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10 Jahre elektronischer Personalausweis Online-Funktion wird kaum genutzt

Autor: Julia Mutzbauer

Seit zehn Jahren gibt es den elektronischen Personalausweis in Deutschland. Eine Bitkom-Umfrage zeigt jetzt: Das Interesse an der Online-Funktion ist grundsätzlich groß. Doch diese wird bisher kaum genutzt.

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Viele Bürger würden den elektronischen Personalausweis zur Authentifizierung bei digitalen Behördengängen nutzen
Viele Bürger würden den elektronischen Personalausweis zur Authentifizierung bei digitalen Behördengängen nutzen
(© mhp – stock.adobe.com)

Sieben von zehn Bundesbürgern (69 Prozent) würden den elektronischen Personalausweis gern einsetzen, um sich bei digitalen Behördengängen zu identifizieren. Die 18- bis 29-Jährigen sind am aufgeschlossensten und würden diese Funktion zu 79 Prozent nutzen. Bei den Senioren ab 65 Jahren sind es immerhin noch 60 Prozent. So das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.000 Personen ab 18 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Der Wohnort spielt dabei jedoch keine Rolle. Aus der Studie geht hervor: Die Bereitschaft zur Nutzung des elektronischen Identitätsnachweises (eID) zur Authentifizierung bei Online-Behördengängen ist in Städten genauso hoch wie in ländlichen Regionen. „Es gibt in allen Bevölkerungsgruppen eine klare Mehrheit, die den elektronischen Personalausweis zur Authentifizierung bei digitalen Behördengängen nutzen würde“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die Politik ist gefordert, die entsprechenden Angebote und Leistungen so einfach und komfortabel wie möglich zu gestalten, damit dieses Potenzial endlich ausgeschöpft wird“, betont Berg.

Das Ziel: Bis Ende 2020 sollen seit Einführung 2010 insgesamt 75 Millionen elektronische Personalausweise ausgegeben werden. Seit 2017 ist die eID-Funktion bereits bei der Ausgabe standardmäßig aktiviert. Zuvor lag die Aktivierungsquote für den Online-Ausweis bei etwa einem Drittel. „Es war ein Geburtsfehler der eID, dass sie anfangs nicht automatisch aktiviert wurde und in den Bürgerämtern teilweise sogar davon abgeraten wurde, sie zu nutzen“, kritisiert Achim Berg. Es fehle auch an Anwendungen, an einem effektiven Marketing zu den Mehrwerten und einer nutzerorientierten Umsetzung.

Derzeit können sich Bürger bereits für verschiedenste Dienste elektronisch ausweisen. Mithilfe der eID-Funktion können beispielsweise Anträge wie Bafög, Führungszeugnis und Kfz-Zulassungen online bei der jeweiligen Behörde gestellt werden. Aber auch für Leistungen von Banken, Versicherungen, der Deutschen Bahn und Deutschen Post können Nutzer sich aus der Ferne mit dem Ausweis identifizieren. Auf dem Ausweis-Chip sind Name, Anschrift und Geburtstag gespeichert. Der Datenzugriff erfolgt dabei per Zwei-Faktor-Authentifizierung und kann auch über eine Smartphone-App genutzt werden.

Zudem sollen auf Grundlage des Onlinezugangsgesetzes (OZG) 575 Verwaltungsdienstleistungen bis Ende 2022 online freigeschaltet werden. Die Online-Funktion des Personalausweises soll nach den Plänen des Bundes einfacher gestaltet und an den Bedürfnissen des Nutzers ausgerichtet werden. „Die ersten zehn Jahre haben gezeigt, dass eine gute Idee nicht funktioniert, wenn sie schlecht umgesetzt wird“, resümiert Berg. „Jetzt muss es darum gehen, den Online-Ausweis und weitere bereits verfügbare Fern-Identifizierungsmethoden mit intuitiver Anwendung, vielen nützlichen Funktionen und weiterhin hohen Sicherheitsanforderungen zum neuen Standard zu machen“, fordert der Bitkom Präsident.

Deshalb will sich der Bitkom dafür einsetzen, die Potenziale der Fern-Identifizierung schnellstmöglich in die Breite zu bringen. „Dafür müssen jetzt vor allem die Mittel der europäischen eIDAS-Verordnung in Wirtschaft und Behörden schnellstmöglich und flächendeckend zur Anwendung kommen“, so der Digitalverband. Mit Blick auf die Umsetzung müsse die Politik europaweite Rahmenbedingungen schaffen. Der Bitkom spricht sich außerdem dafür aus, dass die Anwendungsbereiche im alltäglichen Leben stark ausgebaut werden. Gefördert werden könne das durch die Realisierung der obligatorischen Akzeptanz von eIDAS-Diensten in Services und Apps.

Dienstleistungen von Verwaltungen und auch Unternehmen sollten medienbruchfrei online angeboten werden – das gelte besonders vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. „Behörden müssen auch bei eingeschränkten Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten in der Lage sein, ihre Dienstleistungen uneingeschränkt anzubieten und dies sowohl auf dem nationalen als auch europäischen Markt. Zu etablieren sind durchgängig digitale Workflows, die auch dann funktionieren, wenn Behörden geschlossen sind. Der positive Nebeneffekt ist, dass dadurch auch die Kosteneffizienz bei den eingesetzten Fachverfahren steigt“, erläutert der Bitkom.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing