Durch Investitionen an der Digital Edge, also am Rand der digitalen Netzwerke, sind Internet Service Provider (ISPs) in der Lage, ihren Kunden eine Vielzahl neuer Dienste anzubieten sowie ihre operative und infrastrukturelle Effizienz zu steigern. Allerdings ist die DDoS-Landschaft unberechenbarer denn je, daher müssen ISPs für 2021 ein neues Kapitel in ihrer Sicherheitsstrategie aufschlagen.
Anders als auf den Bid suggeriert, erfolgen Cyber-Angriffe nicht nur aus einer Richtung. Netscout-CTO erläutert, warum ISPs sich auch um die Edge, vom -Device bis zum -Rechenzentrum, kümmern müssen.
(Bild: Reimund Bertrams auf Pixabay)
In den letzten Jahren hat sich die Architektur der ISP-Netzwerke weiterentwickelt. Dabei wurden vor allem Investitionen in die Infrastruktur für Inhalte und Services sowie in das verteilte Peering über die Customer Edge hinweg getätigt.
Zudem kam im vergangenen Jahr ein neuer Faktor hinzu, und zwar die Edge-Rechenzentren, die von vielen Betreibern drahtgebundener Netze geplant und realisiert wurden. Wir alle haben von MEC (Multi-Access Edge Cloud) gehört, das neue, latenzsensitive Services für den Zugang zu Anwendungen und Diensten im 5G-Mobilfunknetz erlaubt. Das aber können einige ISPs auch drahtgebunden bieten.
Die Art des Datenverkehrs in ISP-Netzwerken ändert sich also (erneut). Und dies führt in 2021 zu kritischen Infrastrukturen, die ungleich schwerer abzusichern sind. Da sie sich nicht mehr in den zentralen Rechenzentren befinden, sondern auf Standorte an der Digital Edge verteilt sind. Für Cyber-Kriminelle heißt dies: Die potenzielle Angriffsfläche wird sich vergrößern.
Neue Möglichkeiten am Netzwerkrand
Noch vor zehn Jahren waren die ISP-Netzwerke mit ihren Peering-, Core- und Provider-Edge-Routern hierarchisch aufgebaut. Dies sorgte für übersichtliche Konnektivitätsebenen und einen transparenten Nord-Süd-Datenfluss zwischen Rechenzentren und Clients. Endanwender und Unternehmen konsumierten Inhalte, die über zentrale Peering- und Transitverbindungen bereitgestellt wurden. Doch dies hat sich verändert.
Netzwerkknoten sind heute mit einer stetig steigenden Zahl weiterer Knoten verbunden, Router werden immer vielseitiger und der Traffic fließt in alle Richtungen, da die Content-Caches und Peering Points immer mehr verteilt platziert sind. Dies liegt vor allem in den wachsenden Volumina des Traffics von OTT-Services (OTT = Over-the-top content) - insbesondere für Videos - begründet, die es für ISPs notwendig machen, Inhalte in unmittelbarer Nähe zu den Endanwendern bereitzustellen, um die Kosten gering- und die Dienstqualität hochzuhalten. Neu ist das nicht, aber es wirkt sich bei Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur aus, bei denen nun die Digital Edge in den Fokus rückt.
Neu ist dagegen, dass die verteilten Cache-Infrastrukturen nun Erweiterungen durch andere Infrastrukturen für Mehrwertdienste erfahren - etwa für das Cloud-Gaming wie „Microsofts xCloud“ und „Google Stadia“, Service-Enabler wie DNS (Domain Name System)und AAA (kurz für Tripple-A: Authentifizierung , Autorisierung, Abrechnung des Netzwerkzugangs von Kunden) sowie 5G Packet-Core. Diese neuen Infrastrukturen befinden sich in Software-definierten Rechenzentren oder Erweiterungen der Public-Cloud-Infrastruktur und werden über ISP-Netzwerke in unmittelbarer Nähe zu Kunden bereitgestellt.
