Utimaco-Vorstand über mögliche Auswirkungen einer Übernahme

Hintergründe zum Sophos-Utimaco-Deal

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Security-Insider: Seit Bekanntgabe der Übernahmeabsicht durch Sophos ist der Utimaco-Aktienkurs auf über 14 Euro gestiegen. Dadurch scheint das bisherige Angebot von Sophos nicht mehr ganz so großzügig wie vor der Bekanntgabe. Wird das eine Auswirkung auf die Verkaufssumme haben bzw. glauben Sie, dass Sophos sein Angebot noch einmal erhöht?

Pollmann: Eine derartige Entwicklung des Aktienkurses ist in einer solchen Situation völlig normal. Nach Bekanntgabe des möglichen Kaufpreises reagiert der Markt und bildet sofort einen fairen Preis, der sich zurzeit etwa 75 Cent unter dem beabsichtigten Kaufpreis bewegt. Diese Differenz ist ein Risikoabschlag, falls der Kauf doch scheitern sollte.

Wir befinden uns derzeit natürlich noch früh in dem Prozess. Dementsprechend ist es schwer abzuschätzen, ob Sophos das Angebot vielleicht noch einmal erhöht.

Security-Insider: Glauben Sie, dass sich Sophos mit dem geplanten Deal nicht vielleicht übernimmt?

Pollmann: Im Rahmen des Angebots muss Sophos gegenüber der BaFin die Möglichkeiten zur Finanzierung bekanntgeben. Allerdings ist das Unternehmen in solchen Vorgängen durchaus erfahren – und sicherlich auch in der Lage, den Kauf zu finanzieren. Sophos wächst erstaunlich schnell und generiert einen guten „Free Cash Flow“.

Es spricht also vieles dafür, dass die Verantwortlichen den Deal stemmen können. Wir werden dies im Interesse von Utimaco auch genau prüfen, sobald das Angebot vorliegt.

Security-Insider: Sehen Sie bei einer Übernahme von Utimaco durch Sophos die deutsche Selbständigkeit bzw. das deutsche Know-how im Bereich IT-Security gefährdet?

Pollmann: Grundsätzlich ist Utimaco selbst ja bereits ein global aufgestelltes Unternehmen mit vielen internationalen Kunden. Tatsächlich generieren wir einen Großteil unserer Umsätze im Ausland.

Auf das Know-how bezogen machen wir uns keine Sorgen, dass es tatsächlich abwandert. Sicherlich liegt vieles davon in deutschen und europäischen Standorten, aber natürlich nicht nur hier. Denn als IT-Security-Unternehmen müssen wir uns global verhalten und beziehen unser Know-how dementsprechend auch aus anderen Ländern.

Genau genommen stammen 90 Prozent unserer Technologie-Partner aus den USA. Das liegt unter anderem daran, dass sich Data Loss Prevention aufgrund lockerer Datenschutz-Bestimmungen dort ganz anders entwickeln konnte.

Security-Insider: Welche Folgen im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl und den Utimaco-Standort in Deutschland könnten sich aus einer Übernahme durch Sophos ergeben?

Pollmann: Wir sehen nach derzeitigem Stand der Dinge keinerlei Hinweise darauf, dass es Beeinträchtigungen gibt. Nach unseren Kenntnissen will Sophos sowohl alle Utimaco-Mitarbeiter als auch die deutschen Standorte halten.

Security-Insider: Ist der Kooperations-Vertrag zwischen Sophos und Utimaco ein schlauer Schachzug von Sophos, um SafeGuard-Produkte zu pushen und nach der Übernahme die Lorbeeren für das Enterprise-Produkt zu ernten?

Pollmann: Die Formulierung „schlauer Schachzug“ nehme ich dann auch für uns in Anspruch: Utimaco und Sophos haben ganz ähnliche Strukturen und Ausrichtungen. Da ist es völlig natürlich, dass es zu einem gegenseitigen Interesse und einer Zusammenarbeit kommt.

Den Kooperationsvertrag (zur gegenseitigen Empfehlung und Reseller-Vereinbarung, Anm. d. Red.) hätten wir sicher auch sonst zwischen den Unternehmen abgeschlossen. Zusätzlich ist es dann zum eigentlichen Übernahme-Interesse von Sophos gekommen.

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