Die NATO-Partner einigten sich im Juni 2025 auf höhere Verteidigungsausgaben bis 2035 – auch für Cybersicherheit. Diese ist auch dringend nötig, denn der Cyberspace ist inzwischen ein zentraler Schauplatz moderner Kriegsführung geworden. KI-basierte Angriffe verschärfen die Bedrohung zusätzlich. Regierungen sehen sich daher zu umfangreichen Investitionen in die Cybersicherheit gezwungen.
Immer häufiger, immer ausgefeilter: Cyberangriffe bedrohen nicht nur Unternehmen, sondern ganze Staaten. Der NATO-Gipfel 2025 macht klar – ohne gezielte Investitionen in Cybersicherheit und Resilienz drohen Kontrollverlust, Vertrauensverlust und digitale Instabilität.
Die Lage der IT-Sicherheit ist nach wie vor besorgniserregend, so urteilt unter anderem das BSI. Zahlreiche Studien zeigen, dass Cyberangriffe immer häufiger und ausgefeilter werden. So berichteten 70 Prozent der im Rahmen des Arctic Wolf 2025 Trends Report befragten IT- und Security-Verantwortlichen, dass ihre Unternehmen im Jahr 2024 von mindestens einem schwerwiegenden Cyberangriff betroffen waren – Tendenz steigend. Und die Angriffe beschränken sich nicht auf Unternehmen: Erst Anfang Juli 2025 legten Cyberkriminelle die Webseite der Stadt Nürnberg lahm. Die Ausmaße solcher Attacken nehmen aber auch hier kein Ende. So wird die Bundeswehr immer wieder Ziel politisch motivierter Cyberangriffe. Und von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffene Länder wie die Ukraine sind kontinuierlichen Hackerattacken ausgesetzt.
NATO-Gipfel 2025: Verteidigung und Cybersicherheit im Fokus
Entsprechend lag der Fokus des diesjährigen NATO-Gipfels in Den Haag auf den sich ausweitenden geopolitischen Spannungen und angemessenen Gegenmaßnahmen darauf. Alle 32 Bündnispartner einigten sich daher auf den Ausbau der militärischen Stärke und Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Die Mitgliedsstaaten stimmten vor diesem Hintergrund dafür, fünf Prozent ihres BIP für die Verteidigung auszugeben. Davon sollen 3,5 Prozent in „klassische“ Verteidigungsausgaben wie etwa Waffensysteme und Gehälter des Verteidigungspersonals fließen. Weitere 1,5 Prozent werden in verteidigungsbezogene Bereiche wie die Cybersicherheit investiert.
Als militärisches Bündnis priorisiert die NATO in erster Linie Investitionen in offensive und defensive Cyberfähigkeiten der Mitgliedstaaten. Es bleibt jedoch auch finanzieller Spielraum für Investitionen in weitere wichtige Bereiche wie nationale Cybersicherheitsstrategien, öffentlich-private Partnerschaften und Organisationen, die Unternehmen beim Aufbau von Cyberresilienz unterstützen. Mit Blick auf die weltweite engmaschige Vernetzung digitaler Systeme ist dies ein nicht unwesentlicher Aspekt der Cyberabwehr. Denn schon ein einzelner erfolgreicher Angriff auf ein kleineres oder mittelständisches Unternehmen kann Cyberkriminellen den Zugang zu größeren Organisationen, Lieferketten und/oder KRITIS-Unternehmen ermöglichen.
Gezielte Investitionen: Stärkung der Cyberresilienz
Da Cybersicherheit ein sehr weites Feld ist, müssen Regierungen klare Prioritäten setzen. Vor allem, weil Investitionen nur dann wirksam sind, wenn sie in zielführende Maßnahmen und erprobte Ressourcen fließen. Länder wie Russland, China und Nordkorea scheinen über nahezu unbegrenzte Budgets zur Stärkung ihrer Cyberfähigkeiten zu verfügen. Der Beschluss der NATO-Mitgliedstaaten zur Investition von 1,5 Prozent des jeweiligen BIP in Cybersecurity ist daher dringend notwendig, aber lange nicht ausreichend. Die vereinbarten Ressourcen müssen auch strategisch und mit Fokus auf die Wirksamkeit investiert werden. Eindeutige und nachvollziehbare Gesetze und Regelungen müssen der teilweise bestehenden Zurückhaltung bei der Implementierung effizienter Cybermaßnahmen ein Ende setzen. Ebenso ist mehr Transparenz bei aktuellen digitalen Bedrohungen erforderlich. Die Europäische Union hat hierfür erst vor kurzem die European Union Vulnerability Database (EUVD) eingeführt, eine zentrale Sammelstelle für bekannte Sicherheitslücken und standardisierte Informationen, mit deren Hilfe Unternehmen ihre Systeme gezielt schützen können.
