Unsichere Lieferkette Sicherheitslücken in OT/IoT-Router-Firmware

Von Peter Schmitz 2 min Lesedauer

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Forescout und Finite States, Unternehmen im Bereich Cybersicherheit und Software-Lieferketten, haben in ihrer neuen Studie „Rough Around the Edges“ den Zustand der Lieferkette in Operational Technology (OT) und Internet of Things (IoT)-Routern untersucht. Diese Router sind entscheidend für die Vernetzung kritischer Geräte in unterschiedlichen Umgebungen, von Industrieanlagen bis hin zu privaten Haushalten. Die Ergebnisse der Studie werfen ein besorgniserregendes Licht auf die Sicherheitslage dieser Geräte.

Fünf verschiedene OT/IoT-Router sind durch den Sicherheitstest gefallen. Über 40 Millionen Geräte in Deutschlands kritischer Infrastruktur sind betroffen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Fünf verschiedene OT/IoT-Router sind durch den Sicherheitstest gefallen. Über 40 Millionen Geräte in Deutschlands kritischer Infrastruktur sind betroffen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Für den Bericht „Rough Around the Edges“ wurden fünf Firmware-Images von führenden OT/IoT-Router-Anbietern analysiert: Acksys, Digi, MDEX, Teltonika und Unitronics. Vier der fünf untersuchten Images basieren auf dem Open-Source-OS OpenWrt, jedoch in stark modifizierter Form. Diese Modifikationen führen dazu, dass Sicherheitslücken, die in der ursprünglichen Version behoben wurden, in den angepassten Versionen oft bestehen bleiben.

Die Open-Source-Komponenten in den Firmware-Images waren im Schnitt über fünf Jahre alt und lagen über vier Jahre hinter den neuesten verfügbaren Versionen zurück. Diese veralteten Komponenten tragen zu einer hohen Anzahl bekannter Sicherheitslücken bei: Im Durchschnitt wurden 161 bekannte Schwachstellen pro Firmware-Image identifiziert, darunter 24 mit einem kritischen Schweregrad. Insbesondere der Linux-Kernel weist oft zahlreiche ausnutzbare Schwachstellen auf, die es Angreifern ermöglichen, die Kontrolle über die betroffenen Geräte zu übernehmen.

Kritische Infrastruktur in Deutschland betroffen

In Deutschland findet die Studie die höchste Anzahl exponierter OT- und IoT-Geräte – über 40 Millionen, darunter kritische Infrastrukturen wie Stromgeneratoren und industrielle Steuerungen. Deutschland ist zudem stark von Ransomware-Angriffen betroffen mit 231 registrierten Vorfällen, die sich hauptsächlich auf die Branchen Fertigung, Technologie und Finanzen konzentrieren.

Besorgniserregend ist der Missbrauch von Schwachstellen in gängigen Geräten wie Citrix ADC, Cisco IOS und Huawei Home Gateway. 24 Prozent der gefährdeten Geräte in der DACH-Region sind nicht-traditionelle IT-Geräte, was das Risiko von Cyber-Bedrohungen in verschiedenen Sektoren weiter erhöht. Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Cybersicherheitsmaßnahmen in Deutschland zu verstärken, um die Integrität kritischer Infrastrukturen zu schützen.

Fazit: Anlageninventar schafft Überblick

Veraltete Softwarekomponenten und unzureichende Sicherheitspraktiken bedrohen die Sicherheit der digitalen Infrastruktur. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist daher die Notwendigkeit präziser Software Bills of Materials (SBOMs), die detaillierte Informationen über die verwendeten Softwarekomponenten und deren Versionsstände bieten. Diese Informationen sind entscheidend, um Sicherheitslücken effektiv zu identifizieren und zu beheben. Ebenfalls wirksam zeigen sich Binär-Härtungstechniken wie RELRO, Stack Canaries und PIE, die die Ausnutzung von Schwachstellen erheblich erschweren können.

Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch Botnets, APT-Gruppen und Hacktivisten müssen Unternehmen ihre Cybersicherheitsstrategien überdenken. Forescout und Finite States empfehlen daher in ihrer Studie die Einführung eines umfassenden Anlageninventars, das wichtige Details durch passive und aktive Methoden erfasst und mit SBOMs integriert, um gezielte Risikoinformationen zu liefern und notwendige Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Ohne schnelle und entschlossene Maßnahmen zur Verbesserung der Cybersicherheit könnten die Konsequenzen verheerend sein, insbesondere in einer Zeit, in der vernetzte Geräte immer mehr zum Rückgrat der digitalen Infrastruktur werden.

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