Analyse von Sophos So wählen Ransomware-Gruppen ihre Opfer aus

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Eine Analyse von Sophos zeigt, dass Ransomware-Gruppen oft oppor­tu­nis­tisch handeln und häufig kleine Unternehmen mit schwachen Sicher­heits­re­ssour­cen angreifen. Stark regulierte Branchen wie das Bank­wesen seien weniger anfällig.

Ransomware-Gruppen wählen ihre Ziele überwiegend opportunistisch aus, indem sie häufig kleine Unternehmen mit schwachen Sicherheitsressourcen angreifen und vorhandene Zugriffsrechte ausnutzen, anstatt spezifische Branchen oder Regionen gezielt ins Visier zu nehmen.(Bild:  mikkelwilliam via Getty Images)
Ransomware-Gruppen wählen ihre Ziele überwiegend opportunistisch aus, indem sie häufig kleine Unternehmen mit schwachen Sicherheitsressourcen angreifen und vorhandene Zugriffsrechte ausnutzen, anstatt spezifische Branchen oder Regionen gezielt ins Visier zu nehmen.
(Bild: mikkelwilliam via Getty Images)

Cyberkriminelle machen es sich leicht. Das bestätigt eine Studie der Threat Intelligence Unit von Sophos, die untersuchte, wie Ransomware-Akteure ihre Ziele auswählen. Dabei sei deutlich geworden, dass Cyberkriminelle gerne den Weg des geringsten Widerstands gehen. Laut Sophos sei die überwiegende Mehrheit der untersuchten Ransomware-Angriffe oppor­tu­nis­tisch und nicht gezielt erfolgt. Die Analyse der Telemetriedaten belege zudem, dass Angreifer in den meisten Fällen ihre vorhandenen Zugriffsrechte ausnutzen, anstatt Opfer nach Branche, Standort oder strategischer Bedeutung auszuwählen.

Obwohl nach wie vor einige Gruppen gezielt versuchen, über den Zugang zu umsatzstarken Unternehmen höhere Lösegeldforderungen durchzusetzen, hätten die Untersuchungs­er­geb­nis­se gezeigt, dass die Mehrheit der Ransomware-Angriffe kleine Unternehmen treffe. Der Grund hierfür ist den Analysten zufolge, dass in den betroffenen Unternehmen begrenzte Budgets und fehlende eigene Ressourcen für Cybersicherheit die Verwundbarkeit erhöhen. Sie würden von Angreifern als besonders leicht erreichbare Ziele wahrgenommen.

Opportunismus anstatt gezielte Auswahl

Ausgangspunkt der Untersuchung sei die wiederkehrende Frage an die Sophos-Forscher gewesen, ob bestimmte Ransomware-Gruppen gezielt einzelne Branchen oder Regionen ins Visier nehmen würden. Auch wenn diese Sorge den Experten nach nachvollziehbar ist, greife eine rein gruppen- oder täterbezogene Abwehr zu kurz. Entscheidend sei vielmehr zu ver­stehen, dass die meisten Ransomware-Angriffe opportunistisch erfolgen würden. Sophos empfiehlt Organisationen ihren Fokus weniger auf einzelne Akteure zu richten, sondern darauf, wie sie sich grundsätzlich und wirksam gegen Ransomware- und Datendiebstahlangriffe wappnen können. Dabei sei die Verteidigung unabhängig davon, wer hinter den Angriffen stecke. Zuverlässige Sicherheitsupdates, phishing-resistente Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), Endpoint Detection and Response (EDR) sowie unveränderliche Backups seien weiterhin eine kluge Strategie gegen Ransomware-Angriffe. In der Praxis habe sich jedoch gezeigt, dass viele betroffene Unternehmen diese Maßnahmen nicht konsequent umsetzen.

