Sicherheitsneuausrichtung auf dem KI-Markt 2026 Aufräumen, absichern, angreifen – das KI-Jahr 2026

Ein Gastkommentar von Mathias Widler 5 min Lesedauer

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2026 bringt den KI-Markt an einen Wendepunkt: Konsolidierung statt Hype, autonome KI-Agenten in der Verteidigung und Quantensicherheit als neues Fundament. Warum jetzt entschieden wird, wer im nächsten Zyklus vorne liegt.

Zwischen Quantensicherheit, Governance und agentischer KI entsteht 2026 ein stabileres Fundament für digitale Innovation. Hier können Chancen entstehen und der Gestaltungsspielraum deutlich wachsen.(Bild: ©  The Little Hut - stock.adobe.com)
Zwischen Quantensicherheit, Governance und agentischer KI entsteht 2026 ein stabileres Fundament für digitale Innovation. Hier können Chancen entstehen und der Gestaltungsspielraum deutlich wachsen.
(Bild: © The Little Hut - stock.adobe.com)

Das Jahr 2026 wird ein Jahr des technologischen Reifeprozesses und der ent­schlossenen Neu­aus­rich­tung. Wir be­tret­en eine Land­schaft, die durch die not­wendige Markt­be­rei­ni­gung, die Chance zur Eta­blierung von Vertrauen und den ent­scheidenden Übergang von der Theorie zur praktischen Umsetzung geprägt ist. Kurz gesagt: Wir werden erleben, wie sich der KI-Markt konsolidiert, die Quan­ten­sicher­heit als Funda­ment gelegt wird und autonome KI-Agenten die nächste Welle der Ver­tei­dig­ung an­stoßen.

Die Marktkonsolidierung: Der Fokus auf echten Wert

Die erwartete Be­rei­ni­gung des KI-Marktes ist eine notwendige Korrek­tur, die den Weg für sub­stan­ziellen Fort­schritt frei­macht. Diese Kon­soli­dierung trifft nicht die echten Inno­vati­onen, sondern be­endet primär die „spekulativen“ und „ungeprüften“ KI-Aktivi­täten, denen es an einem trag­fähi­gen Business Case fehlt. Die wirt­schaft­liche Be­rei­ni­gung, so her­aus­ford­ernd sie auch sein mag, sichert die Zu­kunfts­fähig­keit der Branche. Frei­werd­ende Ressourcen können nun auf die trag­enden, wert­schöpf­enden KI-Projekte um­gelenkt werden.

Der Fokus verschiebt sich: ROI ist der neue König

Nur wertschöpfende KI-Anwendungen werden die gestiegene Prüf­ung der Inves­toren be­stehen. Wir reden nicht mehr über Hype, sondern über nach­haltige Wirt­schaft­lich­keit und mess­baren Nutzen. Die KI-Entwick­lung wird sich auf das kon­zen­trie­ren, was wirklich zählt: den mess­baren Return on Investment (ROI). Ich erwarte, dass agentische KI – also auto­nome, selbst­ständig handel­nde Systeme – vehement ihren Weg in die Pro­duktion finden wird. Diese Systeme lief­ern zuerst enorme Produktivitäts­gewinne und ent­wickeln dann echte Produkte und Dienst­leist­ungen, die sich auf der Bilanz als positive Inno­vationen be­merk­bar machen.

Die Erneuerung: Aufbau des digitalen Vertrauens

Zwei Entwicklungen schaffen die Notwendigkeit für ein überlegenes digitales Fundament:

  • Die Chance zur Neubewertung der KI-Governance: 2026 wird zur Stunde der intelligenten Kon­trolle. Die Pro­gnose über die Auf­deck­ung eines KI-gesteuerten Daten­schutz­verstoßes, ver­ursacht durch ein autonomes, agentisches KI-System inner­halb eines Unter­nehm­ens, dient als positiver Im­puls. Dieses Ereignis wird ein globaler Weck­ruf sein, die Governance für KI von Grund auf neu zu definieren und die Chancen der KI-Autonomie durch kom­pro­miss­lose Kontroll­mecha­nis­men zu sichern.
  • Aufstieg der „Trust Infrastructure“: Die Verschmelzung von Generativer KI und Quan­ten­com­pu­ting treibt uns dazu, unsere De­fi­ni­ti­on von digitaler Au­then­ti­zi­tät zu per­fek­tio­nier­en. Da KI-generierte In­hal­te der men­sch­lich­en Krea­tion immer ähnlicher werden, schärft dies unseren Fokus auf Ve­ri­fi­zier­bar­keit. „Trust Infrastructure“ wird zu einem ent­schei­den­den stra­teg­isch­en Pfei­ler, gleich­rang­ig mit Cloud und KI. Unternehmen werden proaktiv: Sie sichern Iden­ti­täts­sys­teme mit Quan­ten-res­is­ten­ter Kryp­to­grafie ab und betten Quellen­nach­weise (verifiable provenance) tief in ihre Daten­flüsse ein, um ein neues Niveau der Glaub­würdig­keit zu garan­tieren.

