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Zuverlässigkeit
Die Zuverlässigkeit der Verifizierungsgeräte kann bei biometrischen Systemen natürlich auch ein Problem sein. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Touch ID-Technologie von Apple:
Innerhalb weniger Monate gelang es dem Chaos Computer Club, das System zu knacken. Dazu hatten die Hacker einen Fingerabdruck mit hoher Auflösung von einer Glasoberfläche abfotografiert. Anschließend verwendeten sie hautfarbene Latexmilch oder weißen Holzleim, um den Abdruck zu reproduzieren.
Die Gesichtserkennung weist ebenfalls Schwachstellen auf. Änderungen der äußeren Erscheinung des Benutzers – Gesichtsoperationen, Kosmetika und Kopf- oder Gesichtsbekleidung – können die Resultate beeinträchtigen.
Falschakzeptanzraten
Der sichere Einsatz der Biometrie wird durch weitere Faktoren erschwert. Zum einen sind biometrische Merkmale kein Geheimnis. Charakteristiken wie ein auf einer Kaffeetasse hinterlassener Fingerabdruck oder ein aufgezeichnetes Gespräch sind jederzeit frei zugänglich.
Zum anderen sind Falschakzeptanzraten (FAR) und Falschrückweisungsraten (FRR) ein Problem. Keine biometrische Technologie ist perfekt. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es einem Fremden gelingt, das Fingerabdrucksystem eines Smartphones oder ein Spracherkennungssystem zu täuschen, muss im Rahmen einer Risikoanalyse berücksichtigt werden.
Ein biometrisches System mit einer Falschakzeptanzrate von 0,0001 % ist nicht viel sicherer als ein vierstelliges alphanumerisches Passwort. Es ist allerdings weitaus einfacher, eine Million vierstelliger Passwörter zu generieren, als eine Million künstliche Finger herzustellen.
Und während starke Passwörter ohne weiteres für kryptographische Vorgänge genutzt werden können, eignet sich die ungenaue und nur begrenzt randomisierte Biometrie nicht zur Generierung kryptographischer Schlüssel. Das bedeutet, mit biometrischen Verfahren allein kann eine verschlüsselte Datei nicht geschützt werden, während es mit einem Passwort durchaus möglich ist.
Ein mehrstufiger Ansatz
Diese Probleme lassen sich durch ein multimodales System umgehen, das biometrische Verfahren mit anderen Methoden kombiniert. Ein gestaffeltes Sicherheitskonzept, bei dem mehrere Schutzmechanismen auf intelligente Weise miteinander verbunden werden, ist seit langem bewährte Praxis, um Netzwerksysteme vor Angriffen zu schützen.
Eine Ausweitung dieses Konzepts auf Verifizierungssysteme kann diese erheblich stärken. Allgemein gilt die Maxime, dass nichts hundertprozentig sicher ist. Vor diesem Hintergrund ist es unangebracht und unter Umständen sogar gefährlich, zu suggerieren, dass eine einzige Technologie eine andere ersetzen und völlige Sicherheit bieten kann.
Biometrische Systeme bieten dem kritischen und kompetenten Benutzer allerdings viele einzigartige und leistungsstarke Sicherheitsmerkmale. Bei der Kombination von Passwörtern und Biometrie in einem Multi-Faktor-Ansatz ergänzen die Verfahren einander und bieten insgesamt einen besseren Schutz.
* Larry Hamid ist technischer Berater von Imation Mobile Security.
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