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iPhone Tracker iPhone sammelt Geodaten, Mac-Tool kartographiert Standort-Informationen

| Redakteur: Stephan Augsten

Das iPhone ist schon ein smartes Gerät. Bei einem Filmriss verrät es einem sogar, wo man am vergangenen Wochenende gefeiert hat. Möglich machen es Positionsdaten, die das iPhone sekundengenau erhebt und lokal speichert. Zwei Entwickler haben in der entsprechenden Datei eine „beängstigende Menge detaillierter Bewegungsinformationen“ gefunden.

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Alles auf eine Karte: Apple-Smartphones speichern zahlreiche Geodaten, der iPhone Tracker visualisiert das Ganze.
Alles auf eine Karte: Apple-Smartphones speichern zahlreiche Geodaten, der iPhone Tracker visualisiert das Ganze.
( Archiv: Vogel Business Media )

Rechtlich gesehen hat Apple sich mit seiner jüngsten Datenschutzrichtlinie aus dem Juni 2010 abgesichert: das Unternehmen darf den geografischen Standort von Apple-Computern oder -Geräten in Echtzeit erfassen. Ob der Technikkonzern aber tatsächlich Positionsdaten erhebt und wie genau diese sind, war bislang allerdings unklar.

Doch jüngst haben die Entwickler Alasdair Allan und Pete Warden im iPhone-Betriebssystem iOS4 eine SQL-Datenbank ausfindig gemacht, die abertausende Einträge zu früheren Aufenthaltsorten des Besitzers enthält. Neben einem sekundengenauen Zeitstempel sind in der Datei auch Längen- und Breitengrade hinterlegt.

Zwar handelt es sich dabei nur um Näherungswerte, die per Triangulation – also der Ortsbestimmung mithilfe dreier Funkmasten – ermittelt werden. Jedoch lassen sich auf Grundlage diese Positionsdaten recht genaue Bewegungsprofile erstellen. Diese Methode der Geolokation belastet den Akku deutlich weniger, als das genauere GPS.

Was bewegt Apple?

Apple gibt an, dass die Informationen ausschließlich für intelligente Werbeanzeigen – die sogenannten iAds – genutzt werden. Durch einen Besuch einer entsprechenden Opt-Out-Seite für iAds von Apple könne ein iPhone-Nutzer die Geolokalisierung abschalten.

Im Übrigen gibt es bislang nocj kein Verdachtsmoment, dass Apple die Daten auf eigene Server übermittelt. Sicher ist nur, dass es sich um eine beabsichtigte Datensammlung handelt. Denn die Daten werden bei der iTunes-Synchronisation auf andere Apple-Geräte übertragen, so z.B. im Rahmen automatischer Backups.

Besonders problematisch wird es, wenn die Informationen aufgrund fehlender Backup-Verschlüsselung in Klartext gespeichert werden. Zwar wird die Datenbank-Datei mit einem zufällig gewählten Namen im Backup-Ordner auf dem Mac-Rechner abgelegt. Über Index-Dateien konnte Allan mit einem Python-Skript jedoch die Klarnamen rekonstruieren. Nachdem die fragliche SQLite-Datenbankdatei einmal identifiziert war, ließ sie sich mit jedem beliebigen SQLite-Browser auslesen – die Entwickler verwendeten ein einfaches Firefox-Plugin.

Pete Warden und Alasdair Allan haben im Internet eine Anleitung veröffentlicht, wie man die Geo-Informationen manuell auslesen kann. Um weniger versierten Nutzern die Arbeit zu erleichtern zu erhalten, haben die beiden Entwickler jedoch auch den iPhone Tracker entwickelt, ein Mac-Tool zur graphischen Auswertung der Geodaten. Dieses durchsucht ebenfalls den lokalen Backup-Ordner nach der fraglichen Datei und zeigt dann die Positionsdaten auf einer Karte an.

Auf dem iPhone selbst kann man seine Positionsdaten im Übrigen nicht vor unberechtigten Zugriffen schützen. Nur auf dem Synchronisationsrechner lassen sich die Daten absichern, indem man verschlüsselte Backups aktiviert.

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