Stark regulierte Branchen sind weniger attraktiv

Gesamtanalyse aller Ransomware-Gruppen: In der Gesamtanalyse sind Bildung und Gesundheit mit lediglich vier Prozent und sieben Prozent weniger stark betroffen, während die Angriffe auf den Industriesektor 23 Prozent ausmachen.(Bild:  Sophos)
Gesamtanalyse aller Ransomware-Gruppen: In der Gesamtanalyse sind Bildung und Gesundheit mit lediglich vier Prozent und sieben Prozent weniger stark betroffen, während die Angriffe auf den Industriesektor 23 Prozent ausmachen.
(Bild: Sophos)

Als Beispiel für den opportunistischen Charakter von Ransomware-Angriffen nennen die Analysten der Bankensektor. Banken sind umsatzstarke Unternehmen, und durch Ransomware verursachte Betriebsstörungen könnten einen starken Anreiz zur Lösegeldzahlung darstellen. Dennoch hätten die Sophos-Forscher nur sehr wenige Finanzinstitute beobachtet, die tatsächlich Opfer solcher Angriffe wurden. Grund hierfür sei vermutlich vor allem der hohe Regulierungsgrad der Branche. Verbindliche und strenge Anforderungen für die Finanzbranche würden dafür sorgen, dass alle Institute vergleichbare Standards für Cybersicherheit umsetzen müssen, was zu einem einheitlichen Schutzniveau führe und die Wettbewerbsbedingungen nicht verzerre. Entsprechend seien Kontrollrahmen etabliert, Perimeter gut geschützt und Netzwerke so gestaltet, dass Angriffsflächen minimiert würden. Folglich seien Banken widerstandsfähiger gegenüber Ransomware-Angriffen, was sie zu weniger attraktiven Zielen für Cyberkriminelle mache.

Im Gegensatz dazu seien Organisationen in unregulierten Sektoren anfälliger für Cyberangriffe, da sie möglicherweise nicht die gleichen Sicherheitsstandards und -investitionen umsetzen würden. Wenn Unternehmen in weniger regulierten Branchen, wie dem Fertigungssektor, ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessern, könnten die damit verbundenen Kosten ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit beeinträchtigen, da die höheren Sicherheitsausgaben die Preise ihrer Produkte erhöhen und sie im Vergleich zu günstigeren, jedoch weniger sicheren Konkurrenzprodukten weniger attraktiv machen. Dies zeigt, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Cyber­sicher­heits­investitionen und Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen entscheidend ist, um sowohl sicher als auch konkurrenzfähig zu bleiben.

Gezielte Angriffe auf bestimmte Branchen sind Ausnahme

Organisationen in einem bestimmten Sektor werden laut Sophos häufig Opfer spezifischer An­greifer, weil diese Gruppen eine Schwachstelle in einem verbreiteten Dienst innerhalb dieses Sektors ausnutzen. Da Unternehmen desselben Sektors oft ähnliche Sicherheitskonzepte hätten, seien sie anfällig für vergleichbare Angriffe. Es gebe jedoch Ausnahmen, denn manche Angreifer würden gezielt auf Sektoren abzielen, von denen sie annehmen, dass sie eher bereit sind, Lösegeld zu zahlen.

Ein Beispiel sind Mitglieder der „Conti“-Ransomware-Bande, die während der Covid-19-Pan­demie gezielt Krankenhäuser angegriffen, um die Wahrscheinlichkeit einer Lösegeldzahlung zu erhöhen. Auch der Ransomware-Angreifer „Gold Victor“, der Initiator hinter den Angriffen von „Vice Society“ und „Rhysida“ steckt, schien eine Vorliebe für Organisationen im Gesundheits- und Bildungswesen zu haben, vermutlich aus demselben Grund. Im zweiten Halbjahr 2025 machten die Angriffe von Rhysida jedoch weniger als ein Prozent aller Opfer aus, die auf Leak-Websites verzeichnet waren, was darauf hinweist, dass Ransomware-Opfer insgesamt oft zufällig ausgewählt werden.

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