In Sachen digitale Identitätsnachweise hinkt Deutschland deutlich hinterher: 2021 hatten weniger als 10 Prozent der Deutschen die Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises genutzt. Ein Umstand, der sich dringend ändern muss, denn der Einsatz von eIDs ist ein echter Digitalisierungsbeschleuniger. Höchste Zeit, sich hierzulande mehr zuzutrauen und dieses Potenzial in Mehrwert für alle umzumünzen.
Deutschland hat Nachholbedarf in Sachen eIDs und Digitalisierung.
(Bild: peshkov - stock.adobe.com)
Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass es hierzulande Unzulänglichkeiten in Sachen Digitalisierung gibt. Kommunale Verwaltungen sowie Unternehmen waren von einem Tag auf den anderen für den Publikumsverkehr geschlossen. Viele Prozesse lassen sich digital abbilden, Schlüssel hierfür ist jedoch eine eindeutige Identifizierung, um die nötige (Rechts-) Sicherheit in Geschäftsabschlüsse und Transaktionen zu bringen. Mit eIDs (elektronischen Identitätsnachweisen) kann diese sicher und nutzerfreundlich umgesetzt werden, denn für Anwender entfallen die schier unüberblickbare Menge von Passwörtern sowie die Tücken des Passwort-Managements.
Für den DACH-Raum sind flächendeckend eingesetzte eIDs jedoch noch weitgehend Neuland. In den neuen Personalausweis (nPA) beispielsweise wurde die Online-Ausweisfunktion zwar schon vor über 10 Jahren integriert, doch nur die wenigsten Deutschen sind sich dessen überhaupt bewusst und wenden diese Funktion an.
So verbleiben viele Möglichkeiten ungenutzt. Dabei können mit eIDs Dienstleistungen und Angebote auf sichere Weise digital angeboten und unabhängig von Öffnungszeiten in Anspruch genommen werden. Zudem ist es sowohl für Personen als auch Organisationen möglich, sich mit eIDs digital auszuweisen.
eIDs kommen in Deutschland kaum zum Einsatz
Obwohl die Online-Ausweisfunktion im neuen Personalausweis bereits seit Jahren verfügbar ist, wird sie nur von 9% der Deutschen auch genutzt.
Eine zentrale, weit verbreitete eID bietet eine große Chance für die branchenübergreifende Digitalisierung in Deutschland. Da jedoch Anwendungsfälle für den Einsatz fehlen, haben Bürger und Verbraucher keine Berührungspunkte mit dem digitalen Identitätsnachweis.
Hierzulande wird leider oft unter dem Motto „Better perfect than done“ agiert, gerade wenn es um die Digitalisierung geht. Diese Zögerlichkeit sowie die Tendenz, alles im Vorhinein bis ins kleinste Detail durchplanen zu wollen, verschleppt die Umsetzung und wichtige Projekte kommen nicht aus den Startlöchern. Häufig wird der Datenschutz – konkret die DSGVO – genannt, welcher den Einsatz digitaler Identitäten vermeintlich behindern oder einschränken soll. Doch auch in stark digitalisierten Ländern wie Estland oder Schweden gilt die DSGVO und der Datenschutz stand der Nutzung von eIDs keineswegs im Wege.
Bei der Einführung des nPA bestand 2010 die Chance, positives Marketing für die Digitalisierung zu betreiben und dem Thema digitale Identitäten Auftrieb zu geben; der Mehrwert, den die Bürger durch eIDs gewinnen, hätte damals klar kommuniziert werden müssen. Doch diese Chance verstrich ungenutzt – und selbst heute, über zehn Jahre später, wissen die wenigsten, was es mit digitalen Identitäten auf sich hat und wozu sie eingesetzt werden können.
Anderswo, wie in Schweden zum Beispiel, war die Vorgehensweise beim digitalen Identitätsnachweis eine fundamental andere: Man machte sich auf den Weg, lernte aus den gemachten Erfahrungen und besserte nach, wo es nötig war. „Learning by doing“ anstatt „better perfect than done“. So wurden in kürzester Zeit viele Anwendungsfälle für die eID geschaffen.
Überlegst du noch oder digitalisierst du schon: eIDs zügig und erfolgreich umsetzen
In Schweden begann die Umsetzung der eID bereits vor über 20 Jahren. Heute ist der Einsatz der schwedischen BankID für viele Tätigkeiten Standard: das Einreichen von Steuerunterlagen, Geschäftsabschlüsse oder den identitätsbasierten Zugriff auf Gesundheitsunterlagen.
Die Nutzerzahlen sprechen eindeutig für den Erfolg der beliebtesten schwedischen eID: Im Schnitt verfügen über 90% der 21-70-jährigen in Schweden über die BankID.
