Desinformation, Phishing, Betrug und Hackerangriffe Russische Bedrohungen für die Olympischen Spiele

Ein Gastbeitrag von Morgan Wright 3 min Lesedauer

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Russland wurde erneut vom Wettkampf bei den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Wenn jedoch Goldmedaillen für Cyberangriffe, schädliche Einflussoperationen und anhaltendes Chaos vergeben würden, würde Russland alle Mitbewerber vom Podium fegen.

Cyberangriffe durch Russland, im Rahmen der Olympischen Spiele sollen die Bevölkerung in Aufruhr versetzen und den friedlichen Rahmen der Spiele untergraben.(Bild:  zzzz17 KI-generiert_stock.adobe.com / KI-generiert)
Cyberangriffe durch Russland, im Rahmen der Olympischen Spiele sollen die Bevölkerung in Aufruhr versetzen und den friedlichen Rahmen der Spiele untergraben.
(Bild: zzzz17 KI-generiert_stock.adobe.com / KI-generiert)

Laut dem Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Paris hat der jüngste globale IT-Ausfall von CrowdStrike nur minimale Auswirkungen auf die Cybersicherheit der Olympischen Spiele – eine gute Nachricht im Vorfeld der Spiele. Allerdings gibt es generell mehr Bedrohungsakteure als je zuvor. Die Welt steht weiterhin dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland gegenüber, der Nahe Osten wird vom Konflikt zwischen Hamas und Israel sowie Angriffen der Hisbollah und der Huthis erschüttert, und China zeigt weiterhin seine Stärke im Südchinesischen Meer.

Der aktuelle Zustand auf der Welt ist die perfekte Ausgangssituation für fortgesetzte russische Desinformation und feindliche Cyberoperationen. Am 5. Juni veröffentlichte Mandiant einen Überblick über die Bedrohungen für die Olympischen Spiele. Sie kamen zum Schluss, dass „...die Olympischen Spiele in Paris einem erhöhten Risiko von Cyberbedrohungsaktivitäten ausgesetzt sind, einschließlich Cyber-Spionage, störender und zerstörerischer Operationen, finanziell motivierter Aktivitäten, Hacktivismus und Informationsoperationen.“

Russische Bedrohungsgruppen würden dabei das höchste Risiko darstellen. Andere staatliche Akteure wie China, Iran und Nordkorea bewerteten sie mit einem „mittleren bis geringen Risiko“. Allerdings könne der Fokus nicht nur auf böswilligen Cyberaktivitäten liegen. Eine direktere Bedrohung sei durch Russlands Desinformationsfähigkeiten zu erwarten.

Russische Bedrohungen bei sportlichen Großereignissen

Die Bedrohungen seitens Russlands sind real. In der Vergangenheit torpedierten sie immer wieder Olympische Spiele. Dabei gehen die Angreifer sehr dreist vor. Als beispielsweise Versuche, aus der Ferne auf Zielkonten und Personen zuzugreifen, scheiterten, reiste ein spezialisiertes Team für einen Nahzugriff zu den jeweiligen Standorten der Spiele.

Mit Spezialausrüstung und der Fernunterstützung von Verschwörern in Russland hackten diese Nahzugriffsteams Computernetzwerke, die von Opferorganisationen oder deren Personal genutzt wurden, über Wi-Fi-Verbindungen, einschließlich Hotel-Wi-Fi-Netzwerke. Das US-Justizministerium erhob 2018 Anklage gegen sieben Geheimdienstoffiziere des GRU, dem Hauptnachrichtendienst der russischen Streitkräfte. Die Anklageschrift listet eine Vielzahl von Angriffen auf die Olympischen Spiele auf, darunter Sotschi 2014 und Rio 2016, die Welt-Anti-Doping-Agentur und mehr. Niemand ist sicher vor Angriffen dieser Art, die Hacker nutzen die Publicity rund um die Olympischen Spiele gnadenlos aus.

Olympiade in Paris – ein attraktives Angriffsziel

Frankreich und Paris setzen auf eine große Besucherzahl, zahlreiche Ticketverkäufe und eine massive wirtschaftliche Wirkung. Man erwartet ungefähr 15 Millionen Besucher und geht von einem Umsatz von ca. 11 Milliarden Euro aus. Hier könnten eine Kombination aus Cyberkriminalität und Desinformation den größten wirtschaftlichen Schaden für die Spiele verursachen. Und die Scams sind schon am Laufen: Eine Kampagne von Deepfake-Videos, unter anderem mit Scams von Elon Musk und Tom Cruise, verfolgt zum Beispiel das Ziel, die Führung des Internationalen Olympischen Komitees zu diskreditieren.

Angst schüren und Terror verbreiten

Russland verfolgt das Ziel, die Bevölkerung in Aufruhr zu versetzen und den friedlichen Rahmen der Spiele zu untergraben, indem Angst und Schrecken verbreitet werden sollen. Eine Atmosphäre der Unsicherheit und potenziellen Gewalt soll die Besucherzahlen senken und damit einen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Es kursieren beispielsweise Videos, die angeblich Pariser zeigen, die zusätzliche Immobilienversicherungen im Vorfeld von Terroranschlägen abschließen. Diese wurden mit Nachrichtenclips kombiniert, die suggerieren, dass ein Viertel der gekauften Tickets aufgrund dieser Ängste zurückgegeben wurden.

Russlands Verbündete zündeln mit

Ein weiteres Video, das derzeit im Netz kursiert wurde von der Terrorgruppe Hamas auf X veröffentlicht. Darin wird mit „Blutströmen durch die Straßen von Paris“ gedroht, als Vergeltung dafür, dass Israel an den Spielen teilnehmen darf. Bekanntlich verbindet Russland eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit der Hamas.

Ein Bericht der Threat Intelligence Unit von Microsoft betont, wie Russland aktuelle geopolitische Konflikte nutzt, um zusätzliche Terrorängste zu schüren. Das wohl schlimmste Beispiel ist die missbräuchliche Nutzung der Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1972 in München und das Massaker an elf israelischen Athleten und einem westdeutschen Polizisten.

Es ist auch eine Menge Geld im Spiel. Mit Phishing, Betrug oder Identitätsdiebstahl werden Olympische Spiele auch schamlos ausgenutzt. Hunderte von gefälschten Domains, die mit Ticketverkaufsseiten verbunden sind, wurden identifiziert und entfernt – tagein, tagaus.

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Die bösen Jungs werden im Rahmen der Olympischen Spiele die Verteidigungsbastionen weiter testen. Jahre der Vorbereitung und Investitionen in die Verteidigung werden sich auf neunzehn Tage konzentrieren – und auf dem Prüfstand stehen. Hoffen wir, dass die Resilienz gegenüber Cyberangriffen die Spiele in Paris 2024 groß genug ist, dass größerer Schaden abgewehrt werden kann.

Über den Autor: Morgan Wright ist Chief Security Advisor bei SentinelOne.

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