Secure Access Service EdgeWarum es bei SASE auf die Performance ankommt
Ein Gastbeitrag von
Pantelis Astenburg
3 min Lesedauer
Funktionen allein machen keine wirksame SASE-Architektur. Erst ausreichender Durchsatz und geringe Latenz stellen sicher, dass Verschlüsselungsprüfung, Richtlinien und Zugriffskontrollen dauerhaft aktiv bleiben.
SASE-Plattformen verarbeiten Sicherheitsfunktionen direkt im Datenstrom. Leistungsengpässe wirken sich sofort auf Anwendungen und Richtliniendurchsetzung aus.
Bei der Evaluierung verschiedener SASE-Lösungen spielt die Performance meist nur eine Nebenrolle. Funktionen wie Bedrohungserkennung, Schutz vor Datenverlust oder Zugriffskontrolle stehen wesentlich stärker im Fokus. Die unangenehme Wahrheit ist jedoch: Letztlich entscheidet die Performance darüber, ob all diese Funktionen tatsächlich genutzt werden – oder stillschweigend deaktiviert werden.
Das Versprechen von SASE ist verlockend: die Vereinheitlichung von Sicherheit und Netzwerk in einer einzigen Cloud-basierten Plattform. Diese Konvergenz bedeutet jedoch auch, dass der Sicherheits-Stack nun im Datenstrom liegt. Jede Latenz, jeder Durchsatzverlust – die Benutzer spüren es. Und wenn dies geschieht, sind IT-Teams gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen. Sie können etwa die TLS-Prüfung zur Verbesserung der Leistung deaktivieren. Oder beispielsweise Ausnahmeregelungen für latenzempfindliche Anwendungen festlegen. All diese Maßnahmen schwächen jedoch die Sicherheitslage. Es ist eine Art Erosion, die schwer zu erkennen ist. Bis man irgendwann feststellt, dass die Kontrollen nicht mehr vollständig durchgesetzt werden.
Mehr als 80 Prozent des heutigen Webverkehrs sind verschlüsselt. Deshalb ist TLS-Inspektion nicht mehr optional. Allerdings ist die Entschlüsselung und Untersuchung des Datenverkehrs in Echtzeit sehr ressourcenintensiv. Viele Anbieter unterstützen dies zwar auf dem Papier, jedoch nicht in großem Umfang in der Realität.
Wenn eine vollständige Überprüfung den Durchsatz beeinträchtigt, wird Unternehmen oft empfohlen, vertrauenswürdige Anwendungen wie Microsoft 365 oder Zoom hiervon auszuschließen. Das mag zwar die Performance-Probleme lösen, schwächt jedoch die Sicherheitslage: Datenexfiltration, bösartige Payloads und Richtlinienverstöße machen keinen Unterschied zwischen Anwendungen mit guter oder schlechter Reputation.
Wie sich die Performance direkt auf die Nutzung auswirkt
Die Benutzerzufriedenheit ist oft das erste Opfer von leistungsschwachen SASE-Plattformen. In einer Welt, in der Anwendungen in Echtzeit laufen, Benutzer mobil sind und der Netzwerkrand überall ist, spielt die Performance eine Schlüsselrolle. Wenn eine SASE-Lösung verschlüsselten Datenverkehr nicht ohne Leistungseinbußen verarbeiten kann, verlieren die Benutzer erst die Geduld, dann das Vertrauen und die Sicherheitsverantwortlichen schließlich die Kontrolle.
Die versteckten Betriebskosten einer langsamen SASE-Plattform
Neben einer beeinträchtigten Benutzererfahrung verursacht eine unzureichende Performance auch betriebliche und finanzielle Belastungen, etwa durch
den Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur zur Sicherstellung des erforderlichen Durchsatzes;
erhöhte administrative Komplexität aufgrund von Routing und Optimierung von Ausnahmeregelungen;
mangelhafte Transparenz aufgrund nicht durchgeführter Überprüfungen.
Die entsprechenden Kosten bleiben oft unbemerkt und summieren sich. Irgendwann ist die Architektur jedoch nur noch schwer skalierbar und kaum mehr effektiv zu schützen.
Eine weitere Herausforderung ist die Latenz. Dies gilt insbesondere in WAN-Umgebungen. KI-Anwendungen erfordern oft eine Datenverarbeitung in Echtzeit, da sich jede Verzögerung auf die Leistung und die Ergebnisse auswirken kann.
Bereit für die Anforderungen von GenAI und Echtzeit-Workloads
Immer mehr Unternehmen nutzen KI-Tools, Echtzeit-Kollaborationsplattformen und Cloud-basierte Entwicklungsumgebungen. Deshalb nehmen die Performance-Anforderungen an die SASE-Infrastruktur weiter zu. Moderne Anwendungen erfordern einen hohen Durchsatz und geringen Jitter. Eine SASE-Plattform, die bereits durch einfache TLS-Inspektionen überlastet ist, ist mit Sicherheit nicht für die Zukunft gerüstet.
Deshalb sollten Sicherheitsverantwortliche bei der Auswahl einer SASE-Plattform die folgenden Schlüsselfragen stellen:
Ist eine vollständige TLS-Inspektion ohne Leistungseinbußen möglich?
Wie hoch ist der gemessene maximale HTTPS-Durchsatz während der Überprüfung?
Gibt es Anwendungen oder Datenverkehrstypen, die standardmäßig von der Überprüfung ausgeschlossen sind?
Wie viele Points of Presence oder Appliances sind erforderlich, um die vollständige Durchsetzung der Richtlinien auch in großem Maßstab aufrechtzuerhalten?
Die Antworten werden schnell zeigen, ob die jeweilige Lösung auf Performance ausgelegt ist. Unabhängige Tests haben gezeigt, dass die HTTPS-Durchsatzkapazität zwischen den verschiedenen SASE-Anbietern um mehr als das Dreifache variieren kann und das insbesondere, wenn eine vollständige Überprüfung aktiviert ist.
Es gab Zeiten, da war die Verfügbarkeit das entscheidende Kriterium für die Zuverlässigkeit. Heute ist es die Leistung. Eine ständige Verfügbarkeit bedeutet wenig, wenn die Nutzung permanent langsam ist: Im Zusammenhang mit SASE ist Langsamkeit mehr als nur unbequem, sie ist eine Schwachstelle. Sicherheitskontrollen, die die Leistung beeinträchtigen, werden oft als Erstes gelockert, umgangen oder deaktiviert. Deshalb ist Performance nicht nur ein Feature, sondern eine wesentliche Voraussetzung.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Pantelis Astenburg ist Vice President Global Sales DACH von Versa Networks.