Ganzheitliche Prüfung statt Einzelmaßnahmen So wird Compliance vom Pflicht­programm zur integrierten Strategie

Ein Gastbeitrag von Andreas Baresel 5 min Lesedauer

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Mit der NIS2-Richtlinie steigt der Druck auf Unternehmen, IT-Compliance strukturiert, durchgängig und nachweisbar umzusetzen. Besonders der Mittelstand sieht sich erstmals mit weitreichenden regulatorischen Anforderungen konfrontiert – oft ohne klare Handlungsempfehlungen. Gefragt sind integrierte, serviceorientierte Modelle, die Sicherheit, Betrieb und Compliance ganzheitlich verbinden.

Bei der IT-Compliance reicht es nicht aus, einzelne technische Maßnahmen umzusetzen – entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Systems.(Bild: ©  Eliane - stock.adobe.com)
Bei der IT-Compliance reicht es nicht aus, einzelne technische Maßnahmen umzusetzen – entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Systems.
(Bild: © Eliane - stock.adobe.com)

Europa und Deutschland verschärfen ihre Anforderungen an die Cybersicherheit mit Nachdruck. Die NIS2-Richtlinie steht exemplarisch für eine neue Ära regulatorischer Vorgaben und fordert höhere technische und organisatorische Standards. Für viele Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, markiert das einen tiefgreifenden Wandel. Neu regulierte Branchen stehen plötzlich vor der Aufgabe, komplexe Sicherheitsvorgaben umzusetzen und deren Einhaltung umfassend zu dokumentieren.

Wer jetzt kein strukturiertes und nachvollziehbares Compliance-Management etabliert, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch Reputationsverlust und Wettbewerbsnachteile. Gefragt sind Lösungsansätze, die Unternehmen nicht allein lassen, sondern den Weg zur IT-Compliance als Service ermöglichen.

NIS2 verändert die Spielregeln

Mit der EU-NIS-2-Richtlinie wird IT-Compliance für viele Unternehmen zur Pflicht, auch für solche, die bisher nicht im Fokus regulatorischer Anforderungen standen. Betroffen sind nicht nur kritische Infrastrukturen, auch zahlreiche Unternehmen aus bislang unregulierten Branchen fallen künftig unter das Gesetz. Die Folge sind umfassende Prüf- und Nachweispflichten gegenüber Aufsichtsbehörden, die die Anforderungen an Organisation und Management deutlich verschärfen.

Die Richtlinie ist seit Oktober 2024 auf EU-Ebene anzuwenden. In Deutschland steht die nationale Umsetzung zwar noch aus, doch die neue Bundesregierung wird sie voraussichtlich zeitnah verabschieden. Unternehmen sollten sich daher vorbereiten.

Die Anforderungen sind hoch: Es braucht belastbare Prozesse, vollständige Dokumentation und eine funktionierende IT-Governance. Gleichzeitig erschweren zunehmende IT-Komplexität und wachsender Digitalisierungsdruck die Umsetzung. Die Einhaltung der Vorgaben erfordert erhebliche Ressourcen – Zeit, Fachpersonal und spezialisiertes Know-how.

Konkrete Anforderungen, wenig Anleitung

Die NIS2-Richtlinie definiert verbindliche Vorgaben für das Risikomanagement in der IT-Sicherheit. Konkret heißt das: Unternehmen müssen Sicherheitsmaßnahmen implementieren, klare Meldeprozesse etablieren und deren Einhaltung nachweisen können. Besonders herausfordernd ist das mehrstufige Meldeverfahren mit festen Fristen: Innerhalb von 24 Stunden nach einem Vorfall ist eine erste Meldung an die zuständige Behörde verpflichtend. Für diese Abläufe braucht es also definierte Prozesse und abgestimmte Schnittstellen, insbesondere im Zusammenspiel mit IT-Dienstleistern.

Die Anforderungen betreffen nicht nur technische Systeme, sondern auch Organisationsstrukturen, Zuständigkeiten und interne Prozesse. Verantwortlichkeiten müssen benannt, Dokumentationspflichten erfüllt und die Sicherheit bis in die Lieferkette hinein gewährleistet werden. Auch externe Dienstleister müssen in das Compliance-Management einbezogen werden.

Zugleich verschärft der anhaltende Fachkräftemangel die Situation. Es fehlt an erfahrenem Personal, das regulatorische Anforderungen umsetzen kann. Besonders Unternehmen, die durch NIS2 erstmals unter eine solche Regulierung fallen, stehen oft ohne konkrete Handlungsanleitung da. Der Gesetzgeber liefert keine praxisnahen Vorgaben. Diese Unternehmen sind gezwungen, ihre Compliance-Strategie im Bereich IT-Sicherheit eigenständig aufzubauen, häufig ohne ausreichende interne Ressourcen oder Erfahrung.

