Der Einsatz von UCC-Plattformen gehört zum Alltag in deutschen Unternehmen, doch mit der wachsenden Nutzung steigen auch die Sicherheitsrisiken. Vor allem im Mittelstand ist die Kommunikationsinfrastruktur oft unzureichend vor Hackerangriffen geschützt, obwohl einfache Maßnahmen die größten Cyberrisiken bereits deutlich reduzieren.
Ein unbedacht weitergeleiteter Meeting-Link reicht oft schon aus, um Unbefugten Zugang zu verschaffen. Viele Unternehmen wissen nicht einmal, wer Zugriff auf ihre Kommunikationsdaten hat.
(Bild: Gemini / KI-generiert)
Wer UCC-Plattformen nutzt, muss die Sicherheit heute von Anfang an mitdenken. Allein in Deutschland verursachten Cyberangriffe 2025 Schäden in Höhe von 202,4 Milliarden Euro. Das geht aus der jährlichen Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ des Digitalverbands Bitkom hervor. Ein Großteil davon zielte auf die Kommunikationsinfrastruktur in Unternehmen ab. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen (62 Prozent) war demnach nach in den letzten 12 Monaten vom Ausspähen ihrer Kommunikation via E-Mail, Messenger, Videocall oder ähnlichem betroffen.
Was besonders KMU für Cyberangriffe auf die Kommunikationsinfrastruktur anfällig macht: Der Mittelstand stuft die reale Bedrohungslage oft viel zu niedrig und die eigene Cybersicherheitslage viel besser ein, als sie tatsächlich sind. So halten viele Unternehmen eine UCC-Plattform wie Teams, Zoom, Google oder Webex allein deshalb für sicher, weil sie etabliert und weit verbreitet ist. Tatsächlich gibt es aber etliche Einfallstore für Cyberangriffe, wenn Betriebe sich nicht hinreichend schützen.
Diese Sicherheitsrisiken sollten Unternehmen auf dem Schirm haben
Der erste Schritt, um die eigene Kommunikationsinfrastruktur resilienter aufzustellen, sollte darin bestehen, sich der drei größten Sicherheitsrisiken beim Einsatz von UCC-Plattformen bewusst zu werden. Diese drei Gefahren sind für KMU besonders relevant:
1. Unberechtigte Zugriffe auf Kommunikationsplattformen Zu den größten Risken gehören unberechtigte Zugriffe auf UCC-Plattformen. Oft können sich Unbefugte schnell Zugang verschaffen, weil geeignete Schutzmaßnahmen fehlen. Dabei geht es nicht darum, komplexe Hackerangriffe abzuwehren, sondern vielmehr Lücken zu schließen, über die Hacker typischerweise eindringen, um Zugangsdaten zu stehlen, etwa über Phishing.
Typische Szenarien in der Praxis Zu den häufigsten Sicherheitslücken zählen unbedacht weitergeleitete Meeting-Links, aber auch fehlende Zugangsbeschränkungen, zu weit vergebene Berechtigungen und unzureichend verwaltete Gastzugänge. Externe verschaffen sich auf diesen Wegen Zugang zu sicherheitssensiblen Daten und oft auch Videokonferenzen.
2. Datenabfluss und fehlende Kontrolle Das zweite große Risiko ist die fehlende Kontrolle über sensible Inhalte. Viele Unternehmen unterschätzen, wie viele geschäftskritische Informationen heute über UCC-Systeme laufen – von vertraulichen Gesprächen über Kundendaten bis hin zu Projektdokumenten. Problematisch wird es dann, wenn der Umgang mit diesen Daten nicht klar geregelt ist, etwa Speicherorte, Aufbewahrungsfristen und zusätzliches Verarbeiten durch KI, Aufzeichnen oder Transkription.
Typische Szenarien in der Praxis Bedenklich sind beispielsweise aufgezeichnete Meetings, die breiter zugänglich sind als gedacht, aber auch automatisch erzeugte Transkripte mit sensiblen Inhalten oder Chatverläufe, die dauerhaft gespeichert bleiben. In vielen Fällen können Unternehmen nicht eindeutig sagen, wer Zugriff auf diese Daten hat oder wo sie tatsächlich liegen.
3. Täuschung durch KI und Social Engineering Stark wachsend ist zudem das Risiko, das von Deepfakes, KI-generierten Inhalten und Social Engineering ausgeht. Durch täuschend echte Imitationen von Sprache, Schreibstil und Video entstehen neue Betrugsmaschen, die die wenigsten Mitarbeitenden erkennen. So wissen laut der repräsentativen Studie „Fakt oder Fake? Medienkompetenz in Deutschland“ der Internationalen Hochschule IU nur 34,5 Prozent der Befragten was Deepfake überhaupt ist, 15 Prozent seien bereits darauf hereingefallen.
Typische Szenarien in der Praxis Ein vermeintlicher Anruf eines Geschäftsführers fordert eine schnelle Zahlung, eine Chat-Nachricht enthält dringende Anweisungen oder ein Video-Call erzeugt künstlichen Entscheidungsdruck: Diese Angriffe sind besonders gefährlich, weil sie vertraute Personen oder Situationen simulieren.
