Online-Dienste und Regierungsaccounts 149 Millionen Passwörter in öffentlicher Datenbank aufgetaucht

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

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Millionen gestohlene Passwörter wurden in einer ungeschützten Datenbank entdeckt, einschließlich Zugangsdaten für Dienste wie Gmail, Facebook und sogar Regierungsaccounts. Bis zur Sperrung der Datenbank wuchsen die Da­tensätze stetig weiter.

Sicherheitsforscher Jeremiah Fowler hat auf einem ungeschützten Server 149 Millionen gestohlene Passwörter entdeckt, die durch Infostealer-Malware gesammelt wurden.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Sicherheitsforscher Jeremiah Fowler hat auf einem ungeschützten Server 149 Millionen gestohlene Passwörter entdeckt, die durch Infostealer-Malware gesammelt wurden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

149.404.754 gestohlene Passwörter will der Sicherheitsforscher Jeremiah Fowler auf einem frei zugänglichen Server in einer Datenbank gefunden haben. Zahlreiche Online-Dienste seien davon betroffen, darunter

  • Gmail (48 Millionen*)
  • Facebook (17 Millionen)
  • Instagram (6,5 Millionen)
  • Yahoo (4 Millionen)
  • Netflix (3,4 Millionen)
  • Outlook (1,5 Millionen)
  • .edu (1,4 Millionen)
  • TikTok (780.000)
  • iCloud (900.000)
  • Binance (420.000)
  • OnlyFans (100.000)

Wie Fowler in einem Beitrag bei ExpressVPN erläutert, war die öffentlich zugängliche Da­ten­bank weder passwortgeschützt noch verschlüsselt. Sie habe 149.404.754 eindeutige Logins und Passwörter mit insgesamt 96 GB an Rohdaten enthalten. In einer Stichprobe der offenge­leg­ten Dokumente habe der Analyst Tausende von Dateien mit E-Mails, Benutzernamen, Passwörtern und URL-Links zu den betroffenen Logins gefunden.

Offenbar würden die Daten von Angriffen mit Keylogging- und Infostealer-Malware stammen, wobei sich die Dateien von früheren Infostealer-Malware-Datensätzen unterscheiden würde, da sie zusätzlich Informationen protokolliert hätten.

Auch Regierungskonten betroffen

Auch Zugangsdaten, die mit „.gov“-Domain aus verschiedenen Ländern verknüpft waren, seien in dem Datensatz enthalten. Zwar bedeutet dies nicht direkt, dass sich Personen, die über diese gestohlenen Zugangsdaten verfügen, sofort Zugriff auf sensible Systeme verschaffen können. Denn nicht jedes mit einer Regierung verbundene Konto hat einen solchen Zugriff. Doch selbst ein eingeschränkter Zugang kann je nach Rolle und Berechtigungen des kompromittierten Nutzers gravierende Folgen haben.

Wem gehört die Datenbank?

Informationen über den Eigentümer der Datenbank, habe Fowler nicht finden können. Deshalb habe er sie direkt bei dem Hosting-Anbieter über dessen Online-Meldeformular gemeldet. We­nige Tage später habe er die Antwort erhalten, dass der Anbieter diese IP-Adresse nicht hosten würde und es sich um eine Tochtergesellschaft handle, die unabhängig agiere, aber denselben Namen wie die Mutterorganisation verwende.

Es habe fast einen Monat gedauert und Fowler habe mehrere Kontaktaufnahmen unter­nom­men, bis endlich Maßnahmen ergriffen wurden und die Datenbank gesperrt wurde. Der Hos­ting-Anbieter habe keine weiteren Auskünfte darüber verweigert, wer die Datenbank verwaltet hat. Somit ist nach wie vor unklar, ob die Datenbank für kriminelle Aktivitäten genutzt wurde, oder ob die Informationen für legitime Forschungszwecke gesammelt wurden. Ebenso ist nicht bekannt, wie lange die Datenbank öffentlich zugänglich war. Dazu komme, dass die Anzahl der Datensätze zwischen Fowlers Entdeckung und der Sperrung der Datenbank statig zugenommen habe. Dies ist nach eigenen Angaben nicht der erste Datensatz dieser Art, den Fowler entdeckt hat. Sein jüngster Fund verdeutliche erneut die globale Bedrohung durch Mal­ware zum Dieb­stahl von Zugangsdaten.

Schutz für Konten und Zugangsdaten

Fowler empfiehlt folgende, grundlegende Schutzmaßnahmen:

  • Antivirus-Software verwenden
  • Verwendung eines Passwortmanagers
  • Regelmäßige Updates
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
  • Apps nur aus offiziellen App-Stores installieren

Bei Verdacht auf einen akuten Malware-Befall, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Aktualisieren des Betriebssystems und der Sicherheitssoftware des Geräts
  • Installieren von Sicherheitssoftware und Scannen des Geräts auf schädliche Software
  • App-Berechtigungen, Tastatureinstellungen und den Zugriff auf Geräteadministratoren überprüfen
  • Dienste von Cybersicherheitsexperten in Anspruch nehmen

Zudem empfiehlt Fowler, die eigene Kontosicherheit zu prüfen. Dazu gehört das Überprüfen der Anmeldehistorie, aller Geräte und aller Standorte auf auffällige Aktivitäten. Das Wieder­ver­wen­den von Passwörtern über verschiedene Dienste hinweg sollte vermieden werden. Außerdem appelliert er an Nutzer, sich der Risiken bewusst zu sein, die mit dem Verlust von E-Mail-Adres­sen und Kontoinformationen verbunden sind.

* Hierbei handelt es sich um geschätzte Zahlen.

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