Ganzheitliche Prüfung statt Einzelmaßnahmen

Ein Vergleich aus dem Alltag verdeutlicht die Herausforderung, die sich darin verbirgt. Ein Fahrzeughalter ist gesetzlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sein Auto verkehrssicher und zugelassen ist. Das kann er kaum eigenständig leisten, deshalb bringt er es regelmäßig in die Werkstatt. Dort wird das gesamte Fahrzeug inspiziert und es werden technische Maßnahmen umgesetzt, zum Beispiel an der Bremsanlage, Elektronik oder Software. Direkt im Anschluss prüft der TÜV das Fahrzeug als Gesamtsystem, vergibt die Plakette und bestätigt, dass alle Vorschriften eingehalten wurden. Der Halter kann auf diesen Nachweis vertrauen und ihn bei einer Kontrolle vorlegen.

Genauso verhält es sich mit IT-Compliance. Es reicht nicht aus, einzelne technische Maßnahmen umzusetzen – entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Systems. Ein spezialisierter IT-Dienstleister übernimmt in diesem Szenario die Rolle der Werkstatt. Er sorgt dafür, dass alle erforderlichen Maßnahmen technisch und organisatorisch umgesetzt werden. Gleichzeitig arbeitet er eng mit Wirtschaftsprüfern und den Zertifizierern zusammen, um eine fundierte externe Bewertung und den regulatorischen Nachweis zu ermöglichen. Durch diese Kombination erhalten Unternehmen eine sichere, dokumentierte und revisionsfeste Grundlage für ihre IT-Compliance. Sie können sich auf die Nachweise der erfahrenen Experten stützen und diese jederzeit gegenüber Aufsichtsbehörden oder Geschäftspartnern vorlegen.

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Compliance Services als strategischer Lösungsweg

Bei der Umsetzung der NIS2-Anforderungen können externe Compliance Services deshalb gezielt entlasten. Unternehmen profitieren dabei von praxisnaher Beratung, standardisierten Verfahren und kontinuierlichen Anpassungen an neue regulatorische Entwicklungen. Anstatt den gesamten Prozess allein tragen zu müssen, können sie auf das Fachwissen spezialisierter Teams zugreifen. Das spart Ressourcen und erhöht gleichzeitig die Umsetzungsqualität. Denn Compliance darf nicht als isolierte Kontrollfunktion verstanden werden. Sie muss fester Bestandteil der IT-Governance sein. Es braucht eine systematische Verankerung von Compliance-Prozessen im IT-Betrieb und in der Architektur der Systeme. Ziel ist nicht die punktuelle Erfüllung einzelner Vorgaben, sondern der Aufbau einer nachhaltigen Compliance-Architektur, die regulatorische Anforderungen vorausschauend adressiert.

Darin liegen klare Chancen: effizientere Abläufe, reduzierte Risiken und bessere Entscheidungsgrundlagen für das Management. Compliance ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein strategischer und kontinuierlicher Prozess. Die Fähigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Wichtig ist dabei die Wahl eines Partners, der von Beginn an mitdenkt: Sicherheitsstandards, Reporting und Nachweisführung müssen Bestandteil der Services sein. Aktive Kontrollen müssen dann nicht mehr intern entwickelt werden, sondern stehen als schlüsselfertige Komponente bereit.

Hilfreich sind dabei zudem standardisierte IT-Services, die sich Unternehmen modulartig zusammenstellen und so Leistungen individuell auf ihre Bedürfnisse erhalten können. Durch diesen modularen Aufbau kann zum Beispiel das geforderte Sicherheitsniveau über alle Services hinweg sichergestellt und so der Spagat zwischen den hohen Anforderungen und dem Unternehmensbedürfnis gemeistert werden. Deswegen sollten IT-Dienstleister optimalerweise eine solche ganzheitliche IT-Servicefabrik bieten, in der alle erforderlichen Dienstleistungen wie zum Beispiel auch Security oder Cloud Services aus einer Hand kommen. So kann die IT-Landschaft auf die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt werden und zeitgleich einen sicheren und regulationskonformen Betrieb sichern.

Compliance mit System

IT-Compliance und IT-Sicherheit sind keine optionalen Ergänzungen, sondern zentrale Bestandteile jeder zukunftsfähigen IT-Strategie im regulierten Umfeld. Insbesondere bei IT-Outsourcing-Vorhaben müssen sie von Anfang an mitgedacht werden. Wer jetzt auf einen strukturierten, technologisch gestützten und organisatorisch fundierten Ansatz setzt, schafft neben Sicherheit auch Stabilität und Transparenz.

Unterstützen können dabei modulare IT-Services, die individuell kombinierbar sind und regulatorische Anforderungen über alle Bereiche hinweg abdecken. Entscheidend ist ein integriertes Serviceangebot, das Betrieb, Sicherheit und Compliance konsequent zusammenführt.

Über den Autor: Andreas Baresel ist seit März 2022 Vorstandsvorsitzender der DATAGROUP SE und war davor seit 2018 Mitglied des Vorstands. Er ist für die Ressorts Finanzen, Legal, Investor Relations, Mergers & Acquisitions sowie für das Portfolio verantwortlich. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre hatte Andreas Baresel verschiedene leitende Positionen mit den Schwerpunkten Business Development und Portfolio-Entwicklung im Bereich IT-Consulting und Managed IT-Services inne.

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