poisoning-Weiterleitungen. Zudem sind die DNS-Services redundant auf mehr als einen Provider zu verteilen. Dabei ist zu bedenken, welche Rolle ein weltweites Server Load Balancing spielt, um die digitalen Prozesse im Falle eines Angriffs aufrechtzuerhalten.

Lori MacVittie.
Lori MacVittie. (Bild: F5 Networks)

Kurzum: Kein Unternehmen kann es sich heute erlauben, DNS bei der Sicherheitsstrategie zu ignorieren, wenn es in der digitalen Wirtschaft Erfolg haben will.

Über den Autor

Lori MacVittie ist Principal Threat Evangelist bei F5 Networks.

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