Maßnahmen: So erhöhen Unternehmen die Sicherheit ihrer UCC-Plattformen
Die gute Nachricht ist: Um diese Sicherheitsrisiken einzudämmen, braucht es im Mittelstand in der Regel kein großes IT-Transformationsprojekt. Auch mit kleinen Maßnahmen lässt sich viel erreichen. Der Fokus sollte dabei aber nicht nur auf der technischen Infrastruktur liegen. Genauso so wichtig ist es, klare Prozesse und Zuständigkeiten zu implementieren, um die Sicherheit von UCC-Plattformen zu optimieren. Priorität sollten diese Maßnahmen haben:
Zugänge und Berechtigungen konsequent absichern Durch Mehr-Faktor-Authentifizierung, sauber vergebene Rollen und Rechte, kontrollierte Gast- und Externenzugänge sowie die regelmäßige Prüfung von Benutzerkonten und Administratorrechten lassen sich viele Cyberangriffe abwehren.
Klare Regeln für Meetings und Daten definieren Klare Governance reduziert Risiken erheblich. Unternehmen sollten eindeutig festlegen, wer Meetings starten oder freigeben darf, wer aufzeichnen darf, welche Inhalte gespeichert oder transkribiert werden dürfen und wie externe Teilnehmer zu behandeln sind.
Datensouveränität sicherstellen Unternehmen sollten genau prüfen, wo ihre Kommunikationsdaten liegen, wer die Kontrolle über Verschlüsselung und Schlüssel hat und welche rechtlichen Zugriffsrisiken bestehen. Gerade im Zusammenhang mit internationalen Cloud-Strukturen spielt der US CLOUD Act eine zentrale Rolle. Unternehmen müssen verstehen, dass Datenspeicherung in Europa nicht automatisch bedeutet, dass auch der Zugriff ausschließlich europäisch kontrolliert ist.
Mitarbeitende sensibilisieren Selbst ausgesteuerte Phishing-Kampagnen, Schulungen zu KI-basierten Betrugsversuchen und Social Engineering schaffen bei Mitarbeitenden mehr Bewusstsein für die Risiken. Für Deepfakes sollten v. a. Personen sensibilisiert werden, die schnell handeln und entscheiden müssen, u. a. Geschäftsführung, Assistenz, Finance, HR und Einkauf.
UCC-Sicherheit als Betriebsmodell: Sicherheitsanalyse, technische Umsetzung, kontinuierliche Betreuung und stabiler Plattformbetrieb greifen auf zertifizierter Qualitätsbasis ineinander – hier am Beispiel von MVC Videra.
(Bild: MVC)
Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen sollten sich KMU Unterstützung von Experten ins Haus holen. Externe Profis sorgen dafür, dass UCC-Umgebungen nicht nur sinnvoll konfiguriert und sauber integriert, sondern auch dauerhaft sicher betrieben und langfristig beherrschbar gemacht werden. Gerade mittelständische Unternehmen stoßen hier im Tagesgeschäft schnell an Grenzen. Oft fehlen die Zeit, die personellen Ressourcen oder das spezialisierte Know-how, um UCC-Plattformen mit der nötigen Tiefe zu überwachen und weiterzuentwickeln. Sicherheit wird dann schnell nebenbei mitverwaltet statt als fester Bestandteil des Betriebsmodells begriffen.
Genau das ist aber der entscheidende Unterschied: UCC-Sicherheit ist heute keine Produktfrage mehr. Sie ist eine Betriebsfrage. Bei der Auswahl externer Partner sollten KMU daher darauf achten, dass diese nicht nur punktuell beraten, sondern die operative Gesamtverantwortung für die Kommunikationsinfrastruktur mitdenken und weitreichende Managed Services anbieten. Das bedeutet in der Praxis: kontinuierliche Kontrolle von Zugängen, klare Governance, Überwachung von Datenflüssen und die aktive Steuerung der Plattform im Alltag. Ziel muss es sein, Sicherheit als dauerhaft gelebten Betriebszustand umzusetzen.
Früher war es wichtig, dass digitale Kommunikation reibungslos funktioniert. Heute misst sich ihre Qualität daran, wie sicher sie ist. Die Zahl der Cyberangriffe auf Kommunikationsinfrastruktur nimmt jährlich zu. Der Mittelstand riskiert daher viel, wenn er glaubt, er sei hinreichend gegen diese Gefahr geschützt, ohne die Schutzmechanismen regelmäßig zu prüfen und auf externe Partner zu vertrauen. Oder anders ausgedrückt: Es ist ein Trugschluss, zu glauben, die Tür sei abgeschlossen, wenn der Schüssel für Eindringlinge weiterhin unter der Fußmatte liegt.
Über den Autor: Dr. Sven Damberger ist geschäftsführender Gesellschafter der MVC Mobile VideoCommunication GmbH, einer der international führenden Anbieter für AV-, Digital Signage-, UCC- und Workplace-Technologien. Als Keynote Speaker und Experte für die Arbeitswelt von morgen setzt er Impulse für innovative, effiziente und menschlichere Formen der Zusammenarbeit.
Stand: 08.12.2025
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