Bei der NKCS Fachkonferenz 2025 in Köln diskutierten Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung über Europas digitale Souveränität. Das NKCS rief dazu auf, aktuelle Bedarfe zu teilen, um künftige EU-Förderprogramme gezielter gestalten zu können.
Das Nationale Koordinierungszentraum für Cybersicherheit unterstützt Unternehmen und Organisationen dabei, europäische Fördermittel für ihre eigene Forschung und Entwicklung zu erhalten und somit zur Digitalen Souveränität beizutragen.
Am 30. Oktober 2025 fand die Fachkonferenz des Nationalen Koordinierungszentrums für Cybersicherheit (NKCS) unter dem Motto „Synergien fördern, Souveränität stärken“ in Köln statt. Es kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie, Behörden und Start-ups zusammen, um über Wege zu mehr digitaler Unabhängigkeit und Sicherheit in Europa zu diskutieren. Zur Begrüßung richtete Robert Heinrich, Unterabteilungsleiter für Digitalwirtschaft, Künstliche Intelligenz und Daten im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, virtuell zugeschaltet, das Wort an die Teilnehmenden: „ Meine Damen und Herren, 202 Milliarden Euro. Sie alle kennen diese Zahl, da bin ich mir sicher. Sie beschreibt den jährlichen Schaden der deutschen Wirtschaft, der durch Cyberangriffe entsteht [Anmerkung der Redaktion: laut der Wirtschaftsschutz-Studie 2025 des Bitkom]. Die Welt ist ohne Zweifel unsicherer geworden und diese Entwicklung hält an. Die Cyberbedrohungslage ist weiterhin sehr hoch. Deshalb ist die Fähigkeit, Cybersicherheitsangriffe abzuwehren, essentiell und kann an Bedeutung nicht überbetont werden.“
Für die Cybersicherheitswirtschaft gebe es hinsichtlich der akuten Bedrohungen noch allerhand zu tun. Gleichzeitig könne sich Europa nicht mehr auf die Partner verlassen, auf die es sich Jahrzehnte lang verlassen habe. Daher brauche es eine souveräne Kontrolle über die für die Cybersecurity zentralen Technologien und die Infrastrukturen ihrer Anwendung. Und um Kontrolle zu entwickeln, müssen deutsche wie auch europäische Unternehmen, diese Technologien und Infrastrukturen selbst entwickeln. Doch das kostet Geld. Geld, welches die EU im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungen bereitstellt. Und hier kommt das NKCS ins Spiel.
Das Nationale Koordinierungszentrum für Cybersicherheit wurde 2021 gegründet und ist eine deutsche Plattform zur Förderung von Forschung und Innovation im Bereich Cybersicherheit. Sein Ziel ist es, Forschung, Industrie und Behörden im Bereich Cybersicherheit europaweit zu vernetzten und informiert über nationale und europäische Förderprogramme und unterstützt bei der Antragstellung. Das NKCS ist Teil eines EU-weiten Netzwerks, das dem European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) untersteht, und zielt darauf ab, die deutsche und europäische Cybersicherheitskompetenz zu stärken.
Als deutsche Anlaufstelle ist das NKCS dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugeordnet, welches als Kopfstelle fungiert. Forschungspartner und technische Beitragsträger des NKCS sind der DLR Projektträger (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und das Forschungsinstitut Code, welches zur Universität der Bundeswehr München gehört. Zu den konkreten Aufgaben des Zentrums gehören unter anderem folgende:
Koordination und Vernetzung: Aufbau und Steuerung des deutschen Kompetenznetzwerks für Cybersicherheit sowie Vernetzung von Forschung, Industrie und Behörden auf nationaler und europäischer Ebene.
Förderberatung und Projektunterstützung: Information und Begleitung bei EU-Förderprogrammen wie Digital Europe und Horizon Europe von der Antragstellung bis zur Projektumsetzung.
Stärkung von Innovation und Wirtschaft: Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Sicherheitslösungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen: Kooperation mit Partnern wie dem DLR, Fraunhofer, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit in Deutschland Athene und dem Code-Institut, um Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen.
Beitrag zur europäischen Cybersicherheitsstrategie: Unterstützung des ECCC und Umsetzung der EU-Ziele für mehr digitale Souveränität und Resilienz in Europa.
Die Programme Digital Europe und Horizon Europe sind aktuell die zwei zentralen und bekanntesten Förderprogramme der EU zur Cybersicherheit, Digitalisierung, Forschung und Innovation. Sie ergänzen sich, zielen aber auf unterschiedliche Phasen ab: Während die Projekte von Horizon Europe sich auf Forschung und Entwicklung fokussieren, geht es bei Digital Europe um die Umsetzung und den Aufbau der notwendigen Infrastruktur, um die Entwicklungen in den Markt zu überführen.
Beide Programme laufen vpn 2021 bis 2027 und sind mit erheblichen Mitteln ausgestattet. Das Digital Europe Programme verfügt über ein Budget von rund 7,5 Milliarden Euro und konzentriert sich auf die Einführung digitaler Schlüsseltechnologien in Wirtschaft und Verwaltung. Gefördert werden unter anderem Projekte zu Cybersicherheit, Künstlicher Intelligenz, Dateninfrastrukturen, High Performance Computing (HPC) und digitalen Kompetenzen. Ziel ist es, Europas digitale Souveränität zu stärken, Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen und den Aufbau sicherer digitaler Ökosysteme in allen Mitgliedsstaaten zu unterstützen. Für Horizon Europe stellt die EU rund 95,5 Milliarden Euro bereit, damit ist es das größte Forschungs- und Innovationsprogramm Europas. Es unterstützt Forschungsinstitutionen, Hochschulen, Start-ups und Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien, insbesondere in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Quantenkommunikation, Cybersicherheit, Energie und Raumfahrt.
Stand: 08.12.2025
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Aktuelle Ausschreibungen der EU
Horizon Europe:
Generative AI for Cybersecurity applications
New advanced tools and processes for Operational Cybersecurity
Privacy Enhancing Technologies
Integration of Post-Quantum Cryptography (PQC) algorithms into high-level protocols
Security of implementations of Post Quantum Cryptography algorithms
Security evaluations of Post-Quantum Cryptography (PQC) primitives
Digital Europe:
Uptake of innovative cybersecurity solutions for SMEs
Cybersecurity tools, technologies and services relying on AI
Der Tag war geprägt von Diskussionen rund um die Digitale Souveränität Europas. Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des Cyberintelligence Institutes, eröffnete die Konferenz mit einem Impulsvortrag dazu. Er betonte, dass Europas strategische Handlungsfähigkeit in einer zunehmend vernetzten Welt davon abhänge, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und eigene Kompetenzen in Schlüsseltechnologien aufzubauen. Während Deutschland und Europa in vielen Bereichen bereits eigene Software vorweisen könnten, fehle es jedoch an einer Vollintegration in ein Ökosystem.
Auch Martin Hullin, Director, Network for Technological Resilience & Sovereignty bei der Bertelsmann Stiftung, ist eine starke Stimme für die Digitale Souveränität. Passend zu seinem Vorredner stellte Hullin das Gedankenmodell „Eurostack“ vor. Dieses beschreibt ein europäisches, digitales Ökosystem, das aus miteinander verbundenen technologischen Schichten besteht und darauf abzielt, Europas digitale Souveränität durch offene, interoperable und wertebasierte Infrastrukturen zu sichern. Hullin zufolge sind die Kernkomponenten des Eurostacks:
Das NKCS selbst ist aus dem europäischen Gedanken der Digitalen Souveränität heraus entstanden. Als Bindeglied zwischen nationalen Akteuren und der EU soll es sicherstellen, dass deutsche Interessen, Forschungsbedarfe und Innovationspotenziale in die europäische Cybersicherheitsstrategie einfließen. Die Fachkonferenz diente daher nicht nur dem fachlichen Austausch, sondern vor allem dem Netzwerken und Erfassen aktueller Themen und Herausforderungen aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung. Dr. Dörte Rappe, Leiterin des NKCS, Referatsleiterin für Technologie- und Forschungsstrategie beim BSI und stellvertretendes Mitglied des Verwaltungsrates des ECCC, rief die Teilnehmenden dazu auf, ihre Perspektiven und Bedarfe aktiv einzubringen, damit das Zentrum diese gesammelt an das übergeordnete European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) weitergeben kann. Auf dieser Grundlage kann die EU anschließend gezielte Förderaufrufe und Programme entwickeln, die den tatsächlichen Bedarf der europäischen Cybersicherheits-Community widerspiegeln. „Wir sind für Sie da, also sagen Sie uns, was Sie brauchen!“