Mit fortschrittlichen Tools wie Phishing-as-a-Service und generativer KI fädeln Malware-Akteure immer raffiniertere Betrugsmaschen ein. Wie können Unternehmen dieser progressiven Bedrohungslandschaft entgegentreten?
Der Einsatz der künstlichen Intelligenz verändert die Phishing-Landschaft. So sind selbst Malware-Anfänger im Stande, komplexe und glaubwürdige Phishing-Angriffe durchzuführen.
(Bild: peshkov - stock.adobe.com)
Phishing-Bedrohungen haben im vergangenen Jahr durch die Verbreitung von generativen KI-Tools Vorschub erhalten, wie der neueste ThreatLabZ Phishing-Report aufdeckt. Über zwei Mrd. von der Zscaler Security Cloud blockierte Phishing-Angriffe wurden von dem Sicherheits-Team für eine Trendanalyse untersucht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurde dabei ein Anstieg versuchter Angriffe um 58 Prozent festgestellt. Dabei wurde aufgedeckt, wie der Einsatz der künstlichen Intelligenz die Phishing-Landschaft verändert. Diese Technologie demokratisiert die Orchestrierung komplizierter Phishing-Kampagnen, so dass selbst Malware-Anfänger im Stande sind, komplexe und glaubwürdige Phishing-Angriffe durchzuführen. Mit Hilfe von GenKI können auch sie äußerst überzeugende und personalisierte Betrugsversuche starten.
Laut der globalen Verteilung der untersuchten Phishing-Angriffe führen die USA, Großbritannien, Indien, Kanada und Deutschland die Liste der Top 5 Länder an, die am häufigsten ins Visier von Phishing-Betrug geraten sind. Mit 27,8 Prozent weist die Finanz- und Versicherungsbranche die höchste Konzentration an Angriffen und einen sprunghaften Anstieg von 393 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf. Da digitale Finanzplattformen weit verbreitet sind, bieten sich in diesem Sektor viele Angriffsmöglichkeiten für Phishing-Kampagnen oder die Ausbeutung von Schutzlücken. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete immerhin noch einen Anstieg an Angriffen um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Da auch Produktionsbetriebe verstärkt auf digitalisierte Systeme und vernetzte Technologien setzen, stehen in diesem Bereich den Malware-Akteuren auch mehr Angriffsvektoren zur Verfügung, die zu unautorisiertem Zugriff oder Störungen in Betriebsabläufen führen können.
Auch der verbreitete Einsatz von KI-Technologien und KI-gestützten Systemen sowohl im Finanzwesen als auch in der Produktion geht mit zunehmender Vernetzung und einer größeren Angriffsfläche einher und macht diese Sektoren zu einem lukrativen Ziel. Mit 11 Prozent der verzeichneten Angriffsversuche rangiert der Technologiesektor zwar nur auf Rang vier, sah aber dennoch einen 114-prozentigen Anstieg an Angriffen, die vermutlich auch durch den Einsatz an GenKI angefeuert wurden und den Überfluss an Daten, die auf dem Spiel stehen können. Zusätzlich zeigte der Report, dass Microsoft nach wie vor die am häufigsten imitierte Marke ist, über die 43,1 Prozent der Phishing-Versuche durchgeführt wurden, gefolgt von OneDrive (11,6 Prozent), Okta (6,3 Prozent) und Adobe (4,7 Prozent). In der Folge stehen Unternehmen vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen beim Schutz ihrer kritischen Daten und Systeme.
Durch Zuhilfenahme von KI-Tools konnten Malware-Akteure die Effizienz ihrer Kampagnen steigern. Die künstliche Intelligenz automatisiert und personalisiert dabei verschiedene Stadien des Angriffsprozesses und führt dazu, solche Attacken noch schwerer erkennbar zu machen. Generative KI analysiert in Sekundenschnelle öffentliche Daten – beispielsweise Informationen über Unternehmen und Führungskräfte – wodurch Bedrohungsakteure Zeit in der Vorbereitungsphase ihrer Angriffe sparen und präzisere Angriffe durchführen können. LLM-Chatbots erstellen fehlerfreie, glaubwürdige Phishing-Emails, indem sie Rechtschreib- und Grammatikfehler, wie es in der Vergangenheit häufig bei kriminellen Akteuren aus dem Ausland der Fall war, eliminieren. Außerdem können Bedrohungsakteure mit Hilfe der Generativen KI überzeugende Phishing-Seiten erstellen. Die KI-gestützten Tools tragen dazu bei, dass die Grenze zwischen authentischen und gefälschten Inhalten verschwimmt, so dass es schwieriger wird, Phishing-Texte von legitimen Webseiten, E-Mails, SMS oder Sprachnachrichten zu unterscheiden.