Die Struktur in Software Defiend Datacenter
Dabei handelt es sich um Racks mit generischen Rechnern, die mit einer Software-Defined Networking (SDN)-Umgebung verbunden sind, in der alle Services und Anwendungen virtualisiert oder containerisiert und vollständig orchestriert sind. Diese neuen Umgebungen ermöglichen neue Dienste und Effizienzsteigerungen, wodurch ISPs zusätzliche Umsatzquellen erschließen sowie Einsparungen bei den Betriebs- und Infrastrukturkosten realisieren können.
Ein neuer Ansatz zur Sicherung von Netzwerken
Wie bei jeder neuen Entwicklung bestehen jedoch auch hier Risiken. Für ISPs ist es mittlerweile selbstverständlich, ihre Netzwerke, Services und Kunden vor DDoS-Attacken (DDoS = Distributed Denial of Service) zu schützen, indem sie semizentrale Abwehrfunktionen einsetzen, die meist an den wichtigen Peering-Standorten implementiert sind. Angesichts der Tatsache, dass Investitionen schwerpunktmäßig in Kapazitäten und Service-Infrastrukturen an der Digital Edge erfolgen, ist das Backhauling des potenziellen Angriffsverkehrs über das Netzwerk aber weder wünschenswert noch praktisch. Vielmehr ist es notwendig, Bedrohungen durch verteilte Sicherheitsfunktionen bereits am Rand des Netzwerkes zu erkennen und diesen Traffic dort, also an seinem Eintrittspunkt, zu blockieren - unabhängig davon, ob er über eine Peer-, Kunden- oder Public-Cloud-Verbindung kommt.
Ist schon dies eine große Veränderung, hat sich zu allem Überfluss zusätzlich auch die DDoS-Bedrohungslandschaft verändert: Angriffe erfolgen mit höherer Frequenz (im Jahr 2020 wurde eine Zunehme um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet), sind aber zugleich auch kurzlebiger und komplexer (die Zahl der Attacken mit 15 oder mehr Angriffsvektoren ist seit 2017 um 2.851 Prozent gestiegen). Hinzu kommt die Gefahr, dass IoT-Geräte jedweder Art und Größe in Botnets zusammengefasst und für DDoS-Angriffe eingesetzt werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Drei wichtige Grundlagen für die Netzwerksicherheit im Jahr 2021
Die beschriebene Konstellation führt zu erweiterten Anforderungen, die ISPs bei ihren Schutzmaßnahmen vor DDoS-Angriffen erfüllen müssen. Dabei bilden die Aufgabengebiete Automatisierung, Orchestrierung und Integration den Kern für eine adäquate Risikominimierung:
Automatisierung: Um die immer komplexer werdenden Attacken ohne einen operativen Overhead und mit kurzen Reaktionszeiten abzuwehren, müssen Sicherheitsprozesse einschließlich der genutzten DDoS-Services aus der Cloud automatisiert werden.
Orchestrierung: Die Zusammenführung und eine gemeinsame Verwaltung der über mehrere Standorte an der Digital Edge und darüber hinaus verteilten Sicherheitsfunktionen ist die Grundlage, um für die verwundbaren virtualisierten und containerisierten Umgebungen einen effektiven Schutz vor Angriffen zu gewährleisten.
Integration: Eine wirkungsvolle Eindämmung von DDoS-Attacken setzt die Kombination der intelligenten und infrastrukturellen Schutzfunktionen auch in komplexen Umgebung mit Lösungen unterschiedlicher Anbieter am Netzwerkrand voraus.
Darren Anstee, CTO für Security bei Netscout: „Die Absicherung an der Digital Edge ist für ISPs eine maßgebliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bereitstellung von Services der nächsten Generation im Jahr 2021.“
(Bild: Netscout)
Bestehende Lösungen müssen sich also weiterentwickeln, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, die durch neue Technologien, veränderte Arbeitspraktiken und die Verlagerung des Traffic entstehen. Die Absicherung bereits an der Digital Edge schafft die Basis für eine schnelle und kosteneffektive Reaktion auf DDoS-Bedrohungen. Für ISPs wird dies eine maßgebliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bereitstellung von Services der nächsten Generation im Jahr 2021 sein.
* Darren Anstee ist CTO für Security bei Netscout.