Immer häufiger kommen Lösungen zum Einsatz, die Künstliche Intelligenz (KI) und natürliche Sprachverarbeitung kombinieren, um Benutzer bei der Datenaufbereitung, -analyse und -interpretation zu unterstützen. Dadurch wird die Rolle des Data Stewards noch wichtiger als bisher. Doch KI verändert diese Position auch – eine strategische Beratung und klare Richtlinien im Umgang mit KI sind nun gefragt.
Der Autor: Peter Fuhrmann ist Regional Vice President, Central Europe bei Alteryx
(Bild: Alteryx)
KI ist allgegenwärtig und soll in Zukunft einen erheblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen haben, indem sie die betriebliche Effizienz in einem Umfang und in einer Geschwindigkeit ermöglicht, die bisher unerreichbar waren. Während viele hoffen, die neue Technologie unter anderem für Automatisierungsprozesse und Datenanalysen nutzen zu können, zögern andere aufgrund von Datenschutzbedenken und wünschen sich verlässliche Regularien.
Da die Effektivität der generativen KI stark von der Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Daten abhängt, sollten Unternehmen die Rolle der Data Stewards anpassen und stärken. Als Fürsprecher für die ordnungsgemäße Verwendung und richtige Handhabung von Daten spielt ein Data Steward eine Schlüsselrolle, um das Vertrauen einer Organisation in ihre Daten aufzubauen. Ohne dieses Vertrauen fehlt den Unternehmen das notwendige Selbstbewusstsein für strategische Geschäftsentscheidungen. Oder schlimmer noch: Sie treffen Geschäftsentscheidungen, die sie in die falsche Richtung lenken – in finanzieller, unternehmerischer oder rechtlicher Hinsicht.
Unternehmen der Zukunft
Die branchenübergreifenden Anwendungsmöglichkeiten generativer KI sind schier endlos, doch genauso vielfältig sind die Bedenken in Bezug auf Datenschutz und KI-Regulierung. Das zeigt die Studie „The Enterprise of the Future“ (2023) von Alteryx, in deren Rahmen 200 deutsche IT- und Business-Entscheider in Deutschland befragt wurden.
Die Mehrheit der Befragten (60 %) geht davon aus, dass Investitionen in fortschrittliche Technologien zunehmen werden. Sie sehen dieser Entwicklung optimistisch entgegen: 39 Prozent versprechen sich von KI positive Auswirkungen. KI wird laut 52 Prozent der Befragten zukünftig in allen Geschäftsbereichen allgegenwärtig sein und 47 Prozent interessieren sich besonders für die Kombination aus Automatisierung und KI in der Datenanalyse.
Die steigende Nutzung wirft jedoch ethische Bedenken hinsichtlich Datenschutz (48 %), Datenmanagement (40 %), Transparenz (38 %) und Compliance (38 %) auf. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass eine deutliche Mehrheit der Entscheider (83 %) Sicherheit, Ethik und Governance von KI für wichtig oder sogar sehr wichtig für den zukünftigen Unternehmenserfolg hält. Bereits heute sind 86 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland der Meinung, dass in ihrer Branche entsprechende Regeln und Standards entwickelt werden sollten – insbesondere für den Einsatz generativer KI.
Mit der Ankündigung des AI Act der EU und dem Druck auf Großbritannien, die USA und China, diesem Beispiel zu folgen, ist die Frage nicht mehr, ob KI in Unternehmen eingesetzt wird, sondern wie sie ethisch und unter Einhaltung der Vorschriften Anwendung findet. Klar ist, dass das Vertrauen in eine sichere KI-Nutzung vorhanden sein muss. Um dieses aufzubauen, braucht es Verantwortliche wie zum Beispiel Data Stewards. Sie sind die Datenexperten, die wissen, welche Daten ein Unternehmen hat, wo sie sich befinden, woher sie kommen und wohin sie gehen, wer sie verwendet und wie sie verwendet werden. Diese Rolle gewinnt mit der Einführung von KI an Bedeutung und muss sich an neue Gegebenheiten anpassen.
Warum brauchen Unternehmen Data Stewards?
Eine der wichtigsten Veränderungen für den Data Steward seit der rasanten Entwicklung von KI ist die Verantwortung für ethische Aspekte, Datenschutz und Governance in einer KI-gestützten Umgebung. KI verarbeitet riesige Datenmengen, was ethische Fragen und den Schutz von Daten noch wichtiger macht. Die Position ist verwandt mit dem in vielen EU-Ländern vorgeschriebenen Datenschutzbeauftragten, der unter anderem die Einhaltung der DSGVO im Unternehmen überprüft. Ein Data Steward hingegen ist als eigenständige Position zwischen IT und Business angesiedelt.
Zu den Aufgaben von Data Stewards zählen:
Erstellen und Durchsetzen von Data-Governance-Verfahren: Data Stewards erarbeiten Richtlinien für den Umgang mit Unternehmensdaten und überwachen deren Einhaltung.
