Flughäfen sind bevorzugte Ziele für Ransomware-Angriffe. Im Zentrum der Verwundbarkeit stehen Identitätssysteme wie Entra ID, die den Zugang zu allem kontrollieren. Fallen sie aus, stehen nicht nur Flüge still, sondern auch Einzelhändler, Gastronomie und Sicherheitsschleusen.
Identitätssysteme wie Entra ID kontrollieren den Zugang zu kritischen Flughafen-Systemen. Ein Ausfall legt den gesamten Betrieb lahm.
Der Flugverkehr hat sich nach der Pandemie kräftig erholt – das weltweite Passagieraufkommen liegt mittlerweile über dem Niveau von 2020. Fluggesellschaften und Flughäfen kämpfen darum, diesen Ansturm zu bewältigen, während sie gleichzeitig mit Personalmangel, steigenden Kosten und höheren Erwartungen der Reisenden konfrontiert sind. Um Schritt zu halten, beschleunigen viele ihre digitale Transformation: Sie setzen auf Cloud-Infrastrukturen, integrieren KI in die Flugplanung und das Passagiermanagement und führen biometrische Verfahren ein. Parallel dazu entwickeln sich Flughäfen zu regelrechten Shopping- und Gastronomiemeilen, in denen Geschäfte, Restaurants und Unterhaltungsangebote ebenso wichtig für die Einnahmen sind wie die Gepäckabfertigung oder die Flugzeugabwicklung.
Mehr Vernetzung, mehr Angriffsfläche: Identitätssysteme als Achillesferse
Die Branche durchlebt eine ihrer tiefgreifendsten Transformationen – getrieben von wirtschaftlichem Druck und technologischem Fortschritt. Betriebs- und Geschäftssysteme sind heute enger verzahnt und effizienter als je zuvor, aber auch anfälliger: Ein einzelner Ausfall kann weit über das Rollfeld hinaus Auswirkungen haben. Dieser Fortschritt hat die Angriffsfläche vergrößert und bietet Cyberkriminellen fruchtbaren Boden in einer Branche, die sich Ausfälle schlicht nicht leisten kann.
Im Zentrum der aktuellen, weitreichenden Transformation steht eine oft übersehene, aber kritische Abhängigkeit: Identitätssysteme. In vielen Flughäfen ist Entra ID zum zentralen Kontrollpunkt geworden, der bestimmt, wer Zugang wozu erhält – von der Gepäckabfertigung bis zur Sicherheitskontrolle. Wird dieses System kompromittiert, sind die Auswirkungen unmittelbar und weitreichend. Mitarbeiter könnten plötzlich nicht mehr in gesicherte Bereiche gelangen. Schlimmer noch: Unbefugte könnten sich Zugang verschaffen, Sicherheitsprotokolle umgehen und ernsthafte operative Risiken verursachen.
Wie gravierend dieses Risiko branchenübergreifend ist, belegt der aktuelle Rubrik Zero Labs Report „Die Identitätskrise“ 90 Prozent der befragten IT- und Sicherheitsverantwortlichen stufen identitätsbasierte Angriffe als größte Bedrohung für ihr Unternehmen ein. Besonders alarmierend: 43 Prozent der Unternehmen benötigen nach eigenen Angaben 25 bis 48 Stunden, um ihre Identitätsinfrastruktur nach einem Angriff wiederherzustellen – für einen Flughafen eine Ewigkeit. Eine Wiederherstellung gelingt nie auf Knopfdruck; der Neuaufbau einer Identitätsplattform kann Tage dauern, wenn die Notfallpläne lückenhaft sind – ein undenkbares Szenario für einen Sektor, der auf sekundengenaue Präzision angewiesen ist.
Der perfekte Sturm für Ransomware-Gruppen – wenn das Terminal stillsteht
Für Ransomware-Gruppen wie Scattered Spider erfüllt die Reisebranche sämtliche Kriterien: hohe öffentliche Sichtbarkeit, permanenter Zeitdruck und Betriebsabläufe, die keinerlei Unterbrechung vertragen. Ein einziger erfolgreicher Angriff kann Tausende Passagiere betreffen und innerhalb von Minuten Schlagzeilen machen. Die Angreifer wissen genau, wann sie zuschlagen müssen – und tun dies im Moment maximaler Hebelwirkung. Wer während einer Reisewelle die Kerninfrastruktur verschlüsselt, hält alle Karten in der Hand. Je länger die Systeme ausfallen, desto größer werden das operative Chaos, die finanziellen Verluste und der Druck, Lösegeld zu zahlen.
Der Schaden endet selten bei verspäteten Flügen. Im Terminal hängen Einzelhändler, Restaurants, Bars und Unterhaltungsanbieter von derselben Infrastruktur ab – häufig authentifiziert über Entra ID. Wenn dieser Zugang blockiert ist oder Zahlungssysteme versagen, trifft es das gesamte kommerzielle Ökosystem des Flughafens auf einen Schlag. Gastronomiebetriebe können keine Bestellungen mehr annehmen, Sicherheitsschleusen stehen unbesetzt, Boarding-Gates frieren ein. Binnen Minuten bricht das Passagiererlebnis zusammen, Frustration verbreitet sich in den sozialen Medien, und ein über Jahrzehnte aufgebauter Ruf kann an einem einzigen Tag Schaden nehmen.
Flughäfen erkennen zunehmend, wie eng betriebliche Kontinuität und Umsatzsicherung miteinander verknüpft sind. Jede Stunde Ausfall trifft nicht nur Airlines und Reisende, sondern auch Dutzende Unternehmen, die vom Passagieraufkommen abhängen. Händler und Betreiber können nicht einfach abwarten, bis die Systeme wieder laufen. In einem hochgradig vernetzten Hub kann eine einzige technische Störung jeden Winkel des Terminals erfassen.
Stand: 08.12.2025
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Cyber-Resilienz wird zur Chefsache – die Uhr tickt
In dieser Realität ist Cyber-Resilienz keine Angelegenheit für die IT-Abteilung im Hintergrund. Sie ist eine operative Notwendigkeit an vorderster Front. Für Identitätssysteme bedeutet das: genau wissen, welche Anwendungen von ihnen abhängen; klare Wiederherstellungsziele definieren; die Fähigkeit aufbauen, Dienste schnell wiederherzustellen – selbst wenn Administrator-Zugangsdaten gestohlen wurden. Und es bedeutet sicherzustellen, dass die Wiederherstellungsfähigkeiten während eines Angriffs nicht manipuliert oder sabotiert werden können.
Die Lehre für die Reisebranche liegt auf der Hand: Flughäfen und Airlines sind bevorzugte Ziele für Cyberangriffe, und Vorsorge duldet keinen Aufschub. Jede Minute Ausfallzeit kostet Geld, Vertrauen und Sicherheit. Der nächste große Ransomware-Angriff auf einen Flughafen könnte nicht nur Flugzeuge am Boden halten, sondern auch Cafés, Geschäfte und Dienstleistungen lahmlegen. Und er wird in Echtzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit ablaufen. In der Luftfahrt beginnt die Uhr zu ticken, sobald die Systeme ausfallen. Die Frage ist nicht mehr, ob es passiert, sondern wann – und wie gut jeder Betreiber darauf vorbereitet sein wird.
Über den Autor: Richard Cassidy ist CISO EMEA bei Rubrik.