Die zunehmende Popularität und der Einsatz von GenKI Tools wie Chat GPT und Drift beeinflusst bereits KI-gestützte Angriffe. Länder, die laut dem 2024 AI Security Report eine große Verbreitung dieser Tools haben, sind die USA und Indien. Sie finden sich an der Spitze der Angriffsziele für Phishing-Scams und wiesen letztes Jahr die höchste Rate an verschlüsselten Angriffen auf, zu denen unter anderem auch Phishing-Angriffe zählten.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus werden fortschrittliche KI-Techniken für Deepfakes und Voice-Phishing (Vishing) zur Nachahmung von bekannten Personen oder Organisationen zur Täuschung der Opfer verwendet. Moderne Vishing-Kampagnen werden weltweit immer beliebter und führten in einigen Fällen bereits zu erheblichen finanziellen Verlusten. Im Sommer 2023 vereitelte das ThreatLabz-Team einen KI-basierten Phishing-Angriff auf den Cloud Security-Spezialisten, bei dem die Angreifer sich als Zscaler-CEO Jay Chaudhry ausgaben. ThreatLabz geht davon aus, dass die Zahl der gezielten Voice Phishing-Kampagnen, die von Gruppen wie Scattered Spider durchgeführt werden, im nächsten Jahr weiter steigen wird. Da diese Kampagnen darauf abzielen, an die Anmeldedaten von Mitarbeitenden zu gelangen, müssen Unternehmen ihre Phishing-Abwehrmaßnahmen verstärken, um unbefugten Zugriff und Missbrauch zu verhindern.
Phishing-Angriffe mit KI-gesteuerten Deepfakes werden sich zu einer ernstzunehmenden Cyberbedrohung entwickeln. Cyberkriminelle sind heute in der Lage, Videoinhalte zu erstellen, die Gesichter, Stimmen und Verhaltensweisen präzise und genau nachbilden. Diese Manipulation hat sich bereits auf besorgniserregende Weise manifestiert, wie beispielsweise rund um Wahlen, wo Deepfake-Videos falsche Geschichten oder Aussagen von politischen Persönlichkeiten fabrizieren. Diese Videos können die öffentliche Meinung beeinflussen, Desinformationen verbreiten und das Vertrauen in die Integrität des Wahlvorgangs untergraben.
Da die Gesellschaft heute immer stärker auf digitale Kommunikation und Medienkonsum aufbaut, ist zu erwarten, dass die zukünftigen Auswirkungen von Deepfake-Betrügereien sich über den Rahmen der aktuellen Einsatzbereiche weiterentwickeln werden. Von Finanzbetrug bis hin zu Wirtschaftsspionage stellt der Einsatz von Deepfake-Technologie eine erhebliche Bedrohung für Organisationen, Einzelpersonen und die Gesellschaft dar.
Angesichts dieser Zunahme an Phishing-Angriffen und deren Raffinesse sollten Organisationen mit neuen Abwehrmaßnahmen aufwarten. Die folgenden Punkte helfen bei einem Ausbau der Sicherheit:
KI-Angriffe mit Hilfe von KI bekämpfen: KI-gesteuert Schutz gegen KI-gesteuerte Phishing-Angriffe gelingt mit dem Einsatz von Browser-Isolation, so dass Browser-Exploits von Phishing-Seiten unterbunden werden
Einsatz einer Zero Trust-Architektur: Zum Verhindern einer Kompromittierung trägt TLS-/SSL-Inspektion auf breiter Basis bei. Regelbasierte Schutzmaßnahmen können den Zugang zu verdächtigen Webseiten blockieren.
Seitwärtsbewegungen unterbinden: Erhalten User nicht mehr Zugriff zum gesamten Netzwerk, sondern lediglich zu benötigten Anwendungen, kann Schadensbegrenzung eines potenziellen Angriffs betrieben werden.
Insider Threats bekämpfen: Kompromittierte User können durch Inline-Inspektion des Datenverkehrs und Täuschungsmanöver ausfindig gemacht werden
Datenverlust verhindern: Die Untersuchung von Data-in-motion und Data-at-Rest kann Datendiebstahl verhindern.
Angetrieben durch den Fortschritt generativer KI-Technologien war 2023 eine alarmierende Zunahme von Phishing-Angriffen zu verzeichnen und Organisationen müssen sich auch 2024 auf einen weiteren Anstieg einstellen. Angesichts dieser zunehmenden Bedrohungen müssen Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärken, kontinuierlich über neue Bedrohungsvektoren informiert bleiben und innovative Lösungen sowie fortgeschrittene Erkennungstechnologien integrieren, um ihre Resilienz gegenüber diesen raffinierten Angriffen zu verbessern. Eine Cloud-Plattform-basierte Zero Trust-Architektur hilft dabei.
Über den Autor: Deepen Desai ist CSO und Leiter der Sicherheitsforschung von Zscaler.