Malware-Links in Suchmaschinen sind kein Event-Geschäft

Search Engine Poisoning – Entwarnung für Olympia

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Niedriger Rank führt zu weniger Klicks

Zahlreiche Untersuchungen zur Klickrate bei Suchmaschinenergebnissen zeigen, dass zwischen 90 und 95 Prozent aller Nutzer auf einen der ersten zehn Treffer der ersten Ergebnisseite klicken. Wer mit seiner Website erst auf Seite vier oder fünf einer Google-Suche erscheint, wird über diesen Weg also nur sehr wenig Traffic erhalten. So erklärt sich auch das Geschäftsmodell der unzähligen Suchmaschinen-Optimierer.

Dass verseuchte Suchergebnisse schlecht für das eigene Geschäft sind, haben natürlich auch die Betreiber der großen Search-Engines verstanden. Daher überarbeiten Google, Microsoft, Yahoo und Co. kontinuierlich ihre Algorithmen, um relevante Treffer möglichst hoch zu bewerten. Suchmaschinen-Spam wird hingegen entweder mit einer niedrigen Bewertung abgestraft oder gleich komplett herausgefiltert.

Bei Großereignissen wie Olympia sorgt vor allem die Dominanz großer Nachrichten-Sites dafür, dass kleinere Websites – zu denen in der Regel auch die mit Malware präparierten Websites zählen – nur wenig Chancen haben, auf ein vorderes Ranking zu kommen.

Gute Nachrichten

Eine Google-Suche am 27. Juli 2012 nach "Olympia 2012 Medaillenspiegel" zeigte beispielsweise auf der ersten Ergebnisseite mit nur einer Ausnahme durchgehend bekannte Internet-Portale. Hierzu gehörten neben der offiziellen Olympia-Website unter anderem FAZ.net, Focus.de, Stern.de, Spiegel Online, T-Online, WDR2.de und die Wikipedia.

Auch Auswertungen der Angriffs-Logs des Sicherheitsdienstes WebPulse kommen zu dem Ergebnis, dass im Umfeld von bedeutenden Nachrichten nur wenige Klicks aus Suchen mit einem dazu gehörigen Kontext zu Malware führen. WebPulse protokolliert dabei nicht die Zahl der Links einer Google-Suche, die zu Malware führen, sondern die tatsächlichen Klicks auf diese Links.

Eine Analyse der WebPulse-Logs durch den Sicherheitsexperten Chris Larsen zeigte beispielsweise, dass der Tod von Steve Jobs wenig Einfluss auf die Malware-Landschaft hatte. In der Woche nach dem Todestag hatten nur drei von insgesamt 9598 Klicks auf Malware-Links in Suchmaschinen einen thematisch großzügig gefassten Bezug zu dem Ereignis. Dies entspricht rund 0,03 Prozent der Klicks.

Auch der Untergang der Costa Concordia führte nicht zu übermäßig vielen Klicks auf Malware-Links in Suchmaschinen: Von 12.888 Klicks zu Malware in acht Tagen stammten nur 12 aus Suchen mit Bezug zu dem Unglück, das sind etwa 0,09 Prozent.

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