Spielerisch zu IT-Sicherheit Gamification im Awareness-Training

Von Dr. Niklas Hellemann

Schach oder Candycrush auf dem Smartphone oder Fifa auf der Konsole – fast jede und jeder Zweite spielt einer Bitkom-Studie zufolge gelegentlich Video- oder Computerspiele. Spielerische Elemente sind aber längst nicht nur für die Freizeit interessant, sondern werden vermehrt auch im beruflichen Kontext angewendet. Großes Potential bieten sie vor allem für IT-Sicherheitstraining. Doch wie kann das konkret aussehen?

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Gamification ist weitaus mehr als eine Spielerei. Richtig eingesetzt absolvieren die Beschäftigten gerne Schulungen und senken spielerisch und effektiv ihr Cyberrisiko.
Gamification ist weitaus mehr als eine Spielerei. Richtig eingesetzt absolvieren die Beschäftigten gerne Schulungen und senken spielerisch und effektiv ihr Cyberrisiko.
(Bild: dusanpetkovic1 - adobe.stock.com)

Dass IT-Sicherheitstraining dringend neuer Methoden bedarf, zeigen die Statistiken: Nach wie vor starten neun von zehn erfolgreichen Cyberangriffen beim Faktor Mensch. Ein unachtsamer Klick in einer Phishing-Mail hat für Organisationen schnell kostspielige Folgen. Allein der deutschen Wirtschaft entstand durch Cyberkriminalität 2020 ein Schaden von 223 Milliarden Euro – die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen. Technische Sicherheitsvorkehrungen und einmalige Schulungen allein reichen bei den innovativen Tricks der Kriminellen bei weitem nicht mehr aus. Organisationen müssen ihre Mitarbeitenden deshalb aktiv mit in ihre Sicherheitsstrategie einbinden. Doch warum zeigen klassische Formate und Methoden so wenig Wirkung?

Im hektischen Arbeitsalltag bleibt oft wenig Zeit für Sicherheitsschulungen und für viele Beschäftigte sind Themen wie IT-Sicherheit oder Datenschutz schlichtweg trocken und sehr komplex. Sie absolvieren die Schulungen oft nur ungern, wenig konzentriert – oder auch gar nicht. Die Bewältigung dieser Herausforderung ist dabei denkbar simpel: Mit einem Cyber-Security-Awareness-Training, das sich gut in den Arbeitsalltag integrieren lässt, bei Mitarbeitenden Interesse weckt und sie darüber hinaus zum Lernen und Anwenden des Gelernten motiviert, verzeichnen viele Organisationen bereits große Erfolge.

Gamification am Arbeitsplatz: Das spricht für den Einsatz im Awareness-Training

Bei unterhaltsamen und nachhaltigen Awareness-Trainings kommen lernpsychologische Methoden wie Gamification ins Spiel. Von Gamification spricht man, wenn spielerische Elemente in einem spielfremden Kontext angewendet werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Lernende Erfahrungspunkte sammeln oder verschiedene Level durchlaufen. Gamification fördert besonders bei komplexen oder vermeintlich langweiligen Themen die intrinsische Motivation der Lernenden. Das heißt, dass sie das Training nicht primär absolvieren, weil es von ihnen verlangt wird, sondern weil die Tätigkeit an sich ihnen Spaß macht – eben wie bei einem Spiel.

Diese Gamification-Elemente motivieren Mitarbeitende für IT-Sicherheit

Daten der Awareness-Plattform von SoSafe zeigen: Nutzen Organisationen Gamification in ihrem IT-Sicherheitstraining, steigt die Aktivierungsrate um mehr als 40 Prozent. Es absolvieren also mehr Mitarbeitende das Training, was sich positiv auf die allgemeine Sicherheitskultur der Organisation auswirkt. Eingebaut in ein ganzheitliches Awareness-Training, profitieren Organisationen von folgenden Gamification-Elementen:

  • 1. Geschichten: Mithilfe von Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen”) werden Informationen durch den Einsatz von fiktiven oder realen Geschichten vermittelt. Storytelling ist weit mehr als ein Marketing-Buzzword. Gute Geschichten sind nicht nur essenziell für Märchen und Zeitungsartikel. Spannende Geschichten machen Menschen in jeglichem Kontext neugierig.
  • 2. Punkte & Abzeichen: Menschen werden gerne belohnt. Sobald Lernende Punkte oder Abzeichen für ein erfolgreich absolviertes Training erhalten, entsteht ein positives Lerngefühl und die Lust, das Training weiter oder erneut durchzuführen.
  • 3. Fortschrittsbalken und Level: Fortschrittsbalken und Level zeigen den Lernenden ihren persönlichen Entwicklungsprozess, fördern den Ehrgeiz und treiben Schritt für Schritt für die Absolvierung weiterer Lerninhalte an.
  • 4. Altruismus: Menschen sind soziale Wesen und haben ein starkes Bedürfnis, anderen zu helfen. Helfen die Lernenden den Figuren der Geschichte beispielsweise dabei, einen Cyberangriff zu verhindern, wird die Motivation zusätzlich gefördert.

Psychologische Elemente für ein positives Lerngefühl

Erklären lässt sich der positive Einfluss von Gamification in Security-Awareness-Trainings unter anderem mit lernpsychologischen Theorien wie dem Erwartung-x-Wert-Modell. Kurz und knapp geht es in diesem Modell darum, zu bestimmen, wie motiviert Lernende sind, eine Aufgabe anzugehen. Hierfür bezieht sich die Theorie, wie ihr Name schon verrät, auf die beiden Variablen Erwartung und Wert. Erwarten Lernende, dass sie das Security-Awareness-Training erfolgreich absolvieren können, ist der erste Schritt also geschafft. Erreichbar ist das beispielsweise durch Scaffolding. Dies ist eine optionale Lernunterstützung, die bei Bedarf von Lernenden genutzt werden kann, beispielsweise in Form von zusätzlich anklickbaren Infoboxen. Wenn Lernende dieser Tätigkeit zusätzlich einen Wert anrechnen, wie zum Beispiel Interesse am Thema oder Nutzen in der Zukunft, so ist auch die zweite Variable gegeben. Durch Gamification und Storytelling ist es möglich, individuelle Erwartungshaltungen zu erfüllen. Gleichzeitig werden Werte wie Humor, Spannung, Unterhaltung, Interaktivität, kompetitiver Ansporn oder Belohnungen gesteigert.

Cyberrisiken mithilfe von Gamification nachhaltig senken

Gamification ist weitaus mehr als eine Spielerei und beruht auf lernpsychologischen Methoden. Wird Gamification sinnvoll in Trainings für Mitarbeitende eingebaut, absolvieren die Beschäftigten gerne Schulungen – auch zu vermeintlich trockenen Themen. So profitieren Organisationen nachhaltig von menschenzentrierter Wissensvermittlung – und senken spielerisch und effektiv ihr Cyberrisiko.

Über den Autor: Dr. Niklas Hellemann ist Diplom-Psychologe, langjähriger Unternehmensberater und Geschäftsführer der Firma SoSafe. Als Experte für Social Engineering und Security Awareness beschäftigt er sich mit innovativen Methoden der Mitarbeitersensibilisierung.

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