Aufrechterhaltung der Datenqualität: Data Stewards kümmern sich darum, dass die Daten einer Organisation zugänglich und nutzbar sind. Sie stellen die Vollständigkeit und Gültigkeit der Daten sicher.
Profiling und Bewertung von Daten: Der Data Steward hilft bei der Suche und Behebung von Datenfehlern, Anomalien und Inkonsistenzen, um sicherzustellen, dass die profilierten Daten einheitlich, genau und von hoher Qualität sind.
Verwaltung der Data Lineage: Data Stewards gewährleisten die Transparenz der Datenherkunft. Die Data Lineage ist der Lebenszyklus eines Datensatzes: woher er stammt, in welchem geschäftlichen Kontext er steht, was mit ihm gemacht wird und wohin er sich im Laufe der Zeit bewegt. Kommen Daten in Analyseprozessen oder auch im Zusammenhang mit KI zum Einsatz, können Data Stewards Datenfehler bis zu ihren Ursachen zurückverfolgen.
Wie verändert KI die Rolle des Data Stewards?
Die Fähigkeit der KI, große Datenmengen in noch nie dagewesener Geschwindigkeit zu verarbeiten und zu analysieren, wird sich erheblich auf die Datenverwaltung auswirken und eine Neubewertung der aktuellen Praktiken erfordern.
Besonders folgende Bereiche sind betroffen:
1. Automatisierung: Mithilfe von generativer KI lassen sich viele Routineaufgaben wie Datenprofilierung, -klassifizierung, -kennzeichnung, -bereinigung und -integration automatisieren, sodass der Data Steward weniger manuelle Aufgaben bewältigen muss. Daher werden sich Data Stewards in Zukunft wahrscheinlich mehr auf strategische Aktivitäten konzentrieren, wie die Überwachung der KI und das Treffen wichtiger Entscheidungen.
2. Neue Arten von Daten: Natürliche Sprachverarbeitung und Computer Vision ermöglichen die Analyse und Interpretation neuer unstrukturierter Datentypen (wie Bilder, Videos und Fotos). Data Stewards müssen neue Richtlinien für die Eingabe, Speicherung und Entschlüsselung dieser Datentypen erstellen und pflegen.
3. Datenethik und Datenschutz: Eine der wichtigsten Veränderungen für den Data Steward ist die neue Verantwortung für ethische Richtlinien, Datenschutz und Governance in einer KI-gestützten Umgebung. Die Komplexität der Art und Weise, wie KI auf Daten zugreift und diese generiert, erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Data Stewards, Datenwissenschaftlern und IT-Teams.
Keine Angst vor Datennutzung und -schutz
Für Unternehmen, die Fortschritte in der KI vorantreiben wollen, ist es entscheidend, eine Kultur der Datenkompetenz zu schaffen. Nur so können Teams die Datenpipeline verstehen und wissen, was nötig ist, um die richtigen Vorhersagen und Rückschlüsse zu ziehen. Wenn sie die Best Practices für Datenschutz, Governance und Compliance befolgen, werden ihre KI-Projekte verlässliche Erkenntnisse liefern. Doch dazu brauchen sie Transparenz und kontinuierliche Weiterbildungen sowie die Entwicklung von Strategien und Richtlinien, die Datenschutz, Ethik und Governance verankern. Ein modernes, zugängliches, automatisiertes Analysesystem mit einer einfachen und leicht zugänglichen Schnittstelle ermöglicht es jedem Mitarbeiter im Unternehmen, auf sichere Weise einen geschäftlichen Mehrwert zu schaffen. Mit einem Risikominderungs- und Compliance-Ansatz für die Datendemokratisierung und Datenkultur – überwacht von einem Data Steward – werden Mitarbeiter über die notwendigen Datenkompetenz verfügen, um mit der generativen KI zusammenzuarbeiten und sie zu trainieren.
Stand: 08.12.2025
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Es gibt viele gute Gründe, warum Unternehmen ihre sensiblen Daten und ihr geistiges Eigentum hinter sicher verschlossenen Türen aufbewahren wollen. Jedoch wird der Abbau dieser starren Barrieren zugunsten eines geregelten Herangehens mit Leitlinien, die durchgängige Rückverfolgbarkeit, Datenschutz und Sicherheit priorisieren, das Vertrauen des gesamten Unternehmens in Daten und den Einsatz von KI, die diese Daten nutzt, stärken. Das ist wichtig, denn Unternehmens- und IT-Führungskräfte wissen, wie ein unkontrollierter Einsatz von generativer KI ihrem Unternehmen und ihrem Ruf schaden kann.
Aufgrund kommender KI-Regulierungen ist der Zeitpunkt ideal, um die Datenschutzvorkehrungen eines Unternehmens zu hinterfragen und an neue Gegebenheiten anzupassen. Fortlaufende Schulungen und die Datenverwaltung durch einen sachkundigen Technologieverantwortlichen tragen eindeutig dazu bei, dass KI im Unternehmen erfolgreich ist und gleichzeitig ein wirksamer Datenschutz gewährleistet wird.