Interview mit Joachim Jakobs zum Projekt "Frei + Fit im Web 2.0"

Mission: Datensicherheit

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Security-Insider: Wie verändert sich die Situation im ''papierlosen'' Büro?

Jakobs: Werden maschinenlesbare Daten verarbeitet, bleibt den Angreifern das mühsame Digitalisieren erspart; die Daten können sofort ausgewertet werden. Deshalb gewinnt die Frage der physikalischen Sicherung der Daten grade im Informationszeitalter erheblich an Bedeutung: Kürzlich wurde eine Sicherungskopie mit hunderttausenden Patientendatensätzen in Rastatt gestohlen. 2011 wurden Server samt den Daten von bis zu 120.000 Einwohnern des Landkreises Bad Hersfeld geklaut.

Die betroffenen Personen haben jetzt „lebenslänglich“ - sie müssen permanent mit Manipulation, Bestechung oder auch Erpressung von krimineller Seite rechnen. Das muss auch den jeweils ortsansässigen Arbeitgebern - wie zum Beispiel Amazon und Daimler - bewusst sein.

Das Gleiche gilt natürlich auch für elektronische Sicherungen: 250.000 Videokonferenz-Systeme weltweit sollen angeblich unsicher implementiert sein. Eine Anwaltskanzlei rollte dabei durch seine eigene unsichere Implementierung regelrecht einen „roten Teppich“ zu dem entsprechenden System der Investmentbank Goldman Sachs aus. Wir müssen also systematisch Aufbau- und Ablauforganisation eines jeden Unternehmens gezielt nach Schwachstellen absuchen, stopfen und anschließend in Bildung der Mitarbeiter und in Tresore, Fenster, Türen und Schlösser – und natürlich auch Verschlüsselung investieren.

Security-Insider: Mit Ihrem Projekt „Frei + Fit im Web 2.0“ wollen Sie Bewegung in die Thematik bringen, was genau haben Sie vor?

Jakobs: Ich möchte mit einem „Datenschutzmobil“ durchs Land fahren und den freien Berufen zwischen Kiel und Garmisch, Dresden und Aachen in 240 Vorträgen erklären, was sie besser tun oder lassen sollten, um die Sicherheit der Menschen und ihrer jeweiligen Arbeitgeber nicht zu gefährden.

Dabei sind mir Seriösität und Vertrauenswürdigkeit der Initiative besonders wichtig. Deshalb habe ich zunächst fünf Professoren, aus der Betriebswirtschaftslehre, der Informationstechnik, der Rechtswissenschaft und einen Experten für Cyberkriminalität als wissenschaftliche Beiräte gewonnen, bevor ich mit dem Projekt an die Öffentlichkeit gegangen bin.

Security-Insider: Anfang 2013 soll es als ersten Schritt des Projekts eine Veranstaltung in Berlin geben, was ist da genau geplant?

Jakobs: Herr Professor Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt Universität in Berlin hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, 200 Kammern und Verbände der Freien Berufe im Frühjahr 2013 zu einer Tagung in die Hauptstadt einzuladen. Die Organisationen sollen davon überzeugt werden, ihre Mitglieder zu den regionalen Vorträgen zu lotsen und die Teilnahme an den regionalen Veranstaltungen als berufsspezifische Weiterbildung anzuerkennen.

Security-Insider: Das Projekt „Frei + Fit im Web 2.0“ steht noch am Anfang, und Sie sind noch auf der Suche nach Sponsoren und Förderern. Wer sollte Ihrer Meinung nach eine Unterstützung des Projekts in Betracht ziehen?

Joachim Jakobs ist Journalist und Mitautor des Buchs "Vom Datum zum Dossier“. Als Initiator des Projekts "‘Frei + Fit im Web 2.0" will er 2013 mit einem "Datenschutzmobil" auf Deutschland-Tour gehen.
Joachim Jakobs ist Journalist und Mitautor des Buchs "Vom Datum zum Dossier“. Als Initiator des Projekts "‘Frei + Fit im Web 2.0" will er 2013 mit einem "Datenschutzmobil" auf Deutschland-Tour gehen.
(Bild: Jakobs)
Jakobs: Wir benötigen zunächst ein Fahrzeug von einem Autohersteller, dem wir ein Gesicht „überstreifen“ wollen, das aus lauter Hexadezimal-Code besteht. Dieses Fahrzeug soll als Symbol dafür dienen, dass sich „Frei + Fit im Web 2.0“ gegen den Zerfall des Menschen in seine maschinenlesbaren Daten wehrt. Außerdem benötigen wir eine Hotelkette, die über Seminarräume für bis zu 50 Personen verfügt und 15 Investoren, die jeweils 15.000 Euro beisteuern, damit wir die Personal- und Werbekosten finanzieren können.

Dafür bieten wir Visibilität in einem Markt, der im Verhältnis zu seiner Größe bislang praktisch völlig unbeackert ist: Die Investoren erscheinen mit ihrem Logo auf dem Datenschutzmobil – das allein ist schon sehr interessant, weil dieses Fahrzeug extrem medienwirksam ist und an allen Veranstaltungsorten erhebliches Interesse bei Unternehmen, der Politik, den Journalisten und den Menschen hervorrufen wird. Außerdem wollen wir eine Internetseite einrichten, auf der alle Beteiligten ihren eigenen Bereich nach Gutdünken pflegen können. Und schließlich kann jeder Investor seine Unternehmensbroschüre den Teilnehmerunterlagen beilegen.

Zu den Veranstaltungen erwarten wir insgesamt 12.000 Teilnehmer in 12 Monaten. Außerdem sind Abendveranstaltungen für die Öffentlichkeit vorgesehen. Es wird eine breite öffentliche Diskussion darüber geben, wer wessen Informationen speichern und verarbeiten darf, welche Haftung dabei übernommen wird und welche Rechtsfolgen entstehen, wenn der Datensammler seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Die Journalisten haben ein riesiges Themenfeld das bislang weitgehend brachliegt. Datenschutz ist das Top-Thema in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Ich finde es prinzipiell für jedes Unternehmen interessanter in ein solches Zukunftsprojekt zu investieren anstatt in Golfturniere oder Segelregatten. Schließlich profitiert jeder Unternehmer selbst von der Sicherheit seiner Mitarbeiter, Geschäfts- und Gesprächspartner. Besonders eignet sich diese Investitionsmöglichkeit aber für die Unternehmen, die von dieser Transformation von „analog“ auf „digital“ am meisten profitieren werden: Das sind vor allem Deutschlandweit vertretene Unternehmen aus dem Sicherheitsbereich – Berater, Hersteller von Tresoren, Fenstern, Türen, Schlössern, Entwickler von Anti-Virensoftware, Aktenvernichter aber auch Finanzdienstleister mit Fokus auf Selbständige und angestellte „Wissensarbeiter“. Auch Hard- und Softwareunternehmen für die KMU und Büroausstatter sollten sich eine Beteiligung überlegen.

Jeder, der sich hier mit einer Investition engagiert, demonstriert gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein. Das kann sich nur positiv auf die jeweilige Marke, den eigenen Ruf und letztlich Umsatz und Gewinn des Investors auswirken.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:37315820)