(Bild: Statista)
Die erfolgreiche Umsetzung gelang, weil es sehr früh eine Zusammenarbeit von staatlicher Seite mit dem Bankensektor gab und auf bereits Bestehendes aufgebaut wurde. Schon zwei Jahre nach Projektstart war so die BankID verfügbar, im Laufe der Jahre wurde sie weiterentwickelt und stets an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Die Nutzung wurde immer einfacher und die Mobile BankID sorgte schließlich dafür, dass digitale Identitäten überall und jederzeit sicher eingesetzt werden konnten. Gemäß Signicat, einem der führenden Anbieter von digitalen Identitätslösungen in Europa, benutzen heute schwedische Bürger ihre BankID durchschnittlich vier Mal pro Woche.
Dies spiegelte sich dann auch sehr schnell in den Nutzerzahlen und Transaktionen wider. Entscheidend für den Erfolg der BankID war, dass sowohl die staatliche Seite als auch die Privatwirtschaft zahlreiche Anwendungsfälle schufen, sodass alle Beteiligten schnell einen Mehrwert hatten. Heute ist die eID in Schweden fester Bestandteil des Alltags und diente sogar als Sprungbrett für weitere gemeinsame Projekte: Swish, eine App für das bargeldlose Bezahlen, war 2019 bei 82 Prozent der Schweden im Einsatz.
Stand: 08.12.2025
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Worauf es für den Erfolg der eID hierzulande ankommt
Wie andere Länder bewiesen haben, können eIDs schnell und mit nachhaltigem Erfolg umgesetzt werden. Hierfür muss von den Nutzern her gedacht werden: Wie können für Bürgerinnen und Bürger mit eIDs Möglichkeiten geschaffen werden, Dinge noch einfacher zu tun? Die Privatwirtschaft kann mit Expertise helfen und tatkräftig die Schaffung von Anwendungsmöglichkeiten unterstützen. Dem Staat kommt jedoch die Rolle zu, hier als Treiber aktiv zu werden und sichere digitale Identitätsnachweise mit Initiativen nach vorne zu bringen. Länder wie Schweden haben pragmatisch vorgemacht, wie durch
Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft
Bedienungsfreundlichkeit in der Nutzung
Schaffung von Anwendungsfällen
eine eID in kurzer Zeit erfolgreich etabliert werden kann. Es gibt keinen Grund, hier nicht dem erfolgreichen Beispiel zu folgen, zumal eine Mehrheit der Deutschen um die Sicherheit ihrer digitalen Identität besorgt ist.
Der Einsatz von eIDs kann hier wirksame Abhilfe schaffen: Die klare Mehrheit der Menschen in der EU wie in Deutschland ist besorgt wegen Identitätsdiebstählen.
(Bild: Statista)
Mit dem nPA existiert in Deutschland bereits eine zentrale eID mit flächendeckender Verbreitung, er hat jedoch noch keinen festen Platz im Alltag. Darum gilt es, für die Verbraucher möglichst viele Berührungspunkte mit der digitalen Identität zu schaffen. Gleichzeitig entsteht so auch für Unternehmen der Anreiz, aktiv Einsatzmöglichkeiten für die eID zu schaffen und durch digitale Geschäftsabschlüsse, papierlose Transaktionen und effizientere Prozesse selbst von deren Mehrwert zu profitieren.
Die kommunale Verwaltung bietet als größte Schnittstelle des Staates mit den Bürgern viele Möglichkeiten, mit eIDs die Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen zu gestalten. Gerade in der Bürgerkommunikation kann die Integration von digitalen Identitäten in etablierte und bewährte Lösungen schnelle Erfolge bringen.
Der Titel des Koalitionsvertrages der Ampel-Regierung lautet „Mehr Fortschritt wagen“. Hier wird in drei Worten all das beschrieben, was in Deutschland gerade dringend notwendig ist. Nun muss diesem Motto in den Digitalisierungsbemühungen auch gerecht geworden werden. Denn es braucht ein klares Mehr als das, was bisher an Digitalisierung stattgefunden hat. Der Fortschritt muss eindeutig nachdrücklicher forciert werden, gerade in der digitalen Entwicklung darf man nicht weiter zurückfallen. Letztlich muss aber auch mehr gewagt werden, denn langes Zögern und Zaudern zahlt sich nicht aus. Es gilt die Ärmel hochzukrempeln und anzufangen – denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Über den Autor: Als Head of Sales ist Markus Wolfer bei der Cryptshare AG verantwortlich für die Planung, Steuerung und Weiterentwicklung der Vertriebs- und Partneraktivitäten im DACH-Raum und internationalen Bereich sowie den weiteren Ausbau des Partnernetzwerks. Er besitzt mehr als zehn Jahre Erfahrung aus dem Partner- und Systemhausgeschäft, als Business Development Manager IT-Security und aus verschiedenen Vertriebspositionen.