Für Nationalstaaten muss es Ziel sein, die nationale Cybersicherheit zu stärken und so den Schutz wichtiger Anlagen sicherzustellen. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben mit den Vorgaben von NIS2 dafür ein hilfreiches Regelwerk zur Stärkung der digitalen Abwehr an der Hand. Die EU-Richtline gibt den Weg vor, um Sektoren zu priorisieren und Anforderungen zu definieren, auf deren Basis gezielte Investitionsentscheidungen getroffen werden können.
Schutz kritischer Infrastrukturen: Sicheres Rückgrat der Gesellschaft
Die NATO-Mitgliedstaaten müssen einen besonderen Schwerpunkt auf Investitionen in den Schutz kritischer Infrastrukturen, den Austausch von Bedrohungsinformationen, die Sicherheit von OT- und Cloud-Systemen sowie auf die Ausbildung und Weiterentwicklung von Cybersicherheitspersonal legen. Diese Elemente sind entscheidend für die Stärkung des gesamten Cyber-Ökosystems.
Für einzelne Behörden wie Kommunen, Versorgungsdienstleister oder weitere relevante Institutionen ist es nötig, innovative Security-Technologie wie Zero-Trust-Architekturen, „Secure-by-Design“-Software (also Software, deren Entwicklung im Zeichen robuster Sicherheitsmaßnahmen steht) sowie Lösungen für Managed Detection and Response (MDR) und Endpoint Detection and Response (EDR) zu implementieren. Jedoch ist zunächst entscheidend, eine solide Sicherheitsbasis aufzubauen. Dies beinhaltet unter anderem: kontinuierliches System-Monitoring, regelmäßige Aktualisierungen der Systeme und zeitnahe Schwachstellen-Patches. Zudem ist es maßgeblich, dass zwischen Politik, Wirtschaft und einzelnen Unternehmen Zusammenarbeit und Wissensaustausch erfolgt, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und vor allem KRITIS-Unternehmen gezielt zu schützen.
Stand: 08.12.2025
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Lauernde Cybergefahren: Schon bald ist Zukunft Vergangenheit
Auch wenn staatliche Stellen zunächst für eine solide digitale Grundsicherheit sorgen und in bewährte Sicherheitsmaßnahmen wie Zero-Trust-Architektur investieren müssen, sollten sie gleichzeitig vorausschauend handeln. Die Entwicklung von Cyberbedrohungen schreitet stetig voran. Daher müssen vor allem KRITIS-Unternehmen und Behörden – aber nicht nur sie – auf neue Cyberbedrohungen vorbereitet sein. Schon jetzt unterstützen KI-Technologien Cyberbanden, politisch motivierte Bedrohungsakteure und Gelegenheitshacker bei ihren Machenschaften. Doch am Horizont lauern schon weitere Cyberbedrohungen, wie die Entschlüsselung bestmöglich codierter Daten durch Quantencomputing. Das ist keineswegs eine rein dystopische Vorstellung: China investiert massiv in Quanteninformatik und zählt zu den Vorreitern in diesem Bereich. Um dieser Bedrohung zu begegnen, sind Investitionen in die Vermeidung von Datendiebstahl sowie die zügige Umsetzung quantensicherer Verschlüsselungstechnologien notwendig.
Eine weitere zunehmende Bedrohung sind durch KI entwickelte oder sogar autonom initiierte Angriffe. Erst kürzlich imitierte ein bislang unbekannter Hacker mithilfe von KI US-Außenminister Marco Rubio, um Kontakt zu Regierungs- und Auslandsoffiziellen aufzunehmen. Derlei Vorkommnisse zerstören im schlimmsten Fall das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung und destabilisieren die Gesellschaft. Eine auf diese Art verunsicherte Gemeinschaft ist wiederum leichte Beute für weitere Angriffe.
Fazit: Cybersicherheit ist ein entscheidender Faktor zum Schutz der Zukunft
Adam Marrè ist der Chief Information Security Officer (CISO) von Arctic Wolf.
(Bild: Arctic Wolf)
Was 2022 mit dem NATO-Beschluss über den Aufbau einer Cyber Rapid Response Capability begonnen hat, fand auf dem NATO-Gipfel 2025 seine konsequente Fortsetzung. Und da sich die NATO-Mitgliedstaaten darauf geeinigt haben, einen festen Prozentsatz ihres BIP in die Verteidigung – einschließlich der Cybersicherheit – zu investieren, liegt es an den einzelnen Ländern, Pläne zu entwickeln, die die größtmögliche Absicherung ermöglichen. Regierungen sollten vorrangig in skalierbare, bewährte Technologien und Initiativen investieren, die die landesweite Cyberresilienz stärken. Gleichzeitig müssen sich die Verantwortlichen stets bewusst sein: Die Cyberlandschaft steht nie still – täglich entstehen neue Bedrohungen. Eine vom Netz ausgehende Gefahr ist kein Stoff kurzweiliger Science-Fiction mehr! Eine vorausschauende Cybersicherheitspolitik ist daher unerlässlich, denn nur so wird eine sichere Zukunft ermöglicht.