Die neue Cyber-Verteidigung: Innovation durch Agenten

Die Be­droh­ungs­land­schaft wird zwar durch hochentwickelte, zu­gäng­liche KI-Tools heraus­ge­fordert, doch dies spornt die Ver­teidi­ger zu Höchst­leis­tung­en an. Wir er­leb­en den Aufstieg auto­nomer, agentischer KI-Gegner, deren An­griffe die Industrie zwingen, in auto­mati­sierte und schnellere Verteidigungs­syste­me zu inves­tieren. Diese intelli­gen­ten Angriffe sen­ken die Eintritts­barriere, was wiederum einen Inno­va­tions­schub bei den Ab­wehr­tech­no­log­ien aus­löst.

Der Fokus liegt auf sicheren Konnektoren. Im rasant wachsenden KI-Öko­system wird der „OAuth“-Schwachpunkt als klare Pri­o­ri­tät für Ver­bes­ser­ung­en er­kannt. Über­mäßig weit­reichende Berechtigungen werden aktiv auf das Not­wen­di­gste re­duziert. Kompromittierte Konnek­toren wer­den das Haupt­ziel für Supply-Chain-Angriffe, was die Orga­ni­sa­tio­nen dazu motiviert, die Konnektor­sicherheit und die Wider­rufs­richt­linien drastisch zu ver­bessern.

Im Schwachstellen-Wettlauf werden KI-gesteuerte SAST-Tools (Static Application Security Testing) zur Code-Sicherheit un­ver­zicht­bar und trei­ben die Qua­li­täts­sicher­ung voran. Das offensive Potenzial des KI-Agenten dient als Kata­ly­sa­tor für eine schnellere Ent­wick­lung in der Sicher­heits­bran­che. Der Wett­lauf zwischen Ver­tei­di­gern und An­grei­fern wird durch intelli­gen­te Werk­zeuge be­schleunigt, was ins­ge­samt zu wider­stands­fähig­eren Systemen führt.

Quantensicherheit und Datenschutz: Vom Reden zum Handeln

Das Jahr 2026 ist der offizielle Startschuss für eine quantenresistente Zukunft. Angesichts der fina­li­sier­ten PQC-Standards (Post-Quantum Cryptography) des NIST wird die Not­wen­dig­keit, sich vor zu­künf­tigen Bedrohungen zu schützen, zum konkreten An­stoß für stra­teg­ische In­ves­ti­tio­nen auf Vor­stands­ebene. Der drin­gen­dste, erste Schritt für jedes Unter­neh­men: die firmen­weite Kar­tie­rung der gesamten aktuellen Ver­schlüsse­lung. Dies ist das pro­aktive Funda­ment für den mehr­jähr­igen, un­ver­meid­lichen Über­gang in eine qua­nten­resistente und da­mit zu­kunfts­sichere Infra­struk­tur.

Der Einsatz komplexer KI bei sensiblen Daten verlagert sich radikal. KI „Privacy-First“ und Data Sovereignty neh­men wei­ter an Fahrt auf. Wir seh­en eine Bewegung weg vom rei­nen SaaS-Modell hin zu sou­ver­än­eren, daten­schutz­orien­tier­ten Imple­men­tier­ung­en, die den An­for­der­ungen regulierter Branchen gerecht werden. Diese nutzen ver­mehrt Frame­works, um sicher­zu­stellen, dass ihre Daten inner­halb des ei­gen­en sicheren Perimeters bleiben. Dieser Trend wird durch den globalen Anstieg der Data-Sovereignty-Vorschriften ver­stärkt, die Dienst­leister moti­vier­en, lokale Services inner­halb der jeweiligen Ländergrenzen anzubieten, was die globale Datensicherheit stärkt.

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Das Jahr 2026 stellt Führungskräfte vor die aufregende Chance, in einem Umfeld der digitalen Erneuerung und ökonomischen Klärung zu navigieren. Erfolgreich werden jene Organisationen sein, die jetzt handeln: die Quanten-Roadmap initiieren, Governance für autonome KI als Innovationsbeschleuniger etablieren und Sicherheit als das unerschütterliche Fundament begreifen, auf dem jede zukünftige Innovation aufgebaut ist.

Über den Autor: Als Vice President Central & Eastern Europe leitet Mathias Widler die Vertriebs- und Außendienst Teams in den schnell expandierenden Märkten bei Netskope. Widler verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Sicherheits- und Netzwerkvertrieb. Bevor er zu Netskope wechselte, war Widler unter anderem erfolgreich bei Zscaler und Palo Alto Networks tätig.

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