Da wir täglich von Desinformation und Fake News getroffen werden, Daten in US-Clouds gespeichert werden und mehr Malware denn je unterwegs ist, stellten sich Politiker und Forscher in Berlin die Frage, wie die Forschung zu Cybersicherheit unsere Demokratie und unsere Daten schützen kann.
Die Cybersicherheit in Deutschland – eine Baustelle? Darüber wurde auf der Nationalen Konferenz IT-Sicherheitsforschung in Berlin diskutiert. Die Erwartungen an die neue Regierung und den neuen Bundestag sind hoch.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Vom 17. bis 19. März 2025 veranstaltete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Nationale Konferenz IT-Sicherheitsforschung in Berlin mit dem Leitthema „Cybersicherheit und Demokratie“. Eingeladen waren Teilnehmende aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, die sich zu aktuellen Themen und den jüngsten Forschungen – vor allem im Bereich Quantencomputing – austauschten. Zentrale Themen der Konferenz waren daneben der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die IT-Sicherheit, die Zunahme von KI-basierter Desinformation, die digitale Souveränität in Deutschland und Europa, menschenzentrierte IT-Sicherheit sowie digitale Freiheit und Privatheit.
Highlights der Nationalen Konferenz IT-Sicherheitsforschung
Der Security-Insider hat BSI-Präsidentin Claudia Plattner auf der Nationalen Konferenz IT-Sicherheitsforschung in Berlin zum Interview getroffen.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Die Referentenliste war hochkarätig, die Themen der Keynotes und der Plena topaktuell. So gab Prof. Dr. Michael Waidner, CEO des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit ATHENE, Professor an der TU Darmstadt und Leiter des Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT), in seiner Keynote einen Überblick zu dem, „Was die IT-Sicherheitsforschung für Deutschland leistet“. Auch Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hielt eine Keynote zur aktuellen Lage der Cybersicherheit in Deutschland und warum unsere Gesellschaft die IT-Sicherheitsforschung braucht.
Mit Frau Plattner haben wir uns nach ihrem Vortrag an zweiten Konferenztag zum Interview getroffen. Denn vor dem Hinblick der Zusammenarbeit des BSI mit Google, um sichere Cloud-Lösungen für den öffentlichen Sektor zu entwickeln, und auch mit Microsoft für die Delos-Cloud, haben wir uns gefragt, inwieweit man hier noch von einem digital souveränen Deutschland sprechen kann. Die Antwort der BSI-Präsidentin hören Sie hier:
Am Abend des 17. März fand zudem ein Erfindergeist-Slam statt. Daran haben fünf Forscherinnen und Forscher teilgenommen und ihre innovativen Ideen und Entwicklungen präsentiert.
Victor Jüttner: „Cybersecurity im Smart Home“
Jan Kettler: „Fairer Verkehr durch datenschützende Innovation“
Mira Stephan: „Zukunftssichere Kommunikation Quantenschlüsselübertragung in Verbindung mit optisch drahtloser Datenübertragung“
Michael Ullrich: „Geheimnisvolle Kommunikation mit Hochgeschwindigkeitsquantenschleudermaschinen in der Stratosphäre“
Ali Recai Yekta: „Hacking im Bereich der Fahrzeugsicherheit“
Gewonnen hat den Slam Jan Kettler, der aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Ingenieurswissenschaften und Informatik an der Hochschule Osnabrück ist. Seit April 2023 ist er allerdings auch CEO bei Transitsense, einem Software-Unternehmen, das sich mit seinen Lösungen an Mobilitätsbetriebe, Planungsgesellschaften, Gemeinden und Städte jeder Größe richtet, damit diese auf Basis von Daten bessere Entscheidungen treffen können. Damit beschäftigt sich Kettler auch im BMBF-geförderten Kompetenzcluster „IIP - Intelligenter Intermodaler Pendlerverkehr“.
Schuldenbremse und Sondervermögen für Infrastruktur und Sicherheit
Wie in den zahlreichen Vorträgen auf der Nationalen Konferenz IT-Sicherheitsforschung deutlich wurde, sind die Erwartungen an die neue Bundesregierung und den neuen Bundestag hoch. Mittlerweile sind ein Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro, teils für die Digitalisierung, sowie eine Lockerung der Schuldenbremse, die auch auf das Konto der Cybersicherheit einzahlen soll, beschlossen. Nun wird es darum gehen, die Mittel zu verteilen.
Dazu schlägt der Digitalverband Bitkom schlägt vor, den „Digitalpakt Deutschland“ zu schließen und aus dem Sondervermögen zu finanzieren, um gezielter die Digitalisierung und Deutschlands Souveränität voranzutreiben. Dieser Pakt könnte nach den Vorstellungen des Bitkom folgende vier Säulen umfassen:
1. 35 Milliarden Euro für die digitale Transformation der Wirtschaft
2. 50 Milliarden Euro für den Aufbau eines Deutschland Stacks, die Förderung von Schlüsseltechnologien sowie Infrastruktur
3. Zehn Milliarden Euro für die Verwaltungsdigitalisierung
Der Bitkom betont, dass die Mittel verantwortungsvoll ausgegeben werden müssen. Keine Maßnahme dürfe primär konsumtiv sein oder den laufenden Betrieb finanzieren. Zudem müsse jeder Maßnahme ein klarer Return on Invest gegenüberstehen, damit künftige Generationen davon profitieren können. Dafür brauche es messbare Key Performance Indicators und verbindliche Zeitpläne.
Stand: 08.12.2025
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