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Private Rasterfahndung Profiling und Geolocation mittels Open-Source-Tool und GSM-Daten

| Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Stephan Augsten

Ob Terrorist, Mafiosi oder ganz normaler Facebook-Nutzer: In Computernetzen verrät sich letztlich jeder. Wer das nicht will, sollte zu allererst sein Handy abmelden. Genau über derartige Privatsphäre- und Datenschutz-Aspekte sprachen internationale IT-Experten auf der IT-Defense 2011.

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Jeder Handy- und Social-Networking-Nutzer hinterlässt eine digitale Spur, die sich leicht zurückverfolgen lässt.
Jeder Handy- und Social-Networking-Nutzer hinterlässt eine digitale Spur, die sich leicht zurückverfolgen lässt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Schwerpunkt der diesjährigen IT Defense 2011 in Seeheim bei Frankfurt lag auf der alltäglichen Datenspur, die Handy-Nutzer und Facebook Freunde hinterlassen. Die Tools zur Analyse solcher Daten stehen für jedermann kostenlos im Netz.

Einer Open-Rasterfahndung steht somit nichts im Wege, wenn man nur die richtige Software besitzt. Der Deutsch-Südafrikaner Chris Böhme entwickelt zusammen mit Kollegen dazu das Informationsbeschaffungs- und Visualisierungstool „Maltego“, ein mächtiges Werkzeug, um aus E-Mail- und Netzwerk-Adressen Rückschlüsse über soziale Netze zu gewinnen.

Maltego basiert auf einer Client-ServerInfrastruktur. Der Server steht beim Hersteller Paterva, der auch APIs zu sozialen Netzwerken besitzt. Ursprünglich war das Tool nur dazu gedacht, vernetzte Webseiten und Whois-Daten graphisch anzuzeigen. Inzwischen sind Google, PGP sowie Linkedin und Facebook als Datenquellen hinzugekommen.

Über die Domain und die E-Mail-Adresse arbeitet sich das Programm zu immer mehr Informationen durch. Die Programmierer haben gezeigt, dass man mit etwas Aufwand die in den USA so wichtige Sozialversicherungsnummer eines Bürger knacken kann, die ihrerseits wieder als Ausweis für viele Behörden dient.

Dank der graphischen Ausgabe liefert Maltego Art und Umfang von Vernetzungen. So sieht Google China graphisch klar anders aus als ein Google-Vernetzungsbild von anderen Ländern. Der Internet-Verkehr in der Volksrepublik läuft nämlich über zentrale Gateways und wird kontrolliert. Das alles wussten wir zwar schon vorher, jetzt lassen sich aber alle Staaten und Unternehmen überprüfen – und zwar immer wieder aufs Neue.

Networking-Tool für jedermann

Eine kostenlose Version von Maltego steht auf der Paterva-Website für die Allgemeinheit bereit, die kostenpflichtige Profi-Version ist vor allem für Firmen und Behörden gedacht. Da man um den Wert von Informationen weiß, zeichnet der Hersteller des Tools dieselben mit. Was er damit macht, weiß niemand.

Als Bündel wirken die Informationen fast schon wie eine Waffe. Denn die dynamische Netzwerk- und Textanalyse legt soziale Beziehungen von Menschen offen, von denen man nicht mehr weiß als den Namen. Was dann noch fehlt, liefert die moderne Kommunikationstechnik.

Die daraus entstehenden Graphiken sind höchst aufschlussreich. Wer kennt wen? Wer ist abhängig von wem? Von großer Wichtigkeit sind diese Methoden aktuell bei dem Versuch, in arabischen Terrornetzwerken die führenden Köpfe ausfindig zu machen, Kuriere und Mitläufer zu eruieren und schließlich potentielle Attentäter zu identifizieren.

Seite 2: Soziale Kontakte überführen Saddam Hussein

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