Private Rasterfahndung

Profiling und Geolocation mittels Open-Source-Tool und GSM-Daten

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Soziale Kontakte überführen Saddam Hussein

Major Brian J. Reed suchte mit diesen Techniken von März 2003 bis März 2004 im Irak nach Saddam Hussein und wurde fündig. Von entscheidender Bedeutung war dabei ein zufällig gefundenes Fotoalbum.

Anhand der Aufnahmen gelang es Reed und seinen Männern, ein präzises mathematisches Abbild der verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und beruflichen Beziehungen des Diktators zu gewinnen. In diesem Netzwerk war der frühere Machthaber des Irak gefangen, ohne dass er es ahnte.

Die US-Streitkräfte überprüften jeden möglichen Fluchtort. Schließlich schnappte die Falle bei einem Bekannten zu und er wurde gefangengenommen. Wie die deutsche Software-Ingenieurin und Mathematikerin Jana Diesner unterstrich, sei es so bereits auch etlichen Mafiosi ergangen. Dank Open-Source-Projekten wie Maltego ist es heute aber nicht länger ein Privileg von Regierungsstellen, soziale Raster anzulegen.

Geolocation auf Basis der GSM-Einwahldaten

Auf ein weiteres Sicherheitsrisiko wies der Berliner IT-Berater und Krypto-Experte Karsten Nohl hin. Jeder Handy- oder Smartphone-Nutzer zieht – mehr oder weniger unwissentlich – eine breite Datenspur aus Geodaten hinter sich her.

Ursache sind laxe Regeln aus der Zeit des Post- und Fernmeldemonopols. Sie stammen aus einer Zeit, als alle Telekommunikationsanbieter (Telkos) noch staatlich waren und wie eine Behörde funktionierten. Das ist lange her.

Verantwortlich ist der SMS-Dienst des digitalen Mobilfunks: Jedes der zahlreichen Telko-Unternehmen weltweit hat das Recht, den Standort jedes GSM-Handys zu erfahren. Es fragt dazu die angeschlossenen Rechner, ob sich das entsprechende Handy irgendwo eingebucht hat. Ist das der Fall, so liefert die zuständige Telko fast immer gleich auch noch die Basisstation mit. Die Lokalisierung funktioniert auch dann, wenn gar keine SMS verschickt werden soll.

Neugierige, die einen auskunftswilligen Provider finden, können so jedes Handy im weltweiten GSM-Telko-Netz lokalisieren. Die verlangten Gebühren betragen gerade einmal Cent-Bruchteile je Anfrage. Der Nutzer ahnt von all dem nichts. Über die International Mobile Subscriber Identity (IMSI) ist zudem jedes Mobiltelefon weltweit eindeutig identifizierbar.

Wem vor so viel Big Brother schaudert, für den hat Chris Böhme einige Tipps parat: Keine Fotos mit Geo-Informationen versehen, die EXIF-Informationen kontrollieren, keine Bilder tauschen und natürlich viele, nicht vorhersagbare E-Mail-Adressen verwenden, die sich nicht vernetzen lassen. Vorname.Nachname@Firmenname ist megaout.

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