Ransomware-Angriffe auch auf Backups sind eine Horrorvorstellung für Unternehmen. Das französische Unternehmen Oxibox schützt Daten nach dem Backup und stellt sie nach Cyberangriffen sofort wieder zur Verfügung.
Ein wahrer Alptraum, der viel zu oft Realität wird: Cyberkriminelle greifen nicht nur die Daten und die IT-Infrastruktur des Unternehmens an, sondern die Backups. Das französische Unternehmen Oxibox verspricht Abhilfe.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Oft müssen Anwender mehrere Backup-Lösungen kombinieren, um alle wichtigen Daten zu sichern. Das erhöht den Arbeits-, Lern- und Supportaufwand, obwohl oft genug Schutzlücken bleiben. Außerdem sollen Daten nach einer Cyberattacke möglichst sofort wieder zur Verfügung stehen – häufig eine Illusion, unter anderem weil Wiederherstellungstests nur selten gefahren werden. Schließlich nützt es wenig, Daten im ungeschützten Raum wiederherzustellen, weil nochmalige Verschlüsselung droht. Das gilt es also zu verhindern.
Allen diesen Gefahren will das französische Unternehmen Oxibox, vorgestellt auf einer IT-Press-Tour in Amsterdam, entgegentreten. Gegründet wurde die Firma 2019. Inzwischen erhielt sie einen Preis für ihre innovative Technologie.
Der Grundgedanke hinter Oxibox’ Lösungen ist, dass Backup allein nicht mehr ausreicht, weil die Datensicherungen angegriffen werden. Backup-Systeme lassen sich gar dazu nutzen, Schadsoftware im Unternehmen zu verbreiten. Das geschieht, indem infizierte gesicherte Daten bei der Wiederherstellung auf Primärsysteme aufgespielt werden. Unveränderliche Backups, Tape als Backup-Ressource und andere Schutzmethoden dagegen sind oft teuer oder sehr aufwändig.
Oxibox hat eine neuartige Lösung für dieses Problem entwickelt, die besonders sicher ist. Kunden haben die Wahl zwischen einer Commodity-Appliance, die als Teil des Abos angeboten wird, Cloud- oder Software-Deployment.
Oxibox sichert Daten aller möglichen Datenquellen außer mobiler Telefone unveränderlich, verschlüsselt sie an der Quelle und über alle Stadien, dedupliziert die verschlüsselten Daten und trennt die Backups von der übrigen Infrastruktur.
Schutz über Posix-kompatibles Filesystem-Frontend und regelbasierte Verhaltensanalyse
Oxibox’ Filesystem-Frontend UDP, in dem die Verhaltensweisen bei Ein- und Ausgabe analysiert werden, sitzt zwischen eigentlichem File- und Backup-System.
(Bild: Oxibox)
Um Angriffe abzuwehren, hat Oxibox mit UDP ein Posix-kompatibles Filesystem-Frontend entwickelt, das zwischen dem unterliegenden Filesystem und der Netzwerkschnittstelle zum Backup-System sitzt. Dadurch werden Direktzugriffe durch Angreifer aufs Filesystem verhindert.
Oxibox analysiert regelbasiert zur Abwehr von Angriffen nicht die Daten, sondern lediglich die Verhaltensweisen bei Ein-/Ausgabeoperationen. Dabei gibt es spezielle Regeln für jeden Backup-Anbieter, jede Version und jedes Transportprotokoll, die dann in die jeweilige Anwendung importiert werden.
Oxibox entwickelt diese Regeln mit Hilfe von AI außerhalb der Systeme, also nicht kundenspezifisch. Für jede Variante werden rund zehntausend Backup-Durchgänge mit unterschiedlichen Datentypen et cetera durchgeführt, um zu erkennen, was normales Verhalten ausmacht. Abweichungen davon werden als Angriff gewertet.
Auf der Primär-Storage werden Agenten installiert. Die Analyse der Backup-Daten geschieht mit 1 ms Latenz, Auf- und Zurückspielen erfolgen mit einer Bandbreite von mehr als 40 Gbit/s. Noch im laufenden Jahr soll eine Version mit 100 Gbit/s folgen. Gleichzeitig bietet Oxibox ein komplettes Backup-System an, das separat gekauft werden kann. Die Lösung arbeitet aber mit allen wichtigen Backup-Lösungen zusammen.
Zielgruppe Mittelstand
Zielgruppe ist vor allem der Mittelstand, wobei Oxibox selbst ausschließlich MSPs und Reseller direkt adressiert. Letztere verkaufen dann entsprechende Services oder das Oxibox-Produkt an Endkunden. MSPs labeln Oxibox-basierende Dienste meist entsprechend.
Geschützt werden können Datenbanken, Container, virtuelle Maschinen und andere Datenquellen, ob geclustert oder nicht. Oxibox unterstützt neben den üblichen Betriebssystemen VMware und Hyper-V sowie KVM- und Zen-basierte Lösungen einschließlich Proxmox und Nutanix.
Für Kunden, die keine Appliance-Lösung wünschen, veröffentlicht Oxibox die notwendigen Hardwarespezifikationen. Systeme werden allerdings nicht zertifiziert. Laut Geschäftsführer François Esnol-Feugeas sind die Mindest-Hardwareanforderungen überschaubar.
Das Preismodell basiert auf gesicherten Datenvolumina. Für Endkunden empfiehlt Oxibox Mindestpreise von 29 Euro monatlich (ausschließlich Software), 39 Euro monatlich (Cloud-Service) und 79 Euro, falls vor Ort eine Oxibox-Appliance implementiert wird. Von MSPs verlangt Oxibox seinerseits bei Software- und Implementierung als Cloud-Service pro TByte 49 Euro pro Jahr und für eine Appliance-Lösung 99 Euro pro TByte und Jahr.
Der wichtigste Wettbewerber ist Rubrik. Demgegenüber reklamiert Oxibox geringere Anforderungen, einfachere Handhabung und günstigere Preise.
Deutsche Kunden müssen aktuell übers Web kaufen
Aktuell gibt es rund 6.000 Kunden, vorwiegend in Frankreich. In Deutschland hat Oxibox derzeit noch keinen Handelspartner. Deutsche Kunden können daher aktuell nur direkt übers Web mit englischsprachigem Support durch Oxibox kaufen. Mit EET gibt es einen ersten Distributor mit Sitz in Dänemark, der ganz Europa betreut. Gespräche mit weiteren Distributoren, deutschen MSPs und Resellern laufen. Bis Jahresende soll das Geschäft mit zwei weiteren europäischen Ländern hochgefahren werden. Ob Deutschland dabei ist, steht noch nicht fest.
Stand: 08.12.2025
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