NKCS Fachkonferenz 2025 Forschung und Politik treiben Europas digitale Souveränität voran

Von Melanie Staudacher 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Bei der NKCS Fachkonferenz 2025 in Köln diskutierten Vertreter aus For­schung, Wirtschaft und Verwaltung über Europas digitale Souveränität. Das NKCS rief dazu auf, aktuelle Bedarfe zu teilen, um künftige EU-Förder­pro­gramme gezielter gestalten zu können.

Das Nationale Koordinierungszentraum für Cybersicherheit unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, europäische Fördermittel für ihre eigene Forschung und Entwicklung zu erhalten und somit zur Digitalen Souveränität beizutragen.(Bild: ©  Daniel - stock.adobe.com)
Das Nationale Koordinierungszentraum für Cybersicherheit unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, europäische Fördermittel für ihre eigene Forschung und Entwicklung zu erhalten und somit zur Digitalen Souveränität beizutragen.
(Bild: © Daniel - stock.adobe.com)

Am 30. Oktober 2025 fand die Fachkonferenz des Nationalen Koordinierungszentrums für Cyber­sicherheit (NKCS) unter dem Motto „Synergien fördern, Souveränität stärken“ in Köln statt. Es kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie, Behörden und Start-ups zusammen, um über Wege zu mehr digitaler Unabhängigkeit und Sicherheit in Europa zu diskutieren. Zur Begrüßung richtete Robert Heinrich, Unterabteilungsleiter für Digital­wirt­schaft, Künstliche Intelligenz und Daten im Bundesministerium für Digitales und Staatsmoder­ni­sierung, virtuell zugeschaltet, das Wort an die Teilnehmenden: „ Meine Damen und Herren, 202 Milliarden Euro. Sie alle kennen diese Zahl, da bin ich mir sicher. Sie beschreibt den jähr­lichen Schaden der deutschen Wirtschaft, der durch Cyberangriffe entsteht [Anmerkung der Redaktion: laut der Wirtschaftsschutz-Studie 2025 des Bitkom]. Die Welt ist ohne Zweifel unsicherer geworden und diese Entwicklung hält an. Die Cyberbedrohungslage ist weiterhin sehr hoch. Deshalb ist die Fähigkeit, Cybersicherheitsangriffe abzuwehren, essentiell und kann an Bedeutung nicht überbetont werden.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Für die Cybersicherheitswirtschaft gebe es hinsichtlich der akuten Bedrohungen noch aller­hand zu tun. Gleichzeitig könne sich Europa nicht mehr auf die Partner verlassen, auf die es sich Jahrzehnte lang verlassen habe. Daher brauche es eine souveräne Kontrolle über die für die Cybersecurity zentralen Tech­no­logien  und die Infrastrukturen ihrer Anwendung. Und um Kontrolle zu entwickeln, müssen deutsche wie auch europäische Unternehmen, diese Tech­no­lo­gien und Infrastrukturen selbst entwickeln. Doch das kostet Geld. Geld, welches die EU im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungen bereitstellt. Und hier kommt das NKCS ins Spiel.

Was ist das NKCS?

Das Nationale Koordinierungszentrum für Cybersicherheit wurde 2021 gegründet und ist eine deutsche Plattform zur Förderung von Forschung und Innovation im Bereich Cyber­sicher­heit. Sein Ziel ist es, Forschung, Industrie und Behörden im Bereich Cybersicherheit europaweit zu vernetzten und informiert über nationale und europäische Förderprogramme und unter­stützt bei der Antragstellung. Das NKCS ist Teil eines EU-weiten Netzwerks, das dem European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) untersteht, und zielt darauf ab, die deutsche und europäische Cybersicherheitskompetenz zu stärken.

Als deutsche Anlaufstelle ist das NKCS dem Bundesamt für Sicherheit in der Informations­technik (BSI) zugeordnet, welches als Kopfstelle fungiert. Forschungspartner und technische Beitragsträger des NKCS sind der DLR Projektträger (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und das Forschungsinstitut Code, welches zur Universität der Bundeswehr München gehört. Zu den konkreten Aufgaben des Zentrums gehören unter anderem folgende:

  • Koordination und Vernetzung: Aufbau und Steuerung des deutschen Kompetenznetzwerks für Cybersicherheit sowie Vernetzung von Forschung, Industrie und Behörden auf nationaler und europäischer Ebene.
  • Förderberatung und Projektunterstützung: Information und Begleitung bei EU-Förder­programmen wie Digital Europe und Horizon Europe von der Antragstellung bis zur Projektumsetzung.
  • Stärkung von Innovation und Wirtschaft: Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Sicherheitslösungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
  • Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen: Kooperation mit Partnern wie dem DLR, Fraunhofer, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit in Deutschland Athene und dem Code-Institut, um Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen.
  • Beitrag zur europäischen Cybersicherheitsstrategie: Unterstützung des ECCC und Umsetzung der EU-Ziele für mehr digitale Souveränität und Resilienz in Europa.

Die Programme Digital Europe und Horizon Europe sind aktuell die zwei zentralen und be­kanntesten Förderprogramme der EU zur Cybersicherheit, Digitalisierung, Forschung und Innovation. Sie ergänzen sich, zielen aber auf unterschiedliche Phasen ab: Während die Projekte von Horizon Europe sich auf Forschung und Entwicklung fokussieren, geht es bei Digital Europe um die Umsetzung und den Aufbau der notwendigen Infrastruktur, um die Entwicklungen in den Markt zu überführen.

Beide Programme laufen vpn 2021 bis 2027 und sind mit erheblichen Mitteln ausgestattet. Das Digital Europe Programme verfügt über ein Budget von rund 7,5 Milliarden Euro und kon­zen­triert sich auf die Einführung digitaler Schlüsseltechnologien in Wirtschaft und Verwaltung. Gefördert werden unter anderem Projekte zu Cybersicherheit, Künstlicher Intelligenz, Daten­in­frastrukturen, High Performance Computing (HPC) und digitalen Kompetenzen. Ziel ist es, Europas digitale Souveränität zu stärken, Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen und den Aufbau sicherer digitaler Ökosysteme in allen Mitgliedsstaaten zu unterstützen. Für Horizon Europe stellt die EU rund 95,5 Milliarden Euro bereit, damit ist es das größte For­schungs- und Innovationsprogramm Europas. Es unterstützt Forschungsinstitutionen, Hochschulen, Start-ups und Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien, insbesondere in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Quantenkommunikation, Cyber­sicherheit, Energie und Raumfahrt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Aktuelle Ausschreibungen der EU

Horizon Europe:
  • Generative AI for Cybersecurity applications
  • New advanced tools and processes for Operational Cybersecurity
  • Privacy Enhancing Technologies
  • Integration of Post-Quantum Cryptography (PQC) algorithms into high-level protocols
  • Security of implementations of Post Quantum Cryptography algorithms
  • Security evaluations of Post-Quantum Cryptography (PQC) primitives

    Digital Europe:
  • Uptake of innovative cybersecurity solutions for SMEs
  • Cybersecurity tools, technologies and services relying on AI

  • Digitale Souveränität als europäisches Leitmotiv

    Der Tag war geprägt von Diskussionen rund um die Digitale Souveränität Europas. Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des Cyberintelligence Institutes, eröffnete die Kon­ferenz mit einem Impulsvortrag dazu. Er betonte, dass Europas strategische Hand­lungs­fähigkeit in einer zunehmend vernetzten Welt davon abhänge, technologische Abhängigkeiten zu re­du­zieren und eigene Kompetenzen in Schlüsseltechnologien aufzubauen. Während Deutschland und Europa in vielen Bereichen bereits eigene Software vorweisen könnten, fehle es jedoch an einer Vollintegration in ein Ökosystem.

    Auch Martin Hullin, Director, Network for Technological Resilience & Sovereignty bei der Ber­telsmann Stiftung, ist eine starke Stimme für die Digitale Souveränität. Passend zu seinem Vorredner stellte Hullin das Gedankenmodell „Eurostack“ vor. Dieses beschreibt ein euro­pä­isches, digitales Ökosystem, das aus miteinander verbundenen technologischen Schichten besteht und darauf abzielt, Europas digitale Souveränität durch offene, interoperable und wertebasierte Infrastrukturen zu sichern. Hullin zufolge sind die Kernkomponenten des Eurostacks:

    • SovereignAI & DataCommons
    • SmartEurope IoT
    • EuroConnect
    • EuroChips
    • SovereignCloud
    • EuroOS

    Bedarfe von heute für die Förderung von morgen

    Das NKCS selbst ist aus dem europäischen Gedanken der Digitalen Souveränität heraus ent­standen. Als Bindeglied zwischen nationalen Akteuren und der EU soll es sicherstellen, dass deutsche Interessen, Forschungsbedarfe und Innovationspotenziale in die europäische Cyber­sicherheitsstrategie einfließen. Die Fachkonferenz diente daher nicht nur dem fachlichen Austausch, sondern vor allem dem Netzwerken und Erfassen aktueller Themen und Heraus­forderungen aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung. Dr. Dörte Rappe, Leiterin des NKCS, Referatsleiterin für Technologie- und Forschungsstrategie beim BSI und stellver­tretendes Mitglied des Verwaltungsrates des ECCC, rief die Teilnehmenden dazu auf, ihre Perspektiven und Bedarfe aktiv einzubringen, damit das Zentrum diese gesammelt an das übergeordnete European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) weitergeben kann. Auf dieser Grundlage kann die EU anschließend gezielte Förderaufrufe und Programme entwickeln, die den tat­säch­lichen Bedarf der europäischen Cybersicherheits-Community widerspiegeln. „Wir sind für Sie da, also sagen Sie uns, was Sie brauchen!“

    (ID:50611366)