EU-US Data Privacy Framework Warum Unternehmen sich beim Datenschutz nicht auf Washington verlassen dürfen

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Das EU-US Data Privacy Framework wackelt – und Unternehmen dürfen sich nicht länger auf politische Lösungen verlassen. Sridhar Iyengar, Managing Director von Zoho Europe, fordert: Datenschutz muss Teil der Unternehmens­strategie werden. Wer jetzt handelt, sichert sich Vertrauen und Wettbewerbsvorteile.

Das EU-US Data Privacy Framework wackelt und mit ihm die rechtliche Basis für transatlantischen Datentransfer. Für Unternehmen in Europa bedeutet das, dass Datenschutz zur strategischen Priorität werden muss – findet Sridhar Iyengar, Managing Director von Zoho Europe. (Bild:  Zoho)
Das EU-US Data Privacy Framework wackelt und mit ihm die rechtliche Basis für transatlantischen Datentransfer. Für Unternehmen in Europa bedeutet das, dass Datenschutz zur strategischen Priorität werden muss – findet Sridhar Iyengar, Managing Director von Zoho Europe.
(Bild: Zoho)

Das aktuelle EU-US Data Privacy Framework sollte nach dem Scheitern von Safe Harbor und Privacy Shield endlich eine verlässliche Grundlage für die Übermittlung personenbezogener Daten zwischen der EU und den USA schaffen. Doch auch diese Lösung steht auf wackeligen Füßen.

Das Framework basiert auf einer Executive Order des ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden und sieht vor, den Zugriff von US-Geheimdiensten auf europäische Daten einzuschränken. Ein zentrales Kontrollgremium, das Privacy and Civil Liberties Oversight Board (PCLOB), soll die Einhaltung der Regelungen überwachen.

Doch die politische Großwetterlage hat sich geändert: Unter der neuen US-Administration wird sowohl die Executive Order als auch die Existenz des PCLOB kritisch hinterfragt. Damit droht dem Abkommen dasselbe Schicksal wie seinen Vorgängern – und den Unternehmen droht erneut eine Phase juristischer Unsicherheit.

Rückfall in komplizierte Vertragsmodelle?

Würde das Datenschutzabkommen kippen, müssten Unternehmen wieder auf Standardvertragsklauseln (SCCs) zurückgreifen, um personenbezogene Daten rechtssicher in Drittstaaten zu transferieren. Diese Klauseln sind komplex, aufwendig zu pflegen und in vielen Fällen rechtlich angreifbar.

„Auch wenn das EU-US Data Privacy Framework auf wackeligen Füßen stand, bot es den Unternehmen für etwa zwei Jahre zumindest eine gewisse Rechtssicherheit für den transatlantischen Datentransfer. Fällt das Datenschutzabkommen, hätte dies weitreichende Folgen für die gesamte digitale Infrastruktur“, erklärt Sridhar Iyengar. Die damit verbundenen Risiken – von Bußgeldern bis zu Vertrauensverlusten bei Kunden und Partnern – sollten Unternehmen keinesfalls unterschätzen.

Transparenz schaffen: Datenströme analysieren

Angesichts dieser Entwicklungen rät Iyengar Unternehmen dringend, jetzt aktiv zu werden. „Der erste Schritt ist eine umfassende Analyse aller Datenströme, um überhaupt zu wissen, wo und wie das EU-US Data Privacy Framework bisher greift. Im zweiten Schritt sollten sich die Verantwortlichen überlegen, ob sie nicht auf europäische oder andere nicht-amerikanische IT-Dienstleister ausweichen können, um rechtliche Risiken zu minimieren“, betont Iyengar.

Datensparsamkeit als Erfolgsfaktor

Ein oft übersehener Hebel im Datenschutzmanagement ist die Reduzierung der gesammelten Datenmengen. Viele Unternehmen neigen dazu, deutlich mehr Informationen zu erheben, als für den Betrieb ihrer Dienste notwendig ist – getrieben von der Hoffnung auf bessere Analysen oder personalisierte Angebote.

Iyengar hält diese Strategie für kurzsichtig: „Generell sollten Unternehmen genau prüfen, welche Daten sie wirklich benötigen, um die User Experience ihrer Angebote zu verbessern. Oft sind es weniger als erwartet. “

Zudem sei es höchste Zeit, auf manipulative Dark Patterns bei Cookie-Einwilligungen oder App-Berechtigungen zu verzichten. Nachhaltiger Datenschutz beginne mit echter Transparenz und Respekt gegenüber den Nutzern – und nicht mit rechtlich fragwürdigen Tricks.

Datenschutz als strategisches Asset

Für Iyengar ist klar: Datenschutz muss künftig als unternehmerische Kernkompetenz verstanden werden – nicht als reaktive Compliance-Maßnahme. Unternehmen, die Datenschutz in ihre Geschäftsstrategie integrieren, sichern sich nicht nur rechtlich ab, sondern schaffen nachhaltiges Vertrauen bei Kunden, Partnern und Investoren.

Dabei tragen auch IT-Dienstleister eine entscheidende Verantwortung. Sie müssen technologische Innovationen und transparente Geschäftspraktiken entwickeln, die unabhängig von politischen Unsicherheiten funktionieren.

„Staatliche Regulierungen und internationale Abkommen sind nur eine Seite der Medaille, die andere ist die Verantwortung der Unternehmen und vor allem auch der IT-Dienstleister. Letztere müssen durch technologische Innovationen und transparente Geschäftspraktiken einen Datenschutz realisieren, der auch jenseits politischer Windböen Bestand hat“, unterstreicht Iyengar.

Proaktiv handeln, Zukunft sichern

Die Debatte um das EU-US Data Privacy Framework zeigt einmal mehr: Unternehmen dürfen sich beim Schutz personenbezogener Daten nicht auf politische Abkommen verlassen. Es braucht eigene Strategien, eigene Standards und eine eigene Haltung.

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„Datenschutz ist nicht verhandelbar, sondern bildet die Grundlage für eine vertrauensvolle Kundenbindung und sollte daher ein elementarer Pfeiler jeder Unternehmensstrategie sein“, fasst Sridhar Iyengar zusammen. Unternehmen, die heute handeln, investieren nicht nur in ihre Compliance, sondern auch in ihre Zukunftsfähigkeit.

Die Unsicherheiten von morgen lassen sich heute entschärfen – mit Transparenz, Entschlossenheit und einem klaren Bekenntnis zur Privatsphäre der Nutzer.

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