Update: Erneute massive Attacke EU-Kommission bestätigt schweren Cyberangriff

Aktualisiert am 01.04.2026 Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

Mitte Februar hat die EU-Kommission einen erfolgreichen Cyberangriff be­stä­tigt, der sensible Mitarbeiterdaten betroffen hat. Nun wurde ein wei­terer Vorfall bekannt, bei dem kompromittierte AWS-Zugangsdaten das Einfallstor waren.

Cyberkriminellen ist es gelungen, die Infrastruktur für die Verwaltung mobiler Endgeräte der EU-Kommission anzugreifen und möglicherweise auch Mitarbeiterdaten zu stehlen.(Bild:   / CC0)
Cyberkriminellen ist es gelungen, die Infrastruktur für die Verwaltung mobiler Endgeräte der EU-Kommission anzugreifen und möglicherweise auch Mitarbeiterdaten zu stehlen.
(Bild: / CC0)

Die EU-Kommission hat am 6. Februar 2026 bestätigt, das Opfer eines Cyberangriffs ge­wor­den zu sein. Die Attacke zielte auf die zentrale mobile Infrastruktur, wodurch Daten von Mitar­bei­tenden abgeflossen sein könnten. Knapp eineinhalb Monate später, am 27. März 2026 hat die Kommission einen weiteren Cyberangriff bestätigt.

Cloud-Infrastruktur der EU-Kommission angegriffen

Der jüngste Cyberangriff auf die EU-Kommission fand am 24. März 2026 statt. Betroffen war die Cloud-Infrastruktur, in der die Webpräsenz der Kommission auf der Plattform Europa.eu läuft. Medieninformationen zufolge seien kompromittierte AWS-Zugangsdaten missbraucht wor­den, um sich Zugriff auf die Infrastruktur zu verschaffen. Angeblich stecke die Hacker­grup­pe „ShinyHunters“ dahinter. Sie habe 350 Gigabyte an Daten gestohlen. Als Beweis dafür hätten die Akteure Screenshots veröffentlicht, die den Zugriff auf interne Datenbanken, E-Mail-Server und Mitarbeiterverzeichnisse zeigen würden.

Ivanti-Schwachstelle unter Verdacht

Der erste Vorfall ereignete sich am 30. Januar 2026, Spuren eines Cyberangriffs auf die Mobile-De­vice-Management-Infrastruktur der EU-Kommission wurden entdeckt. Dadurch war mög­licherweise der Zugriff auf personenbezogene Daten wie vollständige Namen und Mobil­funk­nummern von Mitarbeitern möglich. Diese stehen nun vor dem Risiko von Phishing-Angriffen, aus denen weitreichende Cyberattacken entstehen können. Die Kommission konnte den Vorfall schnell eindämmen und das System innerhalb von neun Stunden bereinigen. Mobile Geräte wurden nicht kompromittiert. Nun wolle die EU-Kommission die Situation weiter beobachten und Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit ihrer Systeme zu gewährleisten.

Medienberichte wie die von Borncity und Golem verbreiten derzeit die Annahme, dass zwei bereits bekannte Sicherheitslücken im Endpoint Manager Mobile von Ivanti (EPMM) das Ein­fallstor auf die Infrastruktur der EU-Kommission gewesen sein könnten. Der Hersteller hatte einen Sicherheitshinweis am 29. Januar 2026 veröffentlicht, also nur einen Tag vor dem Angriff auf die EU-Kommission.

The Register konkretisierte den Verdacht und verwies am 9. Februar auf ein Schreiben von Arno Rutte, niederländischer Staatssekretär für Rechtsschutz, und von Eddie van Marum, Staats­sekretär für Entschädigungsmaßnahmen in der Provinz Groningen. Darin wird ein Cyber­angriff auf das niederländische Parlament bestätigt, welcher auf die im Januar entdeckten Ivanti-Schwachstellen im EPMM zurückgeht. Dieser Angriff hat sich dem Schreiben zufolge am 29. Januar 2026 ereignet und betraf Mitarbeiter der niederländischen Datenschutzbehörde, der Autoriteit Persoonsgegevens, sowie des Justizrats, dem Raad voor de Rechtspraak. Die Angreifer seien möglicherweise in der Lage gewesen, auf personenbezogene Daten wie Namen, ge­schäft­liche E-Mail-Adressen und Telefonnummern zuzugreifen. Die Minister machten in ihrem Schrei­ben keine weiteren Angaben zum Ausmaß des Datenlecks. Alle Betroffenen seien direkt informiert worden. Außerdem würde die niederländische Cybersicherheitsbehörde NCSC-NL die Schwachstellen in Ivanti EPMM überwachen und mit Partnern zusammenarbeiten, um weitere mögliche Bedrohungen im Zusammenhang mit diesen Sicherheitslücken zu ermitteln. Ivanti zufolge hat die NCSC-NL eine liste mit Indicators of Compromise für ihre Arbeit er­halten.

EU macht Druck für mehr Cyberresilienz

Die EU-Kommission hat zu beiden Vorfällen keine tiefergehenden Details veröffentlicht. Doch sie erfolgten zu einem Zeitpunkt, der symbolischer kaum sein könnte. Denn nur wenige Tage vor dem ersten Cyberangriff auf die EU-Kommission hat diese mit der Novelle des Cyber­se­cu­ri­ty Acts ein milliardenschweres Cybersicherheitspaket für die EU angekündigt. Diese sieht vor, die Verbesserung der Kapazitäten der EU gegen Cyberangriffe zu verstärken sowie die Cyber­risiken durch Drittlandlieferanten zu senken, indem die ENISA weitreichendere Befug­nisse erhalten soll und Zertifizierungsprogramme und -verfahren verschärft werden sollen. Darauf wurde auch infolge der zweiten Attacke verwiesen. Dass nun die EU-Kommission, die diesen Vorschlag gemacht hat, selbst Opfer gravierender Angriffe wurde, zeigt, wie dringlich ihr Vor­haben ist.

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